Unter dem Motto "Mit Tomahawk und Marterpfahl feiern wir heut Karneval" entführten die Osterburger Narren ihr Publikum am Wochenende gleich dreimal in der heimischen Lindensporthalle in den Wilden Westen - am Freitagnachmittag die Senioren, am Sonnabendabend die junggebliebenen Volljährigen und am Sonntag den Nachwuchs. Mit Tänzen und Büttenreden, bei denen das Lokalkolorit nicht fehlte, hatten sie bei den Gästen in Feierlaune leichtes Spiel.

Osterburg. Willkommen im "Land der guten Laune" begrüßte OCG-Präsident Thorsten Schulz die Seniorinnen und Senioren am Freitag in der Sporthalle, deren Blickfang eine riesige und wohl auch nicht ganz billig anzumietende Leinwand mit einer Prärielandschaft war. DJ Guido Lenzner tat sein übriges, um mit Stimmungsmusik die Leute schon mal aufzuwärmen. Die gerieten schnell in Tanz- und Schunkellaune. Bedauerlich nur, dass relativ wenige Damen und Herren äußerlich erkennen ließen, dass sie sich mit dem Karneval, der OCG oder dem Motto dieser Saison verbunden fühlten.

In seiner Proklamation machte Prinz Michael auch am Freitag die Stadtwache scharf: "Wer miesepetert, kommt in den Karzer. Die Wächter bekamen in dieser Hinsicht indes nichts zu tun; es herrschte tolle Stimmung bis zum Schluss. Die Gelegenheit der Kussfreiheit, vom Prinzen ausdrücklich genehmigt und mit Prinzessin Nicole vorgeführt, wurde allerdings eher wenig genutzt.

Traditionell eröffneten die Diskospatzen mit dem Gardetanz das Programm. Auch die Biesemäuschen (Schulz: "Sie sind unsere Zukunft") zeigten mit dem Tänzen "Moskau" (Dschinghiskhan) und später "Waka waka" (Shakira), was sie unter Leitung von Sabine Becker gelernt haben. Dann knallten Schoten am laufenden Band. Alwin und Albert, im bürgerlichen Leben Hörst Rödiger und Lutz Liermann, wetzten ihre Zungen an der Kommunalpolitik vom Schneechaos über Schlaglöcher bis zu einer künftigen Osterburger Kulturhalle, womit sie eine Aufwertung der Lindensporthalle meinten, die wohl schon geplant sei, aber noch auf sich warten lässt. "Da sind uns die Seehäuser mit ihrem Kulturpalast voraus", hieß es in einem der Dialoge. Angesichts der Integrationsdebatte wagten sie zudem einen Ausblick ins Jahr 2030, wenn der Osterburger Bürgermeister beim Neujahrsempfang die Muslime aufruft, doch bitte die Rechte der Minderheit - der Biese- und Aland-Deutschen - zu achten.

Dann erinnerte sich das ältliche Fräulein Grottenmeier (Inge Mikulla) in ihrem Beitrag "Klassentreffen" an die Schulzeit als Lehrerin, wobei sie bis ins Frivole lustwandelte. Des Fräuleins Beitrag wurde mit einer dreistufigen Rakete und viel Applaus honoriert.

Beifall bekam auch Lästermaul Winnetou Koslowski (Dr. Christoph Pflug), der sich in der Bärenbütt zunächst als politischer Kabarettist versuchte. Unter anderem mit Themen wie Hartz IV, Bildungsdefiziten und dem angeblichen Aufschwung ("Ein-Euro-Jobber werden nicht erfasst, weils nicht in die Statistik passt") ebenso wie mit Bohlens Superstarrummel, Guttenbergs Doktortiteldilemma und dem Afghanistaneinsatz. Und er drohte: "Aus meiner Sicht gehört dem Pack was richtig mit dem Tomahawk!" Auf seinem gegerbten Büffeleder hatte er auch regionale Themen niedergeschrieben. So das leidige Hickhack um die A-14-Verlängerung ("nun baut aber endlich die Autobahn"), die Trödelei mit der Schwiegervaterbrücke, Radens Häuschen oder die Einheitsgemeinde, die noch zu klein für einen Oberbürgermeister sei. Aber auch schöne Dinge brachte der künstliche Apachenhäuptling zur Sprache, zum Beispiel die Feldsteinmauer am August-Huchel-Platz ("die hoffentlich nicht wieder verschwinden muss, weil ohne Baugenehmigung errichtet"), den Wassermühlenspeicher, unter dessen Dach ein Café vorstellbar wäre, und das große Graffiti an einem Haus in der Poststraße.

Die Lacher hatten auch Syrka Behr und Harry Böttcher, alias Ingeborg mit der großen Oberweite und Lisbeth mit dem Damenbart, beim Kaffeekränzchen auf ihrer Seite, als sie über Beziehungskisten lästerten. Kleine Kostprobe: "Ich bin jetzt seit 20 Jahren mit dem gleichen Kerl zusammen - hoffentlich kommt mein Mann nicht dahinter".

Wieder einmal brillierten die Diskospatzen mit ihrem schon aus dem Vorjahr bekannten Afrika-Medley. Und auch der Knabenchor hatte sich mit seinem Outfit und Gesang ganz auf das Thema und die Dekoration zur 36. Saison eingestellt. Gleiches galt übrigens am Freitagabend auch für das Publikum. Fast alle Gäste waren irgendwie kostümiert. Die meisten hatten sich sogar an das Motto gehalten.

Über den Kinderkarneval berichten wir in einer der nächsten Ausgaben.

Und wie geht es mit der Narretei weiter?

Die "Teuflischen Weiber" sind am Donnerstag, 3. März, an der Macht und erwarten wieder ein volles Haus bei der Weiberfastnacht in der Lindensporthalle. Noch verraten die OCG-Damen nicht viel über das Geschehen. Nur das: Ein ausgesuchtes Programm wird den Abend würzen, und Männer sind außen vor.

Am Sonnabend, 5. März, locken die Osterburger Karnevalsmacher schließlich auf die Straßen der Biesestadt. Zum Faschingsumzug, der sich um 11.11 Uhr in Bewegung setzen soll. "Dazu erwarten wir wieder viele Gäste von fern und nah", so Thorsten Schulz.

Am Sonnabend, 12. März, ist nach der Saison noch eine närrische Auslese auf Schloss Calberwisch geplant. Die kulturelle Rückschau mit kulinarischer Umrahmung beginnt um 18.30 Uhr. Karten sine in der Druckerei Schulz, Tel. 03937/899999 oder im Schlossrestaurant, Tel. 03937/ 2929475 zu haben.