Über die Milchpolitik in Sachsen-Anhalt diskutierten Landwirte und Kommunalpolitiker in einer Gesprächsrunde in Schwarzholz. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter hatte dazu eingeladen.

Von Volker Langner

Schwarzholz. Mit "Die faire Milch" bewirtete Peter Schuchmann die Gäste der Gesprächsrunde, die Ende vergangener Woche in der Schuchmann GbR in Schwarzholz stattfand. "Die faire Milch" stammt aus 265 Landwirtschaftsbetrieben und wird in vier alten Bundesländern angeboten. Die Erzeuger bewerben sie mit "fair zum Verbraucher, fair zur Region und fair zum Landwirt".

"Dort wird es richtig gemacht. Die Kalkulation erfolgt von unten. Ausgangspunkt sind also die Kosten der Milchbauern", meinte Schuchmann mit Blick auf die Fairness gegenüber dem Landwirt. Der erhält nämlich für "Die faire Milch" 40 Cent je Liter und kann damit kostendeckend produzieren. "Bei uns läuft es anders herum. Der Landwirt bekommt, was übrig bleibt. Das reicht oft nicht", erklärte Schuchmann. Die derzeit 31 Cent je Liter würden nicht ausreichen, um die Mitarbeiter vernünftig zu entlohnen und um zu investieren.

Schuchmann wünscht sich mehr Fairness in der Milchpolitik. Wege dorthin diskutierten er und weitere Landwirte mit Jürgen Barth, agrarpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, und dem SPD-Landtagsabgeordneten Ralf Bergmann. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter hatte die Runde in Schwarzholz im Vorfeld der Landtagswahl initiiert.

Die Landwirte setzten dabei auf eine Regulierung der Milchproduktion, um ein Überangebot zu verhindern und eine kostendeckende Erzeugung zu gewährleisten. "Wir brauchen vorgegebene Regeln für den Markt und wir wollen den Wettbewerb", sagte Schuchmann. Sozial sei es, bei geringem Preisniveau die Produktion der Milchbauern um einen einheitlichen Prozentsatz zu senken und damit die Milch zu verknappen.

Jörg Dihlmann aus Busch sieht die Gefahr, dass Dumpingpreise zu einem Aussterben der kleinbäuerlichen Struktur sorgen und letztlich eine Industrialisierung der Milchproduktion nach sich ziehen. Jürgen Barth, der im altmärkischen Lockstedt zu Hause ist, sprach sich unter anderem für eine Steuerung des Strukturwandels in der Milcherzeugung über Fördermittel aus. Eine Milchverknappung sah er skeptisch. Die Unternehmer würden sich dann im Ausland "bedienen". Dem wiederum widersprach Schuchmann: "25 Prozent der europäischen Milch wird in Deutschland produziert. Da kann das Ausland nicht auf Dauer einspringen."

Für ein sogenanntes Monitoring - eine Beobachtung der Entwicklung - zur Marktsteuerung sprach sich Landwirt Stefan Beckmann aus Schinne aus. Sinke der Preis, werde die Milchproduktion gedrosselt und die überschüssige Menge eingelagert. Würden die Preise eine bestimmte Grenze überschreiten, werde die Produktion gesteigert und könne die Reserve genutzt werden, erläuterte er.