Die Vergabe der Städtebaumittel wird zur Zerreißprobe. Die Meinungen gehen stark auseinander und der Ton ist scharf. Wenn der Förderantrag des Arbeitskreises Werbener Altstadt (Awa) nicht durchkommt, denkt dieser über Konsequenzen nach - "weil die Arbeit dann sinnlos wird".

Werben l Werner Eifrig möchte keine Drohkulisse aufbauen. Der erste Vorsitzende des Awa verhehlt aber nicht, "dass es Auswirkungen geben wird", wenn der Stadtrat die vom Verein beantragten Gelder nicht genehmigt. "Dann müssen wir unsere ehrenamtliche Arbeit überdenken, dann sehen wir keinen Sinn mehr darin."

Der Verein möchte den Westgiebel der alten Schule sanieren lassen - laut Mitgliederbeschluss in der Fachwerkvariante über etwa 80000 Euro. Alles andere mache auf Dauer keinen Sinn. Der Westgiebel ist eine Innenwand, das angrenzende Haus steht nicht mehr. Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen und das werde sie wieder, wenn "nur gespachtelt" wird. Etwas mehr als Spachteln wäre es schon in der günstigeren Variante über 30000 Euro. Aber sie wäre eben längst nicht so nachhaltig wie ein Fachwerk, habe der Awa sich beraten lassen. "Ein Fachwerk gibt dem Haus auch noch Stabilität", so der erste Vorsitzende. Deswegen votierten die Awa-Mitglieder für die umfangreichere Sanierung. Sie haben viel vor mit dem Haus, es soll Vereinsheim sein, vor allem auch weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Aber kommt das Geld dafür? In diesem Punkte hatte sich der Awa, der den Eigenanteil selbst beisteuern kann, am Dienstagabend einen Vorab-Entscheid erhofft. Die Arbeitsgruppe Städtebau, der Ratsmitglieder und interessierte Bürger angehören, wollte eine Priorisierung vornehmen, um sie dann dem Stadtrat als Beschlussvorlage zu unterbreiten. Dieser sah sich in seiner letzten Sitzung noch nicht in der Lage, darüber zu entscheiden. Was ihm nun in seiner nächsten Sitzung vorgelegt wird, ist vielleicht eher Aufzählung als priorisierende Liste. "Aber es wird uns als Grundlage dienen", sagt Bürgermeister Jochen Hufschmidt.

Drei Projekte sind als Überhang aus dem letzten Jahr auf das von Elisabeth Gellerich vorbereitete Papier gerutscht: Das betrifft auf dem Komtureigelände Maßnahmen am romanischen Haus und an den Häusern Nummer 5 und 7 sowie eine Maßnahme am Haus in der Fabianstraße 26. Mit dabei ist auch die Sanierung des Rathausdaches, das beschriebene Awa-Vorhaben, eine Dachsicherung in der Marktstraße 5 und 6, das Eckhaus Promenade1 und auf Anregung des Werbeners Christoph Schorlemmer das alte Stück Stadtmauer in der Schadewachten, das in irgendeiner Form "angegangen" werden sollte.

Dass nicht alle Stadtratsmitglieder diese Liste unterschreiben werden, kündigte sich am Dienstag bereits an. So plädierte Wolfgang Trösken dafür, das Geld vornehmlich in die Infrastruktur und in kommunale Gebäude zu stecken - nicht in private. Er betonte, dass die Gelder nur in diesem und im nächsten Jahr ganz sicher fließen. Weitere sind allerdings beantragt. Nach Tröskens Haltung kämen zum Beispiel das Awa-Projekt und die Promenade 1 nicht in die Förderung. Für letzteres Fachwerkgebäude an der Salzkirche plädierten neben Werner Eifrig auch Bernd Dombrowski und Jochen Hufschmidt. "Niemand wird privat für dieses Haus wieder so viel Geld in die Hand nehmen", so Hufschmidt. Es sei nicht nur städtebaulich sehr wichtig, sondern der Eigentümer möchte darin auch ein Museum über die "Johanniter weltweit" einrichten. Abgesehen davon wurden schon viele private Projekte aus dem Städtebau-Topf mitfinanziert. Claudia Richter-Pomp betonte, dass das Awa-Vorhaben der Gemeinheit nütze. "Es ist für die Stadtentwicklung wichtig."

Werner Eifrig hat noch kein gutes Gefühl. Denn am Ende entscheidet der Stadtrat und dort spüre der Awa im Moment Gegenwind, "obwohl wir uns so für die Stadt einsetzen". Die Entscheidung müsse aber jetzt fallen, sonst gerate auch die Planung des Vereins in Gefahr. Der Awa wolle jetzt endlich wissen, woran er ist. Die nächste Stadtratssitzung ist am Dienstag, 2. Juni, um 19 Uhr.