#NULL#"Starkästen", Verkehrsinseln, intelligente Ampeln - was kann Autofahrer bewegen, in Erxleben vom Gas zu gehen und damit den Anliegern der Bundesstraße B189 mehr Ruhe zu gönnen? Darüber diskutierte Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre bei einem Besuch am Donnerstagnachmittag mit betroffenen Einwohnern, Kommunalpolitikern sowie Experten vom Bau und von der Polizei.

Von Volker Langner

Erxleben. Es war nicht die erste Gesprächsrunde, die vom Verkehrslärm geplagte Erxlebener mit dem Minister führten. Ende 2009 hatte sich Daehre auf Bitten der Bürger für ein Tempolimit von 30 km/h für Brummi-Fahrer in der Zeit von 22 bis 6 Uhr starkgemacht. Seit rund einem Jahr ist die Geschwindigkeitsbeschränkung inzwischen ausgeschildert.

"In den ersten zwei, drei Monaten gab es Verbesserungen. Doch als die Polizeikontrollen nachgelassen haben, sind die Autofahrer wieder schneller gefahren. Das haben Bürger erzählt, die wir befragt haben", berichtete Steffen Seifert von der Erxlebener Bürgerinitiative B 189, der denn auch resümierte: "Es hat sich kein erkennbarer Erfolg für die Bürger eingestellt."

Das Ergebnis einer Untersuchung, die Manfred Krüger, Fachbereichsleiter des Landesbetriebes Bau, vorstellte, spricht indes eine andere Sprache. Wurde vor dem Tempolimit in den Nachtstunden eine Durchschnittsgeschwindigkeit in Richtung Osterburg von 54 km/h gemessen, sank sie geringfügig auf 53 km/h. In Richtung Stendal ging sie hingegen von 57 auf 48 km/h zurück. Allerdings machte eine Tageszählung deutlich, dass von 9000 Fahrzeugen, die Erxleben passieren, lediglich 600 zwischen 22 und 6 Uhr unterwegs sind und darunter gerade einmal 160 Lastwagen.

Die Befürchtungen der Erxlebener vermochte das nicht zu zerstreuen. "Es wird gerast. Mir ist bange, dass etwas passiert", meinte Karl Lux, der anführte: "Man braucht nicht auf der Straße zu stehen, um festzustellen, wann die Polizei kontrolliert. Das hört man."

"Die Polizei kann nicht dauerhaft in Erxleben stehen. Wir sind verpflichtet, zu 60 bis 70 Prozent an Unfallschwerpunkten zu kontrollieren. Und dazu gehört Erxleben nicht", erläuterte Walter Lienert vom Polizeirevier Stendal.

Ein fest installierter Blitzer kam ins Gespräch. Der spreche sich herum, sei eine wirksame Methode, glaubt auch Daehre. Doch der "Starkasten" hat einen Pferdefuß: Er kann Lkw und Pkw nicht unterscheiden, wäre also für die Überprüfung des nächtlichen Brummi-Limits ungeeignet. Und 30 km/h für Pkw wären auf einer Bundesstraße rechtlich kaum durchsetzbar.

Der altmärkische CDU-Landtagsabgeordnete Nico Schulz, der den Minister nach Erxleben gelotst hatte, schlug eine Ampelschaltung wie in Ziegenhagen vor: Bei zu hohem Tempo schaltet sie auf Rot. Doch erneut gab es Gegenargumente, wie das Abbremsen und Anfahren an der Signalanlage und damit eine zusätzliche Lärmbelästigung für die Anwohner unmittelbar an der Ampel.

Sind Verkehrsinseln an den Ortseingängen eine Lösung? Vielleicht. Allerdings, so die Diskussion, lehre die Erfahrung, dass bei langen Ortsdurchfahrten wie in Erxleben nach dem Abbremsen an diesen sogenannten Baumtoren wieder beschleunigt werde. Zudem sei für zwei solcher Inseln mit Baukosten in Höhe von rund 500000 Euro zu rechnen, so Krüger.

Eine Patentlösung fand die Diskussionsrunde nicht. Daehre sprach sich dafür aus, durch Fachleute Varianten erarbeiten zu lassen, dabei Vor- und Nachteile abzuwägen. Als möglichen Weg für Erxleben, aber auch als Grundsatzuntersuchung für andere Orte.

Eine Anregung hatte der Minister dann doch noch parat: Wenn die Erxlebener Ortsdurchfahrt in einigen Jahren einer grundlegenden Sanierung unterzogen werden müsse, solle sie Flüsterasphalt erhalten.