Mit Gerald Wolf, Musikkabarettist und Parodist aus Berlin starteten der Kulturförderverein "Östliche Altmark" und der Calberwischer Schlossherr Michael Dihlmann am Freitag ihr gemeinsames Frühjahrsprogramm. Am Sonnabend, 26.März, gastiert dann die Schauspielerin Martina Guse wieder im Schloss.

Calberwisch. Wer sich am Freitag den Frust über Politiker und Gesellschaftsprobleme "von der Seele lachen wollte", war im Schloss Calberwisch gut aufgehoben. Der Kulturförderverein "Östliche Altmark" hatte im Jägerzimmer einen gemütlichen Abend mit dem Berliner Kabarettisten Gerald Wolf organisiert.

Brigitte Ruhbaum, Geschäftsführerin des Kulturfördervereins, konnte in dem vornehmen Ambiente 20 Gäste begrüßen. Über die Teilnehmeranzahl zeigte sie sich ein wenig enttäuscht, jedoch fügte sie optimistisch an: "Wir wollen uns freuen über diejenigen, die hier sind und nicht über diejenigen ärgern, die weggeblieben sind."

Gerald Wolf begann sein Programm mit einem bluesartigen Lied, das die "Karrieregeilheit" der Gesellschaft karikierte. Da Dialekte und Mundarten bekanntlich einen besseren Weg in die Herzen des Publikums ermöglichen, schlüpfte Wolf in die Rolle des Berliner Taxifahrers "Kutschen-Kalle", der in seiner langen Karriere schon bekannte Persönlichkeiten chauffiert hatte. Ob Lena, Guido Westerwelle oder Frank-Walter Steinmeier - zu jedem hatte er eine lustige Geschichte zu erzählen.

Auch ohne die Gitarre traute sich Gerald Wolf seine Texte vorzutragen. Teilweise in Rap-Form gesprochen, servierte er den Zuschauern Politikereigenschaften in Menüform. Der zur Zeit in der Kritik stehende Verteidigungsminister zu Guttenberg war besonderes Opfer der schonungslosen Abrechnung mit den deutschen Politikern.

Motto: "Mit Gift, Galle und Gitarre"

Selbst längs vergangene Themen wie die CDU-Spendenaffäre und der Kosovokrieg waren Teil des Programms. An diesem Abend, der unter dem Motto "Gift, Galle und Gitarre" stand, hatten deshalb auch einige ehemalige Politgrößen die Möglichkeit, wieder im Rampenlicht zu stehen, obwohl sie mitunter in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwunden sind. Rudolf Scharping, Helmut Kohl oder Gerhard Schröder kamen per Stimmparodien zu Wort.

Auch die großen Aufreger 2010 ließ der Künstler nicht aus. Die Sarrazin-Debatte, der Ausstieg aus dem Atomausstieg und Stuttgart 21 behandelte Wolf mit viel Polemik, jedoch verbarg sich hinter den flach anmutenden Äußerungen ernsthafte Kritik.

Besonders auf das Bundeskabinett hatte es der Sänger abgesehen. In einem Lied stellte er jeden Minister verknappt und überspitzt in einer Strophe vor. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, "der Harald Juhnke des Kabinetts", kam dabei genauso schlecht weg, wie Verbraucherschutzministerien Ilse Aigner: "Die Ilse hats schwer, denn keiner will se\'." Ironie, Sarkasmus und Zynismus waren die Waffen, die der Kabarettist mit spitzer Zunge führte und die er gelegentlich mit Gitarrenspiel untermalte.

Nachdem in der Pause beim prasselnden Kaminfeuer Zeit zum Plaudern bestand, setzte Gerald Wolf sein Programm in der Rolle eines Gentechnikers fort, der davon berichtete, die Politik sei unterwandert mit "Gen-Aliens", die er hergestellt habe. Guido Westerwelle beispielsweise sei eine Mischung aus Käthe Kollwitz und Robert Redford.

Künstler mit großem Bewegungsdrang

Der Kabarettist, der seinen großen Bewegungsdrang besonders bei den musikalischen Parts auslebte, vergaß auch die Hartz-IV-Reform nicht, die er als Farce entlarvte.

Zum Ende wurde es noch einmal musikalisch. Nachdem Wolf in Grönemeyer-Manier einen Song über Leiharbeit gesungen und für Begeisterung beim Publikum gesorgt hatte, trat Udo Lindenberg exklusiv als Stargast auf und moderierte eine Castingshow, um Deutschlands besten Politiker zu finden. Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Rudolf Scharping und viele andere traten mit Gesangsbeiträgen gegeneinander an. In der Rolle des Wolfgang Schäuble hieß es in Anspielung auf die Antiterror-Gesetze: "Die Gedanken sind frei, man muss sie verdrahten." Ulla Schmidt, auf deren Konto eine mehr oder minder erfolgreiche Gesundheitsreform geht, sang: "Probieren geht über kapieren."

Am Ende stand die Erkenntnis, dass man den politischen Alltag weniger ernst nehmen sollte und dass die Definition von "aktuellem Musikkabarett" scheinbar auf Themen der letzten 15 Jahre zutrifft.

 

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