Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Seehausen, Reinhard Schwarz, zog während der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses noch einmal eine Bilanz des Januar-Hochwassers an Aland und Zehrengraben. Nach seiner Ansicht ist die Region noch einmal gerade so mit einem blauen Auge davon gekommen.

Seehausen. "Es war eine Extremsituation, wie sie noch nie dagewesen ist. Zeitgleich mit dem steigenden Pegel der Elbe kamen auch die riesigen Wassermassen aus dem gesamten Einzugsgebiet des Alands im Alandschlauch an", so Schwarz.

Eine Woche lang wurde Alandwasser gestaut

Die dann folgende Entwicklung lässt sich folgendermaßen beschreiben: Das Alandabschlussbauwerk wurde in dem Moment geschlossen, als der Elbepegel das gleiche Niveau des Alands erreicht hatte. Zu diesem Zeitpunkt stand das Wasser im Aland aber bereits höher als je zuvor. Um die Fluten im engen Alandschlauch nicht noch deutlich stärker steigen zu lassen, wurde bei Wanzer das Garbeüberleitungsbauwerk geöffnet. Sämtliches nachfließende Wasser aus dem Einzugsgebiet floss von diesem Tag an nur noch in den Garbe-Polder, der sich entsprechend rasch füllte. Als die Fluten im Alandgebiet mit seinen teilweise noch maroden Deichen sowie in der Garbe schon bedrohlich hoch standen, war der Elbepegel glücklicherweise bereits so weit gefallen, dass das Abschlussbauwerk wieder geöffnet werden konnte. So floss nach etwa einer Woche das Alandwasser wieder auf natürlichem Wege ab.

Glücklicherweise, so Schwarz, sei zu diesem Zeitpunkt auch der Zufluss aus dem Alandeinzugsgebiet nicht mehr so stark gewesen. Eines hätte gereicht – entweder ein deutlich länger andauernder hoher Elbepegel oder ein längerer starker Zufluss in den Aland, dann wäre es extrem gefährlich geworden. Es wäre über die Deiche gelaufen und die Dämme möglicherweise gebrochen. Als zusätzlicher Stauraum für Alandwasser stand nur noch der Wrechow-Polder zur Verfügung. Der jedoch ist viel kleiner als die Garbe. Der Platz dort hätte laut LHW-Flussbereichsleiter Hans-Jörg Steingraf nur noch für etwa einen Tag gereicht. Schwarz: "Wir sind also noch einmal gerade so mit einem blauen Auge davon gekommen – zumindest was denAland betrifft."

Stärker als jemals zuvor hielt im Januar auch der Rückstau aus der Elbe über die Seege bis ins Zehrengrabengebiet an. "Dort gab es erst 2006 ein extremes Hochwasser. 1600 Hektar Landwirtschaftsfläche waren überflutet. Diesmal waren es 900 Hektar mehr", so Schwarz.

Aufgrund des extrem hohen Wasserstandes im Aland- und Zehrtergrabengebiet seien in diesem Jahr auch viele bebaute Grundstücke von dem Hochwasser betroffen gewesen. Dass noch Schlimmeres jedoch abgewendet werden konnte, sei der hervorragenden Zusammenarbeit aller beteiligter Einsatzkräfte und ehrenamtlicher Helfer zu verdanken gewesen. Ein besonderer Dank gelte der Bundeswehr in Havelberg, die dem Hilfeersuchen unverzüglich Folge geleistet habe und Deiche bei Aulosen mit Sandsäcken erhöhte.

Bestens habe auch das Zusammenwirken zwischen Verbandsgemeinde, dem Landkreis Stendal, dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW), den Wasser- und Feuerwehren, den Gemeinden und Bürgermeistern, dem THW, aber auch dem Tatraclub Seehausen und einigen Betrieben geklappt.

"Hoffentlich kein zweites Hochwasser"

"Gemeinsam mit den vielen ehrenamtlichen Helfern konnte eine Katastrophe abgewendet werden." Aus Sicht des Verbandsgemeindebürgermeisters sei auch der Einsatz der Polizei und der Bereitschaftspolizei an den Deichen wichtig gewesen.

Abschließend drückte Schwarz seine Hoffnung aus, "dass wir kein zweites Hochwasser im Frühling bekommen und vor allem, dass die Fluten an Aland und Elbe nicht wieder zeitgleich steigen"