Der Stadtrat Werben hat am Dienstag zwei wesentliche Beschlüsse vertagt. In Sachen Stadtentwicklungskonzept und in Bezug auf die Vergabe der Städtebaumittel für 2015 waren zu viele Fragen offen. Das kommunizierten die Werbener gewohnt unverblümt.

Werben l Ein leichtes Spiel hatten Volker Herger und Jan-Ludwig Bauditz nicht. Das von ihnen erstellte Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) zweifelten am Dienstag mehrere Werbener Stadträte an. Elisabeth Gellerich war das beschriebene Szenario von sinkenden Einwohnerzahlen und fehlender Infrastruktur viel zu negativ. "Was heißt es denn, wenn sie sagen, dass kein bemerkenswerter Zuzug zu erwarten ist?", fragte sie. Sie halte es für Werben durchaus sehr bemerkenswert, wenn zum Beispiel drei Familien herziehen. "Es klingt so wie, eigentlich geht`s mit uns bergab, aber lass uns noch was machen." Werben vor zehn Jahren und heute, das sei ja kein Vergleich mehr. Sehr viel habe sich zum Positiven gewandt, auch was die Leerstände betrifft.

Wolfgang Trösken ist das Konzept zu unkonkret und zum Teil überholt. Er vermisst darin Handlungsableitungen für die weitere Stadtsanierung. Der Behrendorfer befürchtet, dass das Konzept, so schwammig er es auch empfindet, bindend für die weiteren Entscheidungen der Stadträte sei. So wie er, fragten auch Torsten Schatz und Michael Schnelle, welchen Charakters ein Beschluss über das Konzept hat. "Was ist, wenn sich auf dem Komtureigelände plötzlich alles ändert, wie gehen wir dann damit um?" So fragte Schnelle.

Sowohl die Ersteller des Insek als auch Jochen Hufschmidt betonten, dass es sich beim Konzept immer nur um eine Selbstbindung handele. "Es ist ja keine Satzung", so der Bürgermeister. Und als Konzept würde das Insek fortgeschrieben, den Gegebenheiten angepasst. Es diene den Stadträten als Richtschnur für die Stadtsanierung - vor allem aber sei es Bedingung, um überhaupt an weitere Mittel aus dem Städtebaulichen Denkmalschutz zu kommen.

Für dieses Jahr stehen der Stadt aus diesem Topf 550000 Euro zur Verfügung. Ein Teil davon, etwa 140000 Euro sind bereits vergeben für Überhangmaßnahmen aus dem vergangenen Jahr. Das betrifft auf dem Komtureigelände Maßnahmen am romanischen Haus und an den Häusern Nummer 5 und7, sowie Maßnahmen an der Fabianstraße 26. Für die Verwendung der restlichen etwa 410000 Euro stehen die Objekte in der Schlange. Mit ganz vorn dabei ist die Sanierung des Rathausdaches, wobei es drei Versionen gibt: über 115000 Euro, über 130000 Euro und über 190000 Euro. Darüberhinaus hat der Arbeitskreis Werbener Altstadt (Awa) einen Antrag auf Bezuschussung gestellt. Er will den Westgiebel der alten Schule sanieren. Auch dazu gibt es zwei Ausbauvarianten, über 30000 Euro und über 80000Euro - als Fachwerkvariante. Der Awa ist dabei, das Haus zu erwerben. Er will es weiter der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Mit im Rennen sieht der Bürgermeister das Haus an der Promenade 1. Ein Berliner bittet um Bezuschussung in Höhe von 120000 Euro. "Wir haben häufig private Maßnahmen gefördert", sagt Hufschmidt. Er sieht das Haus an der Salzkirche als "städtbaulich sehr wichtig". Vor allem verweist er darauf, dass der Berliner in den unteren Etagen eine Ausstellung über die Johanniter weltweit einrichten möchte. "Er war viel im Nahen Osten."

Insek und die Förderung sollen nun vorm Beschluss in einer Arbeitsgemeinschaft von Stadträten behandelt werden. Eine Vor-Ort-Begehung ist vorgesehen.

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