Osterburg (fsc). Zu einem Seminar über artgerechte und gewaltlose Hundeerziehung hatte Sibylle Jacob aus Iden, Verhaltenstherapeutin für diese Vierbeiner, zum Wochenende in die Altmärkische Kaffeestube eingeladen und dann auch fast ein Dutzend interessiert lauschende Zuhörer auch aus umliegenden Orten um sich, die mit Fragen zum Thema nicht zurück hielten. Sie gab Hinweise, wie Herrchen und Frauchen lernen können, besser mit ihrem Hund zu kommunizieren – vor allem weg von der Vermenschlichung, denn "der Hund ist ein egoistisches Raubtier und soll und will auch als solches behandelt werden.

"Der Hund hat weder bewertende menschliche Emotionen noch menschliche Verhaltensweisen, wie oftmals vom Menschen fälschlich vorausgesetzt oder erwartet wird. Dem Hund geht es um Triebbefriedigung und seinen Vorteil, so dass man ihm das von uns gewünschte Verhalten über Bestätigung ,schmackhaft’ machen muss", erklärte Jacob. Er wolle sich dem Menschen freiwillig unterordnen, sofern sich dieser in seinen Augen glaubwürdig wie ein Rudelführer verhält. Für jedes richtige Verhalten, beispielsweise jedes ausgeführte Kommando bei der Erziehung, die schon im Welpenalter beginnen sollte, erwartet der Hund eine positive Bestätigung in Form einer Streicheleinheit oder eines "Leckerli", denn "der Mensch arbeitet ja auch nicht umsonst".

Weiterhin sehr wichtig ist, den Hund ohne Gewalt und Strafe zu erziehen oder in speziellen Fällen umzuerziehen. "Ich mache mich vor dem Tier, das mir vertraut, unglaubwürdig, wenn ich es bestrafe, obwohl es aus seiner Sicht, der Sicht des Raubtiers, richtig macht. Ich muss dem Hund Alternativen bieten, die aus meiner Sicht richtig sind.

Ein weiterer Schwerpunkt des Seminars betraf die artgerechte Hundehaltung. Das bedeutet das richtige Futter – keine gewürzten und gesalzenen Essensreste sowie einen kritischen Blick auf die Inhaltsstoffe im Hundefutter, dem es oft an Fleisch mangelt –, genügend Auslauf, um dem Bewegungsdrang des Tieres nachzugeben, mehrmaliges Gassigehen auch bei unwirtlichem Wetter, das sich nicht auf eine Runde ums Haus beschränken sollte. Auch sollte der Hund beschäftigt werden, zum Beispiel durch Agility-Übungen.

Sibylle Jacob machte auch auf Erziehungsirrtümer aufmerksam. Oft sei die Anschaffung des neuen Familienmitgliedes, vielleicht als Geschenk für den Sohn oder die Tochter unterm Weihnachtsbaum, nicht richtig durchdacht – zum Beispiel bei der Auswahl der Rasse hinsichtlich ihrer Charaktereigenschaften, des Wohnumfeldes und so weiter. Es fehlt die Sachkenntnis über artgerechte Erziehung, man ist sich über die Kosten der Unterhaltung und Pflege, über den Zeitaufwand nicht im Klaren. So kann es schnell zu Stress zwischen Hund und Menschen kommen. Dieser Zustand führt beim Hund nicht selten zu Fehlverhalten und bewirkt bei seinem Halter Frust und Resignation. Dann ist es nicht mehr weit, bis der Hund Problemverhalten wie Hetzen, Jagen, Zerstören von Gegenständen, Ängstlichkeit zeigt.

Nun hält der Mensch nicht selten "das Maß für voll"; er ist an dem Punkt angekommen, wo er sein Tier entweder wieder los sein möchte, entweder am Straßenrand oder im Tierheim, oder es sogar brutal misshandelt. Die Idenerin ging auch auf weitere Irrtümer ein. Die Leine sei nichts Negatives, sagte sie beispielsweise. Sondern sie gebe besonders einem ängstlichen Hund Sicherheit und während der Erziehung die Richtung vor, natürlich ohne Anwendung eines Leinenrucks oder Einsatz eines Würgehalsbandes. "Hunde brauchen keine anderen Hunde, sondern genügend Zeit, die sie gemeinsam mit ihrem Menschen verbringen können – als Rudeltiere." Und: "Fast jeder Hund ist therapierbar", betonte die Idenerin, die auch die Arbeit mit Problemhunden nicht scheut.