Matthias Beckmann und Axel Bayerl kennen sich aus mit Lütkemüller-Orgeln, aber jene in der Berger Kirche hat sie herausgefordert. Viele Pfeifen lagen jahrelang einfach lose auf der Empore, "das ist sehr ungewöhnlich". Doch die Havelländer haben es geschafft und das Puzzle zusammengefügt - das Resultat beglückt sie selbst.

Berge l Er will sich nicht selbst loben und muss es im Fall der Berger Orgel doch: "Die haben wir richtig gut hingekriegt", sagt Matthias Beckmann. Gemeinsam mit seinem Kollegen Axel Bayerl hat der Havelländer die Lütkemüller wieder zu einer richtigen Lütkemüller gemacht. "Genau so muss sie klingen", sagt der Orgelbaumeister und Restaurator. Endlich kann das Instrument wieder aus dem Vollen schöpfen. Als der Fachmann 2010 das erste Mal nach Berge kam, waren nur noch vier von eigentlich zehn Registern bespielbar. Das Instrument war feucht, denn durch das Dach der Kirche regnete es rein. Vor allem aber waren die Orgelbauer verblüfft davon, dass ein Gros der Pfeifen einfach so frei auf der Empore lag. "Das gibt es eigentlich gar nicht." Als "Leute aus dem Dorf" die Orgel in den achtziger Jahren mit einem elektrischen Gebläse versehen haben, sind sie vielleicht unterbrochen worden. "Dieses Rätsel lässt sich aber nicht auflösen."

So viel wie nötig ersetzten sie an der Orgel, so viel wie möglich beließen sie beim Alten. "Wir haben die Orgel in den Erbauungszustand rückgeführt", so Beckmann. Allerdings, weil der Platz einfach zu klein war, verlagerten die Männer das elektrische Gebläse nach außen. Es ist nun nur noch minimal und für die Zuhörer in der Kirche überhaupt nicht mehr hörbar. "Nichts ist schlimmer, als wenn es die ganze Zeit rauscht beim Spielen", so Beckmann. Die Männer haben die Windführung im Orgelgehäuse optimiert und den Blasebalg restauriert. Wie gehabt, wurde er an den beweglichen Stellen mit Schafsleder versehen. Von den zirka 450 Pfeifen der Orgel fehlten etwa 50. Sie wurden ersetzt. "Der Rest ist noch original erhalten", betont Beckmann. Original, das heißt von 1875. Da wurde die Orgel erbaut.

Das Instrument entspricht den typischen Lütkemüller-Orgeln seiner Zeit und ist trotzdem besonders. Es wurde während der Bauzeit um ein Register erweitert, und an einer Stelle sind vermutlich aus Platzspargründen zwei Register zusammengefügt. Das betrifft das Innere, aber auch außen wartet die Berger Lütkemüller mit einer Besonderheit auf: Die Holzornamentik, die das Instrument optisch vergrößert, haben die Havelländer noch nie so gesehen. "Da hat bestimmt die Gemeinde gesagt, dass ihnen das Instrument von unten betrachtet zu mickrig aussieht", sagt Beckmann. Anders könne er sich diese Ummantelung nicht erklären.

Barocke und romantische Musik kann nun auf der Berger Orgel gespielt werden. Finanziert wurde all dies durch Eigenmittel des Kirchspiels, durch ein Darlehen beim Kirchenkreis, einen Zuschuss der Landeskirche und über Spenden. "Besonders die Berger Einwohner selbst sind hier hervorzuheben", sagt Pfarrer Jan Foit. Am Sonntag, 10. Mai, ab 16.30Uhr wird die Orgel mit einem Konzert wiedereingeweiht. Es spielt Kreiskantor Friedemann Lessing. Die Havelländer kommen auch.