Das Januar-Hochwasser hat den Norden und Nordwesten des Landkreises Stendal besonders hart getroffen. Mit den Folgen werden vor allem einige Bauern wohl noch lange zu kämpfen haben. Am Montag unternahmen die Mitglieder der Kreistagsfraktion "Landwirte für die Region" eine Besichtigungstour durch das gesamte Hochwassergebiet. Anschließend führten sie ihre Fraktionssitzung im Seehäuser Rathaus durch.

Seehausen. "Wir sind Landwirte und als solche für die Bauern da. Daher ist es wichtig, dass wir uns vor Ort ein Bild von der Situation machen. Denn wer es nicht selbst gesehen hat, kann eigentlich auch nicht mitreden", so der Fraktionsvorsitzende Frank Wiese bei der Begrüßung seiner Mitstreiter im Seehäuser Rathaus.

Und er fügte hinzu: "2006 war es schon schlimm. 1600 Hektar Landwirtschaftsfläche waren überflutet. Aber diesmal sind es 2650 Hektar." Die zu erwartenden Verluste würden insgesamt auf rund 1,3 Millionen Euro geschätzt – verteilt auf wenige betroffene Betriebe. So etwas müsse ein Betrieb erst einmal verkraften. Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um die Verluste für die Betroffenen zumindest erträglicher zu machen.

"Wir haben bereits 2006 die bittere Erfahrung gemacht, dass die Bauern massiv betroffen waren vom Hochwasser. Viereinhalb Jahre sind seitdem vergangen, und wir stehen noch immer an der gleichen Stelle. So müssen es zumindest die Betroffenen sehen. Wir müssen unsere Forderungen deutlich formulieren, damit die seit langem geplanten Baumaßnahmen zu einer besseren Hochwasser-Regulierung endlich umgesetzt werden", meinte Reinhard Schwarz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Seehausen.

Dass es in den zurückliegenden Jahren nicht vorangegangen sei, wies der Flussbereichsleiter Osterburg des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), Hans-Jörg Steingraf, allerdings zurück. Sowohl für das Aland-Überleitungsbauwerk, als auch für das Sperrwerk im Zehrental seien die Planungen abgeschlossen. "Ich gehe davon aus, dass in der nächsten Zeit die Genehmigungen erteilt werden. In Abhängigkeit der Bereitstellung der finanziellen Mittel kann dann gebaut werden." Steingraf verwies zudem auf die mittlerweile sanierten Aland-Deichabschnitte.

Anschließend unternahmen die Kreispolitiker gemeinsam mit Schwarz und Steingraf eine ausgiebige Besichtigungstour durch das Hochwassergebiet des Alands und der Zehrengrabenregion. Zunächst wurde die drei Kilometer lange Deichbaustelle am Aland bei Pollitz besichtigt – eine besonders kritische Stelle beim jüngsten Hochwasser. Steingraf berichtete von dem Kraftakt, die Baustelle innerhalb weniger Tage zu erhöhen und zu stabilisieren, sodass sie dem zu extremen Anstieg des Alands standhielt. Mit einem riesigen Aufgebot an Technik und Personal wurden 23000 Kubikmeter Kies entlang der Deichbaustelle ausgebracht. Schwarz lobte das hervorragende Zusammenspiel zwischen dem LHW, der Verbandsgemeinde, dem Landkreis Stendal und den beteiligten Firmen. Auch die Koordination aller anderen Schritte zur Gefahrenabwehr und Regelung des Hochwassers hätten hervorragend funktioniert.

Wie Steingraf ausführte, sei die ganze Region gerade noch einmal glimpflich davon gekommen. "Das Wasser im Alandschlauch stand so hoch wie nie zuvor. Es hat nicht mehr viel gefehlt, dann wäre es über die Deiche gelaufen."

Die Gesamtkosten für den Hochwassereinsatz, so Schwarz, seien derzeit noch nicht zu beziffern. Es sei jedoch wohl davon auszugehen, dass alle Beteiligten auf einem Teil ihr Kosten sitzen bleiben. Beim Besuch des Innenstaatssekretärs Rüdiger Erben und des Umweltstaatssekretärs Jürgen Stadelmann habe er den beiden Landespolitikern die Bitte mit auf den Weg gegeben, die Landwirte und Kommunen nicht im Stich zu lassen.

Weiter ging die Rundfahrt mitten durch die nach wie vor großflächig überflutete Zehrengrabenregion – unter anderem über Deutsch sowie Bömenzien und dann über Aulosen entlang der Aland- und Elbdeiche über Wahrenberg und Geestgottberg zurück nach Seehausen.

Bei der anschießenden Fraktionssitzung im Rathaus verständigten sich die Kreispolitiker darauf, über die für die Altmark zuständigen Landtagsabgeordneten Druck auf das Land auszuüben. Sie sollten sich unter anderem dafür einsetzen, dass die geplanten Baumaßnahmen zur Hochwasserregulierung endlich umgesetzt und die verbliebenen 26 Kilometer Alanddeiche DIN-gerecht hergerichtet werden.