Die Osterburger Carnevalsgesellschaft machte am Sonnabend in Wahrenberg Station. Die Biesestädter präsentierten dorft unter dem Titel "Mit Tomahawk und Marterpfahl feiern wir heut Karneval" ihr Saisonprogramm.

Wahrenberg. Wenn die Osterburger Carnevalsgesellschaft in Wahrenberg zur Faschingsparty einlädt, kann die 72-jährige Erika Erth nicht einmal ihr gebrochener linker Arm davon abhalten, Karneval zu feiern. Lust auf Fasching hatten auch zahlreiche andere Wahrenberger, und so war die Halle am Sportplatz im Nu ausverkauft. Als Schneemänner, Prinzessinnen, Piraten, Fußballfans, Hexen und Cowboys hatten sich die Wahrenberger verkleidet. Saskia Tack hatte ihre gesamte Clique zusammengetrommelt, dabei hat es die Freunde aufgrund ihrer Ausbildung längst nach Wittenberge, Halberstadt und Hamburg verschlagen. "Es macht einfach solchen Spaß, sich zu verkleiden und gute Laune zu verbreiten", erzählte sie strahlend, "den Termin mit der OCG halten wir uns immer frei." Dass in Wahrenberg kein Platz unbesetzt bleibt, ist auch der Verdienst von Elke und Ulrich Magdeburg, die von OCG-Präsident Thorsten Schulz mit einer Ehrung bedacht wurden. Seit Jahren liegt der Kartenverkauf in ihren, also in guten Händen.

Nach dem Einritt des Elferrates erwartete die Gäste die ersehnte Eröffnung der Kussfreiheit. Prinz Michael von den OFC-Bambini und die liebreizende Prinzessin Nicole von der Biesestraße verkündeten: "Deich und Liebe sollen halten, heute wollen wir feiern mit den Jungen und den Alten!" Die Leidenschaft für den Karneval haben die zwei Osterburger im Blut. Voller Spannung warten die Eltern der Prinzessin auf die Abendveranstaltung in Osterburg, denn dann sehen sie ihre Nachfolger. Vor exakt 20 Jahren hatte das Ehepaar Zimzik die Kussfreiheit eröffnet. "Natürlich freuen sie sich darüber, dass wir ihr Erbe antreten", so die 33-jährige Prinzessin, die zuvor als Zuschauerin dem Karneval seit ihrer Jugend die Treue gehalten hat. "Für den Scherenschnitt hatten wir gar keine Zeit, so spontan hat sich das für uns ergeben", verriet Nicole Nuss.

Dann ging es hoch her. 16 Biesemäuschen tanzten sich unter der Leitung von Sabine Becker in die Kerzen des Publikums und verdienten sich nicht nur wegen ihrer Storchen-Verkleidung (rot-weiß) in die Herzen der Wahrenberger, sondern auch wegen der schmissigen Choreographie zum Shakira-Hit. Julia Pflug hatte 18 Discospatzen im Schlepptau, die bekamen für ihr Afrika-Medley und Beyonce-Medley Zugaberufe, dass die Halle wackelte. So viel Begeisterung wollten sich auch die männlichen Mitglieder der OCG abholen. Genauer gesagt: die Stadtwache. Flugs schlüpften Stefan Bertleff und Stefan Zimzik sowie die OCG-Anwärter Sebastian Koch und Alexander Wilke in die Schwarz-Weiß-Kombination mit Schlips und gaben ihren Einstand als Bieseboys zu den musikalischen Krachern der Backstreet Boys. Selbstverständlich bekamen sie nun ebenfalls Zugabe- und "Ausziehen!"-Rufe. Der Vorgeschmack auf das Männerballett war somit perfekt gelungen.

Nun lieferten sich die "Road Rallys", Ralf Ziegler und Ralf Gauter, vor ihrer Playback-Runde mit Titeln wie "Komm, hol das Lasso raus" noch schnell einen Showdown mit Colts und Erschieß-Nummer. Und dann kochte der Saal. Kein Wunder, dass bei dem Lied "Heute schütten wir uns zu" die Bar gestürmt wurde. So waren alle allerdings bester Laune, als der Knabenchor seine Gesangseinlage begann, und die Wahrenberger stimmten kräftig mit ein.

Doch auch die Büttenreden kamen nicht zu kurz. Harry Böttcher und Syrka Behr kalauerten in ihrem Sketch eine Zote nach der anderen heraus - Albert (Lutz Liermann) und Alwin (Horst Rödiger) sparten ebensowenig mit anzüglichen Schoten. Den Vogel schoss jedoch Winnetou Koslowski (Christoph Pflug) ab. Als er in seiner Bütt auf den beschlagnahmten Trecker Bezug nahm, ohne den die Wahrenberger nicht Schnee schieben konnten, tobte der ganze Saal.