Wenn sich in der Verbandsgemeinde Seehausen jemand intensiv Gedanken um die "Daseinsvorsorge im ländlichen Raum" im Rahmen der Regionalen Entwicklungsplanung machen muss, dann der Sozialausschuss. Denn Kinderbetreuung sorgt in allen Verwaltungen für einen Großteil der angespannten Kommunaletats.

Seehausen l Der Seehäuser Sozialausschuss stellt sich dem Thema in diesen Tagen intensiv und hat sogar die Sitzungsfolge gestrafft, um sich zügig von allen elf Einrichtungen der Verbandsgemeinde ein eigenes und aktuelles Bild zu machen - am Dienstagabend in Bretsch und Kossebau.

Geht es nach dem Papier der Regionalen Planungsgemeinschaft, für dessen Stellungnahme die Verbandsgemeinde inzwischen eine Fristverlängerung bis 12.Juni erreicht hat, sollen bestandsfähige Kindertagesstätten künftig eine Mindestzahl von 20 Null- bis zu Sechsjährigen aufweisen. Eine Zahl, die auch Uwe Seifert nicht als Dogma akzeptieren will, weil letztlich die Kosten entscheidend seien. Andere Kommunalpolitiker sind sogar dann zu Kompromissen bereit, wenn die Erreichbarkeit der Betreuungsstätten für Eltern nicht mehr gegeben ist.

Dass auf Seite14 des Planungsentwurfs bei der Mindestzahl von einem Richtwert und nicht von einer gesetzlichen Größe die Rede ist, konnte die Mitglieder des Gremiums um Claudia Brünicke nicht beruhigen. Im Gegenteil.

Achtung: Richtlinie!

Rüdiger Kloth hatte sich im Vorfeld intensiv den entsprechenden Passagen des Planungsentwurfs gewidmet, sich aber auch zu Richtlinien-Kommentaren im Verwaltungsrecht belesen und herausbekommen, dass man den Begriff nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Wie andere Kritiker auch, für die die Pläne der Daseinsvorsorge eher eine Anleitung zur Abwicklung des ländlichen Raumes als zukunftsweisend sind, hält er es für möglich oder sogar wahrscheinlich, dass den Seehäusern eine Zustimmung irgendwann unter die Nase gehalten wird. Und er erinnert sich und andere daran, dass es beim Aus für das Gymnasium ähnlich gelaufen sei.

Rechtlich fragwürdig

Außerdem war er darüber "gestolpert", dass beim Abschluss von Verträgen mit Trägern lokaler Einrichtungen (wozu auch Kitas zählen) staatliche Partner bevorzugt werden sollen. Das offene Behindern von freien Trägern wie kirchlichen Einrichtungen, dem Paritätischen und ähnlichen Institutionen dürfte sogar rechtliche fragwürdig sein, mutmaßte Rüdiger Kloth.Was die Mindestzahl von 20Kindern bedeuten kann, wurde beim Rundgang durch die Bretscher Kita "Am Räuberberg" deutlich. Die Einrichtung, die Anfang der 1970er Jahre errichtet wurde, als das Volksgut noch dem halben Dorf Lohn und Brot bot, beherbergte in Spitzenzeiten weit über 100 Mädchen und Jungen. Derzeit sind es noch 23. Fünf kommen im Spätsommer in die Schule. Dem gegenüber stehen bislang zwei Neuanmeldungen.

Dabei kann sich die Einrichtung, die ins Dorfleben integriert ist, logistisch gesehen blicken lassen. Es gibt nicht nur Platz ohne Ende, die Räume sind allesamt ebenerdig und nicht zuletzt dank des Engagements des Fördervereins und der Eltern fast vollständig hell und freundlich durchrenoviert. Dach, Heizung, Fenster und Teile des Mobiliars wurden im Laufe der Jahre modernisiert, das Außengelände um den "Räuberberg" ziert ein großer Verkehrsgarten, den auch andere Kitas nutzen dürfen.

Kitaleiterin wirft Handtuch

In der Situation kommt es wohl eher ungelegen, dass die neue Kita-Leiterin, Nikola Passlack, nach nur einem Dreivierteljahr schon wieder die Segel am "Räuberberg" streicht. Die Nachricht kam nicht nur für die Kommune, sondern auch für die meisten Fördervereinsmitglieder und dessen frisch gewählten Vorstand, aber auch für die Mitglieder des Sozialausschusses unerwartet. Mit offiziellen Kommentaren hielten sich die meisten zurück, machten aber deutlich, dass sie auf das Engagement der Stapelerin große Hoffnung gesetzt hatten. Verbandsgemeindebürgermeister Robert Reck war nur zu entlocken, dass Nikola Paslack die Leitung auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen abgibt: "Wir waren und sind mit der Arbeit von Frau Passlack sehr zufrieden. Sie wird von uns als engagierte Erzieherin mit frischen Ideen geschätzt. Zukünftig wird sie voraussichtlich wieder in Seehausen arbeiten, wo man sie damals nur ungern gehen ließ".

Das Kontrastprogramm gab es anschließend in der Kita Kossebau, wo mit Kornelia Krüger seit Jahren Konstanz an der Spitze eines Teams herrscht, das die baulichen Nachteile des modernisierten Gutshauses positiv zu nutzen versteht, das den Forscherdrang des Nachwuchses weckt und dessen Förderverein hinter dem Projekt Frischeküche steht, um nur einiges zu nennen. Dass die Einrichtung 50 Kinder aus der Umgebung betreut, spricht für sich.

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