Schon zehn Jahre ist es her, dass der einstige TdA-Intendant Goswin Moniac mit seiner Frau, der Schauspielerin Ingrid Birkholz, ins beschauliche Schmersau zog. "Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergangen ist", sagt Moniac, der Schmersau immer noch als den "Ort seiner Wünsche" bezeichnet. Hier ist er im wahrsten Sinne des Wortes "eingekehrt", genießt Ruhe und Natur, freut sich über neue Kontakte und berührende menschliche Begegnungen.

Schmersau. Das Einleben in der Altmark erinnerte Goswin Moniac anfangs oft an seine Assistentenzeit am Hamburger Schauspielhaus, weil die Menschen dort und hier von der Mentalität ähnlich wären, erzählt er. "Aber wenn man erst einmal ein Bier zusammen getrunken hat, ist das Eis gebrochen", fügt er mit einem Lächeln hinzu.

Gute Nachbarschaft, das Zusammensein mit Menschen, die ihm wichtig sind und die er im Laufe der zehn Jahre immer besser kennen und schätzen gelernt hat, all das empfindet er als Bereicherung im Alltag und als ein Stück Lebensqualität, auf das er nicht mehr verzichten möchte.

Großen Anteil daran, dass sich das Paar in der Altmark so schnell einleben konnte, hat das Gladigauer Dorftheater, das bereits ein Jahr nach Moniacs Einzug das Licht der Welt "erblickte". Schnell konnten die Gründungsmitglieder den Neu-Schmersauer dafür begeistern, ihnen mit seinem reichen Erfahrungsschatz zur Seite zu stehen. "Natürlich hab ich damals nicht erwartet, dass sich das Dorftheater so erfolgreich entwickeln würde.

Ich kannte die Vorgeschichte und wusste, dass die Gladigauer schon früher hin und wieder bei Feuerwehrfesten kleine Stücke aufgeführt haben. Aber dass der Zuspruch so enorm sein könnte, dass 13 Vorstellungen pro Spielzeit schon im dritten Jahr nicht mehr ausreichen würden, und dass man dann Jahr für Jahr auf je 18 ausverkaufte Vorstellungen kommen würde, das ist schon sehr bemerkenswert."

Goswin Moniac freut sich über die Entwicklung der Dorftheater-Truppe und ihre Beliebtheit. Daran hat er gemeinsam mit zahlreichen anderen Aktiven vor und hinter der Bühne einen hohen Anteil. "Diese Erfolgsgeschichte wird und wurde von vielen Leuten geschrieben. Für mich verkörpert das Dorftheater Vereinsleben im besten Sinne", bekennt er.

Im nächsten Jahr wird das Ensemble sein zehnjähriges Bestehen feiern – sicherlich ein guter Anlass, um zurück und vorauszublicken. Wie die meisten Vereine in der Region wünschen sich auch die Theaterleute interessierten Nachwuchs. Vor allem im Darstellerbereich würden sie gern noch öfter jüngere Gesichter auf die Bühne bringen. "Schon bei der Auswahl der Stücke müssen wir immer überlegen, welche Rollen wir überhaupt personell besetzen können", erklärt Goswin Moniac.

Außerdem beschäftigt ihn die Frage, wer perspektivisch seinen Platz als Regisseur einnehmen könnte. Norbert Lazay hat auf diesem Gebiet bereits wertvolle Erfahrungen gesammelt und wäre sicher ein geeigneter Kandidat, doch der Pfarrer ist beruflich stark gefordert und "tanzt" in seiner Freizeit jetzt schon "auf vielen anderen Hochzeiten".

Auch Goswin Moniac "tanzt noch auf anderen Hochzeiten". Er kann die Finger einfach nicht vom Theater lassen. Schon seit längerem arbeitet er mit verschiedenen Ensembles in Russland zusammen. Sein neuestes Projekt führt ihn demnächst nach Mitschurinsk, wo er wieder Regie führen wird. Mitte April beginnen dort am Dramatischen Theater die Proben zur "Dreigroschenoper" – eine neue spannende Herausforderung für Regisseur Moniac. Seine Frau wird die Rolle der Spelunken-Jenny spielen.

Aber dieses Vorhaben in Mitschurinsk ist nicht die einzige reizvolle Idee, die dem passionierten Theater-Mann im Kopf herumgeht. Er kann sich perspektivisch auch ein gemeinsames internationales Projekt mehrerer Theater vorstellen.

Nur gut, dass Goswin Moniac mit dem Haus in Schmersau einen Platz gefunden hat, an dem er sich zwischendurch immer wieder ausruhen und neue Kraft schöpfen kann.