Ausgerechnet jetzt, wo es um die Finanzen der Stadt Seehausen so schlecht wie noch nie bestellt ist, winken über den Landkreis Stendal Fördermittel für die Sanierung der Umfluterbrücke an der Arendseer Straße. Wenn die Zuschüsse nicht verfallen sollen, ist Phantasie beim Akquirieren der Eigenmittel gefragt.

Seehausen l Seit die Umfluter-Brücke an der Brüderstraße 2008 erneuert wurde, bemüht sich die Stadt Seehausen um Födermittel für das Gegenstück an der Arendseer Straße. Nach einem vernichtenden Gutachten droht der Querung mittlerweile eine Begrenzung bei der Tonnage und langfristig sogar die Vollsperrung. Ein undenkbares Szenario, weil die Arendseer Straße (früher Schulstraße) sozusagen als Verlängerung der B 190 mit eine der wichtigsten Einfallstraßen und Verkehrsadern der Alandstadt ist.

Investition wird über zwei Jahre gebucht

Die Tage des maroden Bauwerkes scheinen indes gezählt zu sein. Seehausen steht in der Prioritätenliste des Landkreises Stendal, der die Zuschüsse über das Entflechtungsgesetz verteilt, in diesem Jahr nämlich plötzlich mit ganz oben.

Bauamtsleiter Guido Mertens überbrachte die Nachricht am Mittwoch den Mitgliedern des Bauausschusses. Allerdings verbunden mit dem Hinweis, dass es nicht mehr möglich sein wird, das Vorhaben wie sonst üblich durch alle Fachausschüsse des Stadtrates zu winken. Die Zeit, so Mertens mit Blick auf Antrags-, Ausschreibungs- und Vergabefristen, reiche dafür einfach nicht aus. Oder die Kommune laufe in Gefahr, für die nächsten Jahre leer auszugehen.

Die Beratungsfolge scheint auch nicht zwingend erforderlich zu sein, weil das Projekt nicht neu und eigentlich auch Teil der langfristigen Finanzplanung ist. Dass sich die Geldsorgen der Kommune in den vergangenen Jahren so dramatisch entwickelt haben, macht die Sache allerdings nicht leichter, weiß auch Bürgermeister Detlef Neumann, der die Zuschüsse sonst natürlich begrüßt.

Die Gesamtkosten des Neubaus werden inzwischen nicht mehr auf 460000 Euro, sondern auf rund 580000 Euro geschätzt. Der Eigenanteil der Stadt liegt bei 20Prozent, also bei 116000Euro. Da mit dem Bau noch in diesem Jahr begonnen werden soll, ist wieder einmal Kreativität beim ohnehin noch nicht beschlossenen Haushalt 2015 gefragt.

Geld reicht nur für einen zweckmäßigen Ersatzbau

Um die Ausgaben überhaupt stemmen zu können und den Etat zu entlasten, plant man im Rathaus, die Brücke auf zwei Jahresscheiben zu verteilen. Weil zwei Bauabschnitte technisch aber gar nicht möglich sind, heißt das, dass der Bau zwar in einem "Ritt", aber über den Jahreswechsel zu 2016 erfolgt. So kann der Eigenanteil der Stadt auf zwei Haushalte verbucht werden.

Das Geld, so der Bauamtsleiter, reicht nur für einen zweckmäßigen Ersatzbau. Historische Brückenvorbilder spielen in den Planungen keine Rolle. Nachdem die Seehäuser schon schlechte Erfahrungen mit den Bauarbeiten an der Umfluterbrücke Brüderstraße gemacht haben, die sich letztlich über 13 Monate hinzogen, hofft Mertens, dass der Winter nicht für all zu große Verzögerungen sorgt. Nichtsdestotrotz stehen die Verantwortlichen mit dem Umleitungsverkehr auch so vor einer großen Herausforderung.