Ab August werden die Anwohner der Melkerstraße an einer Baustelle leben. Welche Arbeiten geplant sind und wie lange sie dauern, erfuhren sie am Montagabend im Verwaltungsgebäude.

Osterburg l Gelder aus dem sogenannten Entflechtungsprogramm des Landkreises versetzen die Einheitsgemeinde in die Lage, "eine unserer wesentlichen innerörtlichen Verbindungen endlich auf Vordermann bringen zu können", sagte Nico Schulz am Montag auf einer Einwohnerversammlung. Zu der hatte der Bürgermeister geladen, nachdem die öffentliche Auslegung der Baupläne nur auf ein verhaltenes Interesse gestoßen war.

Die Versammlung erfuhr eine andere Resonanz: deutlich mehr als 100 Anwohner der Melkerstraße informierten sich im Verwaltungsgebäude über das Vorhaben. Aus gutem Grund: Für das Projekt erwartet die Stadt nicht nur Geld vom Kreis. Sie bittet auch die Grundstückseigentümer zur Kasse. Über Ausbaubeiträge, die sich nach einer aktuellen Berechnung beispielsweise bei einem 1000 Quadratmeter großen, eingeschossigen Wohngrundstück bei 6000 Euro einpendeln würden.

Bauvorhaben soll 1,292 Millionen Euro kosten

Mit diesen Beiträgen steuern die Eigentümer ihren Anteil an der geschätzt 1,292 Millionen Euro teuren Investition bei. Das Vorhaben beinhaltet den Neubau einer 6,50 Meter breiten Asphaltfahrbahn und Gehwege aus Betonpflaster. Eine neue Regenwasserkanalisation sowie die Errichtung einer mit LED-Lampen ausgestatteten Straßenbeleuchtung komplettieren das Projekt der Kommune. Mit im Boot sitzt der Wasserverband Stendal-Osterburg. Der Versorger nimmt den Neubau einer Schmutzwasserkanalisation in Angriff, zudem entsteht ein neues Trinkwassernetz. Als dritter Investor tritt die Avacon auf. Sie will die Freileitung zurückbauen und die Stromversorgung ins Erdreich verlegen.

Für Busse und Lkw gilt bald Tempo 30

Stimmt der Stadtrat wie erwartet dem Vorhaben während seiner Sitzung am 7.Mai zu, dürfte einem Baubeginn im August nichts mehr im Wege stehen. Bis Anfang Dezember soll der erste, vom Kreisverkehr auf dem Platz des Friedens bis zur Einmündung des Geschwister-Scholl-Weges reichende Abschnitt erneuert werden. Von Frühjahr bis November 2016 folgt der zweite, deutlich größere Bereich (vom Geschwister-Scholl-Weg bis zur Ballerstedter Straße). Sind die Arbeiten abgeschlossen, soll sich die Verkehrsführung zum Teil ändern. Busse und Lkw dürfen die Melkerstraße dann nur noch in Richtung Kreisverkehr und mit maximal 30 km/h befahren.

Einwohner-Fragen zielten anschließend auf die Höhe der Anliegerbeteiligung. So schilderten Anwohner, dass die Straße häufigvon Lkw aber auch von Schulbussen befahren werde. Deshalb habe die Melkerstraße eine ausgeprägte überörtliche Bedeutung, diese wiederum müsste eine andere Einstufung durch die Kommune und somit eine geringere Beteiligung der Grundstückseigentümer nach sich ziehen. Der Bürgermeister und anwesende Mitarbeiter der Verwaltung folgten dieser Meinung aber nicht. An der Einstufung der Straße wurde nicht gerührt. Ebenso bleibt es trotz Einwohner-Kritik dabei, dass die vollständige Grundstücksfläche in die Berechnung der Beiträge einbezogen wird.

Einen weiteren Hinweis griffen die Mitarbeiter der Stadt aber auf: Sie wollen prüfen, ob und wo den Anwohnern der Melkerstraße für die Zeit der Bauarbeiten Parkflächen für ihre Fahrzeuge zur Verfügung gestellt werden können.