Es lebte einmal in einer kleinen Stadt eine sechsköpfige Familie, in der drehte sich alles um die Feuerwehr. Ihre gemeinsame Leidenschaft ging weit darüber hinaus, nur ein Hobby zu sein. Die Familie war mit Leib und Seele dabei und sah im ehrenamtlichen Wirken eine wichtige Aufgabe, die sie mit Gleichgesinnten verband. Sechs Menschen aus drei Generationen, die mit Freude und Begeisterung zuverlässig immer zur Stelle waren, wenn man sie brauchte - quasi "Feuer und Flamme" für die Feuerwehr, entweder als aktives Mitglied in den Reihen der Brandbekämpfer oder im Förderverein der Wehr...

Osterburg. Die Geschichte, die wie ein Märchen aus alter Zeit beginnt, ist heute aktueller denn je: Allein in Osterburg lassen sich mühelos mehrere Familien finden, die sich seit vielen Jahren in und für die Feuerwehr engagieren. Eine von ihnen wohnt auf dem Weinberg und trägt den Familiennamen Fabisch.

Erst vor wenigen Tagen stand Ingo Fabisch im Licht der Öffentlichkeit, denn er durfte sich beim diesjährigen Neujahrsempfang für sein besonderes Engagement ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Diese Ehrung wurde ihm für sein kontinuierliches Wirken zum Gemeinwohl zuteil. Und so versteht es auch Ingo Fabisch selbst, denn obwohl er seit 2003 an der Spitze des Osterburger Fördervereins der Feuerwehr steht und außerdem die Versorgungsgruppe des Vereins leitet, ist er ein eher ruhiger und bescheidener Mann, der keinen Rummel um seine Person will.

Stellvertretende Ehrung

"Ich betrachte diesen Eintrag ins Goldene Buch in erster Linie als symbolische Anerkennung, die ich stellvertretend für viele Menschen bekommen habe, die ebenfalls seit Jahren zuverlässig im Ehrenamt wirken und dabei großen persönlichen Einsatz zeigen. Ich denke natürlich zuerst an die Kameraden der Feuerwehren, aber auch an zahlreiche Helferinnen und Helfer in anderen Vereinen und Einrichtungen, beispielsweise bei der Volkssolidarität oder im Hospiz", erklärt Ingo Fabisch.

Der 45-jährige Kriminalbeamte steht mit seiner erfolgreichen ehrenamtlichen Arbeit nicht allein. In seiner eigenen Familie gibt es noch weitere fünf Menschen, die sein Engagement teilen und tatkräftig unterstützen. Seine Ehefrau Beatrix ist als Rettungssanitäterin und Mitarbeiterin der Feuerwehr- und Rettungsstelle in Stendal tätig. Seit 1993 ist sie außerdem aktives Mitglied der Osterburger Wehr, wo sie als Gruppenführerin und Kreisausbilderin für Sprechfunk eine sehr gute Arbeit leistet und den Dienstagrad einer Oberlöschmeisterin trägt.

Alles ohne Druck

Tochter Marie (23) wird in wenigen Wochen ihr Studium "Sicherheit und Gefahrenabwehr" an der FH Magdeburg abschließen und im Mai eine Tätigkeit bei einem Brandsachverständigen-Unternehmen in Bochum beginnen. Seit 2003 gehört Marie Fabisch der Osterburger Feuerwehr an. Sie ist Löschmeisterin, Gruppenführerin und Jugendwartin.

Tochter Bettina (19) brennt ebenfalls für die Feuerwehr, in der sie seit 2003 aktiv mitarbeitet. Sie ist Hauptfeuerwehrfrau, Truppführerin und Jugendwartin. Mit dem Abitur in der Tasche absolviert sie gegenwärtig in Braunschweig eine Ausbildung zur Krankenschwester. Immer wenn die beiden jungen Frauen in ihrer Heimatstadt sind, führt sie ihr Weg auch zur Feuerwehr, wo sie sich nach Kräften einbringen.

