Am 7. Mai feiert die Ortsgruppe Osterburg und Umgebung der Pommerschen Landsmannschaft im Landhotel in Mehrin ihr 20-jähriges Bestehen. Volksstimme sprach mit der Vorsitzenden Renate Mertens sowie Vorstandsmitglied Horst Lau und dessen Ehefrau Herta über Reisen und Heimatgefühle.

Osterburg l "Damals hatte Siegfried Harder in der Zeitung zum Treffen der Pommern in Osterburg in die Altmärkische Kaffeestube eingeladen. Im Februar sollte die erste Versammlung stattfinden", blickt Renate Mertens zurück. "Die Gründung hat dann das Ehepaar Neß angeschoben, die Vertreter des Pommernvereins Stendal waren, der wie unser Verein dem Bund der Vertriebenen Sachsen-Anhalt angehört."

Zu den Gründungsmitgliedern der Osterburger Gruppe zählten am 9. Mai 1995 Otto und Edelgard Hintze, Gertrud Marga, Lore Lühe, Erika Bensel, Gerhard Guske, Hans und Ingrid Landorff, Walter und Lisbeth Hennigs und Siegfried Harder, der den Vorsitz übernahm. Knapp zwei Jahre führte Harder die Geschicke in der Kreisgruppe Osterburg (BdV PLM), bevor nach seinem plötzlichen Tod Werner Neumann die Führung übernahm. Zeitweise kamen über 100 Menschen bei den regelmäßigen Treffen zusammen. Mittlerweile gehören 58 Mitglieder der Kreisgruppe Osterburg an, die sich allerdings schon aus den Nachkommen der gebürtigen Pommern zusammensetzt. Auch bei Renate Merten, die seit fünf Jahren Vereinsvorsitzende ist, war es so. "Meine Eltern waren drin, und Siegfried Harder hat mich 1995 geworben", so die Vorsitzende schmunzelnd. Ihr Vater, der vor fünf Jahren starb, wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. "Ich sollte ein bisschen die Finanzen machen und im Vorstand mitwirken."

Frühlingsfest war stets ein besonderes Ereignis

Da sie in der Lehre in der Sparkasse Osterburg das richtige Rüstzeug dafür bekam und dann bis 1997 im Finanzamt Osterburg arbeitete, war das Finanzielle sowieso ihr Metier. Wie viele andere Wegbegleiter fand sie aber vor allem Gefallen an den Treffen mit unterschiedlichen Themen und dem Zusammensein überhaupt. Ein besonderes Ereignis war stets das Frühlingsfest auf Barsberge, sozusagen "Gesetz". Deshalb erreichte das Fest meist eine Gästeschar von 80 Leuten. Ostdeutsches Liedgut und Gedichte wurden vorgetragen, bei Musik und Tanz ließen es sich die Pommern gut gehen. "Und im Winter gibt es immer den pommerschen Advent", so Renate Merten weiter. Selbstgebackener Kuchen und Gesang sind da Pflicht. Große Freude verbreitet zudem der Frauenchor Erxleben. "Der ist fast schon Inventar", schiebt die Vereinschefin nach. Natürlich fangen diese Veranstaltungen mit dem Pommernlied an. Gänsehaut ist vorprogrammiert. Die Adventserinnerungen aus Pommern zu hören, wecke das Heimatgefühl jedes Mal aufs Neue.

Darüber hinaus organisiert die Ortsgruppe Osterburg jährlich Fahrten nach Pommern. Vorstandsmitglied Horst Lau, seit 2005 dabei, ist mit seiner Frau Herta regelmäßig mit von der Partie. Dann geht es nach Rügenwalde und Rügenwaldermünde (heute: Darlowo), von wo sie ihre Ausflüge starten. Besuche im Schulmuseum und Bismarck-Schloss in Varzin gehörten zu den Höhepunkten vergangener Jahre. Aber auch zu den Elternhäusern der Pommern-Mitglieder führt oft der Weg, zum Beispiel nach Stolp (heute: Slupsk), wo die Gruppe vor zwei Jahren das Haus aufsuchte, in dem Inge Kalf geboren wurde und als Kind immer aus Spaß aus dem ersten Stock sprang, bis der Hausmeister kam und schimpfte. Pastor Wojciech Fröhlich, dessen Pfarrbereich 180 Kilometer umfasst und der die deutsche Minderheit, das heißt 238 Deutsche, betreut, berichtete über die geschichtliche Entwicklung im Land. "Alle, die handwerklich begabt waren, durften nicht raus und mussten für Polen arbeiten. Sie durften bis 1989 auch nicht Deutsch reden", gab Horst Lau wieder. Letztes Mal trafen die Osterburger eine 85-jährige Frau, deren Tochter kein Deutsch sprach, dafür aber deren Enkelin und Urenkelin.

Im Juni geht es wieder nach Darlowo

Zur Jubiläumsfeier am 7. Mai in Mehrin erwartet Renate Merten eben diesen Pfarrer Fröhlich, dessen Großeltern wiederum aus Schlesien stammen, mit zehn weiteren Gästen. "Wir sind auf den Pfarrer durch eine Sendung über die deutsche Minderheit in Pommern im NDR aufmerksam geworden." Seit drei Jahren pflegen die Osterburger die Freundschaft. "Diesmal wird Pfarrer Norbert Lazay etwas von unserer Gegend erzählen", kündigt die Vereinsvorsitzende an. Nach dem Pommernlied gäbe es aber erst einmal die Totenehrung und eine Ansprache von Hartwig von Bach, der in der Altmark für den Bund der Vertriebenen verantwortlich zeichnet. Natürlich wird der Vorstand mit Helga Hagedorn, Werner Neumann, Gerhard Guske, Edelgard und Otto Hintze, Eckhard und Ingrid Wiese komplett vertreten sein. "Wir teilen uns die Arbeit im Vorstand", stellte Renate Merten klar, "und sind dankbar für jeden Rat, auch der über 90-Jährigen." Das Wichtigste an der Pommerschen Ortsgruppe sei nämlich: "Unsere Gemeinschaft prägt ein großer Zusammenhalt. Wie in einer ganz großen Familie." So habe der 92-jährige Otto Hintze auch gefragt, was er zum Jubiläum beitragen könne. Und für die 93-jährige Ella Schlage aus Flessau sei das Schönste, wenn ein Pommernfreund bei ihr nach dem Rechten sieht oder von seiner Reise nach Pommern berichtet. Das sei immer ein bisschen, als wäre sie selbst dort gewesen. Horst Lau sorgt mit seiner Fotoschau stets für ein gelungenes Nachtreffen in großer Runde.

Im Juni steht die nächste Fahrt nach Darlowa an. Zur Buga reist die Kreisgruppe Osterburg am 11. Mai und im Herbst wieder nach Darlowo. Ein Abstecher zur Ostsee ist auf der Reise nach Pommern übrigens Usus. Vor ein paar Jahren hatte das Meer im September noch 20 Grad, und fast die ganze Reisegruppe nahm ein Bad in den Wellen. Ein phantastisches Erlebnis sei das gewesen. "Horst Lau, Karlheinz Hagedorn, Hellmut und Lore Lühe sind immer ins Wasser, auch wenn es noch so kalt war", erzählte Renate Merten. Bei der nächsten Fahrt nach Darlowo wird Lore Lühe fehlen. Die Erxlebenerin verstarb vor kurzem. "Wir wissen nie, wann es uns trifft", sagte Renate Merten, "das Zusammensein und unsere Reisen zu genießen, das ist doch das Schönste im Leben."

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