Nicht nur in den Städten mussten die Wohnungsverwalter nach der Wende auf den zunehmenden Leerstand reagieren. Auch auf dem Land steht der Rückbau von Wohnblöcken immer wieder auf der Agenda.

Krevese. Vor Jahren waren sogar mal Pläne im Gespräch, den Giebel des 14-WE-Blocks von Krevese künstlerisch zu gestalten. Inzwischen soll die Immobilie, die den Ortseingang aus Richtung Osterburg kommend seit fast 30 Jahren prägt, aber verschwinden. Vielleicht schon im kommenden Jahr.

Der Leerstand des Wohnblocks, so Osterburgs Bauamtsleiterin Antje Spillner auf Nachfrage der Volksstimme, liege seit Jahren bei über 50 Prozent. Die Immobilie – Anfang der 1980er Jahre wie in vielen anderen Dörfern vor allem für Arbeitskräfte der landwirtschaftlichen Tierproduktionsgenossenschaften aus den Boden gestampft – weist inzwischen einen Sanierungsbedarf aus, der schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht kaum mehr abgearbeitet werden kann. Beispielsweise heizen die wenigen verbliebenen Mieter ihre Wohnungen noch wie am ersten Tag mit Holz und Kohleöfen, und die Fassade ist auch nicht gedämmt. Größtes Sorgenkind dürfte indes das Dach sein, das der Materialnot zu DDR-Zeiten geschuldet aus Betonsparren gerichtet wurde. Selbst die Lattung für die Dacheindeckung (selbstverständlich aus Beton) ist aus Kies, Zement und Eisenbewehrung und nicht aus Holz gebaut. Doch der künstliche Stein ist in die Jahre gekommen, bröckelt und gibt den Dachsteinen irgendwann keinen Halt mehr.

Die Abrisspläne sind übrigens keine Erfindung der Einheitsgemeinde. Schon der Kreveser Rat hatte das Vorhaben 2009 noch in Zeiten kommunaler Selbständigkeit in seinen Investitionsplan für das kommende Jahr aufgenommen.

Voraussetzung für den Rückbau des Blockes ist in erster Linie, dass den Mietern gleichwertiger Ersatz angeboten wird – was in Krevese zwar schwierig, aber in Osterburg kein Problem sein dürfte. Dass die Kreveser Immobilie von der Osterburger Wohnungsgesellschaft verwaltet wird, sollte die Sache etwas erleichtern. In den Wohngebieten der Biesestadt gibt es trotz kontinuierlichen Rückbaus noch immer genug Reserven.

Zweite Voraussetzung sind die finanziellen Mittel. Heißt, die Stadt hofft auf Zuschüsse, die aus einem Fördertopf kommen sollen, den das Amt für Landwirtschaft, Forsten und Flurneuordnung "Altmark" für den Wohnungsrückbau auf dem Land verwaltet. Das Hoffen auf Zuschüsse ist nicht nur aus Sicht der momentanen Konsolidierungsbemühungen der Einheitsgemeinde verständlich. Weil die Kommune den Block selbst nicht in Auftrag gegeben hat, nach der Wiedervereinigung aber samt Kreditbelastung sozusagen aufgedrückt bekam, kann man nämlich durchaus von einer doppelten Altlast sprechen.

In dem Förderantrag der Hansestadt für 2012 ist übrigens nicht nur von Krevese die Rede. Auch in Flessau, so Kämmerer Detlef Kränzel, würden zwei ähnliche Immobilien auf der Abrissliste stehen.