Die Geschwister Scholl Sekundarschule nimmt im neuen Schuljahr Kinder aus Krisengebieten auf. Sie wohnen in Stendal und sprechen in den meisten Fällen noch kein Deutsch. Goldbeck öffnet die Arme, braucht aber Unterstützung vom Landesschulamt.

Goldbeck l Sie kommen aus den Balkanstaaten, aus Syrien, dem Iran, dem Irak, Indien oder Afghanistan und haben vorerst in Stendal eine Bleibe gefunden. Ein Teil der Asylbewerber und Flüchtlinge lebt in der Gemeinschaftsunterkunft im Möhringer Weg, ein weiterer Teil lebt dezentral vornehmlich in Stendaler Wohnungen. Bleibt der Zustrom so wie jetzt, rechnet der Landkreis bis Ende dieses Jahres mit einer Asylbewerber- und Flüchtlingszahl von etwa 1200 Personen, darunter viele Kinder, die aus Kapazitätsgründen nicht alle in Stendal unterrichtet werden können. Deswegen kommt auch Goldbeck mit ins Spiel. Die genaue Zahl der Schüler ist noch nicht bekannt. Es ist aber die Rede von 15 bis 20 Kindern.

Winfried Schwuchow ist grundsätzlich guter Dinge. "Diese Kinder sind in großer Not, wir wollen gerne helfen", sagt der Schulleiter. Er betont jedoch, dass das Kollegium Unterstützung braucht. Und zwar "nicht nur in Form von Stunden, sondern in Form von Köpfen". Dieser Wink geht in Richtung Landesschulamt Magdeburg. Den Lehrern in Goldbeck fehle eine entsprechende Ausbildung, um zum Beispiel Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Und Deutsch lernen müssen die Kinder zunächst, die meisten können es nicht.

Immerhin würden Kollegen aus Stendal sagen, dass die Kinder die deutsche Sprache in der Regel sehr schnell lernen. Dolmetscher werden jedenfalls nicht eingesetzt, heißt es vom Landkreis. Vorgesehen seien für Goldbeck Schüler für alle Klassenstufen, also 5. bis 10. Klasse. Die Schüler werden in die bestehenden Klassen integriert. Das geht sicher nicht für jedes Fach sofort, denkt Schwuchow. In den Sportunterricht könnten sie natürlich gleich. Aber was ist mit Chemie? Mathematik? Vielleicht sei es sinnvoll, die Kinder in der Anfangsphase erst in kleineren Gruppen zu unterrichten. Aber das werde sich dann entscheiden. Auch ob die Schüler mit dem Bus oder mit der Bahn kommen, sei noch nicht geklärt. So oder so hofft Schwuchow darauf, dass die Mädchen und Jungen am Anfang in irgendeiner Form begleitet werden. "Für sie ist ja alles neu." Die Schüler und Lehrer in Goldbeck wissen natürlich schon Bescheid, das Thema Fremdsein werde dort ohnehin offensiv angegangen. Nicht umsonst dürfe die Einrichtung den Titel "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" tragen. "Ich sehe das Ganze optimistisch, die Kinder sind eine Stärkung für uns."

Ähnlich spricht auch Bürgermeister Torsten Dobberkau. Er wünscht sich, dass die Kinder nicht nur ihren Unterricht in Goldbeck verbringen, sondern hier vielleicht auch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Über den Sport zum Beispiel. "Auf jeden Fall bekennen wir uns, die Kinder sind herzlich willkommen in Goldbeck."

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