79325 Entleihungen und 23864 Besuche zählte die Osterburger Stadtbibliothek im vergangenen Jahr. Während es 2010 mehr Entleihungen als 2009 gab, ging die Zahl der aktiven Nutzer zurück.

Osterburg. Ähnlich wie in der Fahrbücherei (die Volksstimme berichtete) mussten die Mitarbeiter der Stadt- und Kreisbibliothek im vergangenen Jahr auch einen Besucherrückgang in ihrer Zentrale am Großen Markt registrieren. Waren in dem Gebäude im Jahr 2009 noch 1217 Einwohner regelmäßig anzutreffen, um sich Schmöker, Videos oder DVDs auszuleihen, zählte die Bibliothek 2010 noch 977 aktive Nutzer. Dementsprechend ging die Zahl der registrierten Besuche von 28995 im Jahr 2009 auf 23864 in 2010 zurück, berichtete Anette Bütow, Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek, während der Präsentation des 2010er Arbeitsberichtes.

Gleiches gilt für die Neuanmeldungen: Sie lagen im vergangenen Jahr bei 156, 2009 hatten sich noch 174 neue Nutzer in der Osterburger Stadtbibliothek registriert.

Einen entgegengesetzten Trend machen die Mitarbeiter der Stadtbibliothek dagegen bei den Entleihungen aus. "Wir haben einen leichten Aufwärtstrend", stellte Bütow klar, dass die Nutzer die Angebote der Verleihstätte noch intensiver in Anspruch nehmen. Zählte die Stadtbibliothek 2009 77006 Entleihungen, waren es im vergangenen Jahr insgesamt 79325. Dabei blieb die Zahl der Bücher, Zeitschriften und Zeitungen, die über den Tresen der Bibliothek gingen, mit 36680 (2010) gegenüber 36238 (2009) nahezu konstant. Der Aufwärts-trend resultiert nach dem Arbeitsbericht der Bibliothek zum überwiegenden Teil aus den Verleihungen von DVDs und Videos. Sie gingen 2010 22500mal in die Hände von Bibliotheksnutzern über, 2009 hatte die Verleihzahl noch bei 19158 gelegen.

Film-DVDs und Videos, Hörspiele, Musik-CDs, Computerspiele und Gesellschaftsspiele, die im Arbeitsbericht der Bibliothek unter dem Begriff "Non-Book-Medien" zusammengefasst sind, wurden im vergangenen Jahr häufiger verliehen als Bücher und Zeitschriften. Als Trendwende weg vom gedruckten Wort interpretiert Anette Bütow dies aber nicht. "Denn man darf nicht vergessen, dass Bücher für einen Zeitraum von einem Monat ausgeliehen werden. Für Filme haben wir dagegen eine Frist von drei Tagen", erklärte die Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek.

Bütow zeigte sich deshalb überzeugt, dass das Lesen von Romanen nach wie vor zur Lieblingsbeschäftigung der Osterburger Bibliotheksnutzer gehöre. "13447mal haben wir Romane verliehen", erzählte sie. Ganz oben in der Hitliste der lesebegeisterten Altmärker stünden Krimis und Thriller aus Skandinavien. "Bücher der Autoren Hákan Nesser, Camilla Läckberg, Henning Mankell aus Schweden sowie des Isländers Arnaldur Indridason sind ganz besonders gefragt. Aber auch historische Romane, wie von Iny Lorentz oder der in Aschersleben geborenen Schriftstellerin Sabine Ebert sind beliebt", schätzte Anette Bütow ein. Kinder- und Jugendliteratur ging 2010 insgesamt 11740mal über den Tresen der Stadt- und Kreisbibliothek. "Bei den Jugendlichen stehen Vampir- und Dämonenromane in der Beliebtheitsskala ganz oben, Kinder griffen im vergangenen Jahr besonders gern zu den Lola-Büchern von Isabel Abedi oder zum Guinnessbuch der Rekorde", erzählte die Bibliothekschefin.

Aus dem insgesamt 18258 Bücher, Zeitschriften und Zeitungen umfassenden Bestand der Osterburger Stadtbibliothek wurde im vergangenen Jahr zudem 8002mal Sachliteratur verliehen. "Im Frühling sind Gartenbücher begehrt, im Sommer werden häufig Reiseführer ausgeborgt, zu Weihnachten sind Bastelbücher besonders gefragt. Aber auch das viel diskutierte Buch ,Deutschland schafft sich ab‘ von Thilo Sarrazin wurde von uns oft verliehen".

Als eine von insgesamt 20 Medienverleihstätten in Sachsen-Anhalt beteiligt sich die Osterburger Einrichtung an dem Projekt "Qualitätsmanagement und Zertifizierung der öffentlichen Bibliotheken in Sachsen-Anhalt". "Die Stufe 1 des Zertifizierungsverfahrens, mit dem unser Dienstleistungsspektrum verbessert und so letzlich eine höhere Kundenzufriedenheit erreicht werden soll, haben wir bereits gemeistert. Nun steht die zweite Stufe auf dem Plan. Für deren Zulassung haben wir bereits einiges geleistet. So wurde unsere Bibliothek von einer uns unbekannten Person auf Herz und Nieren geprüft, außerdem führten wir eine Kundenbefragung durch", erzählte Anette Bütow. Im Sommer soll das Qualitätsmanagement mit der Verleihung des Qualitätssiegels der Stufe2 abgeschlossen werden.

Neben der Arbeit in Sachen Qualitätsmanagement und der "Kernaufgabe" der Bibliothek, dem Verleihen von Medien, habe sich die Einrichtung im zurückliegenden Jahr in besonderem Maße auch kulturell engagiert, blickte Anette Bütow zurück.

So organisierten die Mitarbeiter der Medienverleihstätte insgesamt 293 Veranstaltungen (2009 waren es 257 Veranstaltungen) und waren auch maßgeblich an der Vorbereitung und Durchführung der Osterburger Literaturtage beteiligt. An dieses kulturelle Engagement will das Team der Stadtbibliothek in diesem Jahr nahtlos anknüpfen. "Unser Terminkalender für die kommenden Monate ist schon wieder prall gefüllt", verriet Anette Bütow schmunzelnd.