Deichschauen gehören zum festen Jahresprogramm des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW). Die Termine sind auch eine Gelegenheit, um mit den Verantwortlichen direkt vor Ort ins Gespräch zu kommen und Kritiken oder Anregungen loszuwerden.

Seehausen/Osterburg l Deshalb zeigte sich der Leiter des Flussbereiches Osterburg (von Rogätz bis Wanzer), Hans-Jörg Steingraf, auch etwas enttäuscht, dass bei den 18 Abschnitten der jüngsten Deichschau neben den Verantwortlichen von Kommunen und Behörden, die auch im Hochwasserfall aktiv werden, abgesehen von den Anglern keine Vertreter der Naturschutz- oder Berufsverbände teilgenommen haben.

Die 213 Kilometer Deiche des Flussbereiches Osterburg sind laut Steingraf prinzipiell in einen guten Zustand. Trotzdem gibt es Mängel, die die Wasserbehörde abarbeiten muss.

So haben zum Beispiel die Wildschäden zugenommen. Im Altkreis Osterburg wurden insbesondere Schönberg und Neukirchen im Protokoll festgehalten. Wobei laut Flussbereichsleiter derzeit nicht etwa Biber, sondern Wildschweine das größte Problem sind. Dazu gibt es einige Greifvogelstützen zu reparieren, womit sich wiederum die Wühlmauspopulation dezimieren lässt. Und mit Schwerpunkt Werben-Beuster gilt es an den Qualmdeichen einige angrenzende Bäume zu beschneiden, damit sich die Grasnarbe weniger beschattet besser entwickeln kann.

Wiederkehrende Probleme

Immer wiederkehrende Probleme sind nicht genehmigte Nutzungen der Schutzanlagen. Darunter fällt unter anderem das unberechtige Befahren der Deichverteidigungswege oder das Benutzen der Deichbermen, was allein dem LHW vorbehalten ist. Außerdem "stolperten" die Kontrolleure über beackerte Fünf-Meter-Schutzstreifen hinter den Schutzwällen, aber auch über Zäune, Stromleitungen sowie ungenehmigte Schilder und Bänke auf den Deichen. Letztere werden jetzt entfernt und können laut Steingraf in den kommenden vier Wochen in den LHW-Betriebsstätten Seehausen beziehungsweise Bölsdorf abgeholt werden, bevor ihnen die Entsorgung droht.

Das konsequente Vorgehen gegen nicht genehmigte Bänke und Schilder begründet Steingraf zum einem mit dem geltenden Wasserrecht, zum anderen mit Sicherheitsrisiken. Denn einige seien so platziert, dass sie zur Gefahr für abgelenkte Radfahrer werden können, die die Deichwege ebenso nutzen dürfen wie Fußgänger. Wenn Bänke geduldet werden, besteht die Behörde auf schriftliche Vereinbarungen, in denen die Verantwortung im Schadensfall geregelt ist.

Apropos Schäden: Noch immer werden Deichschranken vorsätzlich zerstört. Der Flussbereich hat in den zurückliegenden Jahren begonnen, einen neuen Schrankentyp zu entwickeln. Diese Absperrungen sind stabiler, gewähren aber gleichzeitig Fahrradfahren auf einer Spur das Durchkommen. Bis Ende 2017 sollen laut Steingraf alle Schranken umgebaut sein.

Auf jeden Fall werden es unterm Strich wohl mehr Schranken werden. Denn auch an einigen Abschnitten, die bislang freigeben waren, müssen die Deiche künftig vor dem Befahren geschützt werden. Das betrifft zum Beispiel den rechten Alanddeich bei Wanzer. Auch das Flutungsbauwerk Garbe ist für die dauernde Benutzung nicht ausgelegt und muss gesichert werden. Die Sperrung des Deichverteidigungsweges zwischen Beuster und Unterkamps wird derzeit geprüft.

Schafe für die Deichpflege

Der Flussbereich beabsichtigt aber auch einige Deichverteidigungswege - statt sie zu sperren - durch die Kommunen als Wege widmen zu lassen. Das gilt in den Bereichen, wo neue Deiche das vorhandene Wegenetz unterbrechen, die Durchfahrt für Anlieger aber gesichert sein müsste.

Am Rande wies Steinfgraf noch darauf hin, dass inzwischen acht Schäfer mit über 3000 Tieren vertraglich für die Deichunterhaltung (weiträumiges Pferchen) gebunden sind. Das betrifft 127 Kilometer Deich mit einer Fläche von rund 450 Hektar. Da ist offenbar noch Luft nach oben, aber die großen und zusammenhängenden Flächen sind vergeben, hieß es auf Nachfrage.