Aber auch die älteste Generation im Hause Fabisch ist in Sachen Feuerwehr überaus rührig. Richard und Annedore Fabisch (beide Rentner) gehören seit 2003 dem Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Osterburg an und arbeiten in der Versorgungsgruppe mit.

"Das Thema Feuerwehr hat bei uns zu Hause schon immer eine große Rolle gespielt, so sind auch unsere Töchter dazu gekommen. Das passierte einfach, ganz ohne Druck, ohne Zwang. Marie und Bettina sind in dieses Ehrenamt hineingewachsen und haben erkannt, wie wichtig es ist, sich für eine Sache einzusetzen. Außerdem haben sie in der Gemeinschaft mit anderen Feuerwehrleuten wertvolle Erfahrungen sammeln können. Sie lernten ihre eigenen Stärken kennen und den kameradschaftlichen Zusammenhalt schätzen", sagt Ingo Fabisch.

Nachhaltig helfen

Die Freiwillige Feuerwehr Osterburg besteht bereits seit 1897. Im Jahr 2003 wurde ihr Förderverein gegründet. Anfangs gehörten ihm 16 Mitglieder an, inzwischen sind es 80. Dazu zählen nicht nur aktive Feuerwehrmänner und -frauen, sondern auch Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und dem Gesundheitsbereich. Sie alle wollen durch ihr Zutun die Arbeit der Kameraden nachhaltig unterstützen.

Soziales Netzwerk

"Alle Einnahmen, beispielsweise Spenden, kommen der Wehr unmittelbar zugute. So konnten wir schon so manches Stück an moderner Technik und Ausrüstung anschaffen, was sonst nicht finanzierbar gewesen wäre, wie ein Alarmierungsdisplay, spezielle Rettungstragen und ein Beamer, der für Vorträge und Lehrgänge genutzt wird. Außerdem kümmert sich der Verein um die Versorgung bei Einsätzen und anderen Veranstaltungen, er unterstützt aber auch bei Weiterbildungsmaßnahmen oder Übungsabenden. Selbst die Möglichkeit, unseren Feuerwehrball als große Dankeschön-Veranstaltung durchführen zu können, verdanken wir dem Verein und seinen fleißigen Mitgliedern. Auf solch einen kulturellen Höhepunkt freuen sich die Kameradinnen und Kameraden schon das ganze Jahr, denn hier können alle, die sonst beim Einsatz diszipliniert zusammenarbeiten müssen, auch mal zwanglos in geselliger Runde ins Gespräch kommen, tanzen und ein niveauvolles Unterhaltungsprogramm genießen.

Da wir in den Reihen der Wehr auch Menschen haben, die von Hartz IV leben, sind gerade diese Zusammenkünfte ein wichtiger Teil des sozialen Netzwerks. In der Gemeinschaft der Brandbekämpfer finden ganz unterschiedliche Menschen sinnvolle Aufgaben und persönliche Bestätigung für ihre Einsatzbereitschaft -auch das verbirgt sich unter dem Begriff Feuerwehr", betont Ingo Fabisch.

Gute Zusammenarbeit

Und was wünscht sich der Vereinsvorsitzende für die Zukunft? "Ich wünsche mir, dass meine Familie, die Kameraden und alle, mit denen wir zu tun haben, gesund bleiben. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, den seit 2003 erreichten Stand unserer Vereinsarbeit zu halten und die sehr gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung, insbesondere mit dem Ordnungsamt, dem Bürgermeister und dem Kämmerer fortzusetzen. Außerdem wünsche ich mir, dass sich die Arbeit mit der Kinder-Feuerwehr weiterhin so positiv entwickelt und dass die Altersabteilung noch lange besteht. Vor allem aber wünsche ich mir, dass wir so wenig wie möglich bei Ernstfällen zum Einsatz kommen."