Steter Tropfen höhlt den Stein. Für die Dorfkirche Räbel stimmt dieser Spruch wortwörtlich. Auch kleinere Hochwasser haben dem Gotteshaus immer wieder derart zugesetzt, dass der Erhalt längst auf der Kippe stand. Nun kommt nach 2013 ausgerechnet aus dem Fluthilfefonds des Landes die entscheidende Finanzspritze für die Sanierung.

Räbel l Die Sanierung der Räbeler Dorfkirche war immer ein Projekt der kleinen Schritte. Aber die Räbeler und alle weiteren Förderer gingen sie. Das so idyllisch am Deich gelegene Gotteshaus sollte unbedingt erhalten bleiben: Dieser Traum soll nun wahr werden. Denn das Projekt wurde "mit einer beträchtlichen Summe" aus dem Fluthilfefonds Sachsen-Anhalt bedacht, informiert Jan Foit als Pfarrer des Kirchspiels Werben. Dieser Zuschuss ermögliche eine neue Perspektive der Planung. Für dieses Jahr sind letzte Vorbereitungen vorgesehen, schon im nächsten Jahr soll gebaut werden.

Fluthilfefonds? Das mag verwunderlich klingen, denn diesseits der Elbe hielten die Deiche. Die Räbeler Kirche nahm indirekt Schaden. Das Drängwasser machte ihr arg zu schaffen. Das geht soweit, dass Wasser in der Kirche steht und große Flächen komplett vermosen. Und das betrifft nicht nur große Hochwasser, "auch jedes kleinere bereitet der Kirche Probleme", sagt Jochen Hufschmidt als Bauausschuss-Vorsitzender des Kirchspiels. Das Gotteshaus, das direkt am Deich steht, ist nicht von ihm geschützt. Das Wasser hat über Jahre - und 2013 noch einmal ganz besonders - so viel Schaden angerichtet, dass das Gebäude heute quasi baufällig ist. Darüber waren die Förderer sehr unglücklich. Entsprechend groß sei nun die Freude. "Es ist die letzte Chance für die Kirche", sagt Foit.

Die Bemühungen um deren Erhalt reichen weit zurück, dabei war die Deichkirche schon aufgegeben. Auch nach der Wende noch sollte sie sogar verkauft werden. Erst Mitte der neunziger Jahre geriet das Haus wieder stärker in den Fokus. Gerade unter den Neubürgern Räbels machte sich die Haltung breit, dass diese Kirche unbedingt erhalten bleiben müsse. Nicht nur die Lage direkt am Deich macht sie nämlich besonders, sie sei auch als Gebäude einzigartig. "Der Fachwerkturm ist in der Altmark eine Rarität", sagt Foit. Der Turm kam später dazu, das Gebäude als gotische Backsteinkirche wurde ohne erbaut, wahrscheinlich um 1280.

Nun soll die Kirche ihr kleines, großes Wunder erleben. Nach jahrenlangem Einsatz von Räbelern und seitens des Kirchspiels, nach Benefizveranstaltungen diverser Art, nach ersten notwendigen Sicherungsmaßnahmen und nachdem auch Studentenarbeiten die Kirche zum Thema hatten und weitere Förderanträge gestellt wurden, soll die Sanierung tatsächlich in die Wege geleitet werden. Noch ohne die Spundwand zum Deich, die Sanierung der Kirchenmauer und ohne Arbeiten am Dach schätzen die Förderer den finanziellen Aufwand auf etwa 400000 Euro. Dabei gilt, dass der Charme der Kirche erhalten bleiben soll. "Es wird keinen schicken Boden geben, sondern wieder Backstein", sagt Hufschmidt. Der Unterschied sei eben die Drainage darunter. Ist die Sanierung soweit abgeschlossen, wird die Kirche auch als offene Radwegekirche angepriesen. Das Haus ist dann regelmäßig für Besucher geöffnet und auf dem Deich entsteht eine Sitzgruppe und Fahrradständer.

Schon jetzt ist die Deichkirche bei Gottesdiensten überdurchschnittlich gut besucht. "Und jeder, der kommt, sagt, was habt ihr nur für eine schöne Kirche", so Hufschmidt. Und das, obwohl sie in sehr schlechtem Zustand ist. Das Fleckchen Erde ist beliebt und hat auch in der Ferne Fans. Um für kulturelle Veranstaltungen flexibler zu sein, erwägt das Kirchspiel statt der - gespendeten - Sitzbänke, später Stühle hineinzustellen. Und Strom bekommt die Kirche auch, das erste Mal.

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