"Es sieht nicht rosig aus", fasste Bürgermeister Uwe Großpietsch die Haushaltslage der Gemeinde Rochau zusammen. Auf seiner jüngsten Sitzung in Klein Schwechten diskutierte der Rat den Etatentwurf für dieses Jahr.

Klein Schwechten/Rochau. "Uns fehlen die Zuweisungen vom Land", erklärte Großpietsch mit Blick auf den Entwurf des Haushaltsplanes 2011, der ein Gesamtvolumen von rund 1,25 Millionen Euro umfasst. Allerdings weist das Zahlenwerk einen Fehlbetrag von mehr als 50000 Euro im Verwaltungsteil und knapp 120000 Euro im Vermögensteil, also bei den Investitionen, auf.

"Man nimmt uns einfach zu viel weg", klagte Lothar Gelhar und verwies auf die Umlagen an den Kreis (voraussichtlich 335000 Euro) und die Verbandsgemeinde (voraussichtlich 263000 Euro). "Da sind gut 80 Prozent unserer Einnahmen schon einmal weg, bevor wir anfangen zu planen", so Gelhar.

Fenstersanierung an der Schartauer Kirche

Auch Kämmerin Anne-Dore Flügel, die das Zahlenwerk erläuterte, machte deutlich: "Es bleibt kaum Luft, um die Pflichtaufgaben zu erfüllen." Da sieht es für die freiwilligen Aufgaben - dazu zählen unter anderem Seniorenbetreuung, Vereinshilfe, kulturelle Vorhaben - naturgemäß düster aus. Doch die wollen die Räte nicht gänzlich aussparen, das gesellschaftliche Leben in den Dörfern nicht einschlafen lassen.

So weit, so gut. Doch bei der Debatte schienen sich Ratsmitglieder der Ex-Kommunen Rochau und Klein Schwechten - beide waren Anfang des Jahres per Gesetz "verheiratet" worden - gegenseitig jeden Cent für die Vereine zu neiden. Klein Schwechtener mutmaßten beispielsweise die Rochauer Karnevalisten würden durch die Eintrittskarten für ihre Veranstaltungen fette Gewinne einstreichen. Rochauer mäkelten an den 600 Euro Zuschuss für die Klein Schwechtener Gymnastikgruppe "Powerfrauen" herum und äußerten, die Mitglieder könnten doch für ihre Übungsstunden in die Roch-auer Mehrzweckhalle fahren, um die Saalmiete in Klein Schwechten zu sparen.

Letztlich blieben die Vereinszuschüsse nicht nur im Haushaltsentwurf, sondern genehmigte der Rat noch Aufschläge. Mitunter nach dem Motto: Wer am lautesten und dreistesten fordert, erhält die höchste Summe. Im Gegenzug denkt der Rat über die Erhebung der Grundsteuern nach.

Zumal die Kommune in diesem Jahr einige Investitionen anschieben möchte. So will sie Regenabläufe und Fenster der Schartauer Kirche, die sich in Gemeindeeigentum befindet, für 9500 Euro sanieren. 35000 Euro sind für Dacharbeiten, Oberlicht und Dämmung der Rochauer Mehrzweckhalle vorgesehen.

Weg nach Petersmark auf der Wunschliste

Auf der Wunschliste steht zudem der Ausbau des ländlichen Weges zwischen Klein Schwechten und Petersmark. Die Kosten für die Gemeinde Rochau belaufen sich nach einer Schätzung auf 205000 Euro, wobei mit Fördergeldern in Höhe von 110000 Euro gerechnet wird. Allerdings ist eher unwahrscheinlich, dass die Gemeinde Goldbeck, auf deren Gemarkung ein Teil des Weges verläuft, in diesem Jahr mit ins Boot steigt. Dafür dürfte sich in der Goldbecker Gemeindekasse kein Geld finden. Einige Räte zweifelten an, dass das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) nur für ein Teilstück Fördergelder bewilligt.

Zwar hält das Amt, das seinen Sitz für die Altmark in Stendal hat, einen Ausbau der Gesamtstrecke in einem Zuge für die optimale Variante, schließt eine Umsetzung solcher Projekte bis zur Gemarkungsgrenze aber nicht gänzlich aus, erfuhr Volksstimme auf Nachfrage beim Amt. Dient die Erschließung des Weges allerdings ausschließlich der Ortsverbindung, lassen die ALFF-Richtlinien keine Förderung zu.