Osterburg. "Mein Name ist Wolfgang Kiehl. Ich bin 47 Jahre alt", so beginnt der Hannoveraner vom Suchtmobil-Verein seinen Vortrag zur Drogenprävention in der Aula des Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasiums. Alle achten Klassen sind dazu am Donnerstag versammelt.

"Wir können euch nur informieren", erklärte eingangs Sozialkundelehrer Mathias Fritze, "aber was wirklich zum Leben mit Drogen zu sagen ist, kann nur vermitteln, wer es durch hat." Und Wolfgang Kiehl hat es durch. Er erzählt: "Ich war sieben Jahre heroinabhängig." Er kann sagen, wie man dazu kommt, damit lebt, da wieder rauskommt. Kiehl sagt, er "kann nicht mit erhobenem Zeigefinger" vor den Schülern stehen. Vor 12000 Schülern in Deutschland hat er bereits über seine Sucht gesprochen. Mit dem Umzug von Herrenhausen nach Langenhagen und dem Wechsel zur Hauptschule veränderte sich sein Leben, denn dort ging alles drunter und drüber. Er wollte nur weg. Kiehl wusste sich keinen anderen Rat, als selbst "Mist zu bauen". Er wollte doch dazugehören. "Das ist der größte Fehler. Und alle Betroffenen müssen in der Therapie wieder lernen, Ängste, Wünsche und Sorgen zu äußern." Er muss es wissen, zehn Jahre hat er in einer Therapieeinrichtung gearbeitet.

In der 5. Klasse fing er an zu rauchen, fiel in der Schule negativ auf. "Ich war nicht dumm - ich war faul und frech", sagt er heute. Er flog mit 15 von der Schule, sein Vater steckte ihn in einer Handwerksausbildung zum Gas-Wasser-Installateur. In der Firma wurde viel getrunken. "Ich wollte dazugehören", erklärte er wieder und erzählte, dass er oft von Schülern gefragt werde, ab wann man alkoholabhängig sei. Seine Antwort: "Versuche, sechs Wochen ohne Alkopops auszukommen." Das schaffen schon die wenigsten Jugendlichen. Das allein mag schon begründen, warum Deutschland den zweithöchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Alkohol in der Welt hat. Nach Irland. "Alkohol ist eine Droge." 40000 bis 45000 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Alkoholmissbrauch, 120000 an denen von Nikotin. Seit einigen Jahren sei neurologisch bewiesen, was beim Komasaufen passiert: Trinken, um sich zu spüren - bei Kindern und Jugendlichen (wo das Gehirn noch im Wachstum ist) sei aber lange nichts zu spüren, bei 1,6 Promille kippen sie dann um, so Kiehl. "Co-Abhängige", sagt Kiehl, "unterschätzen die Gefahr. Sie wollen ja einfach nur dazugehören - zu den Coolen, zu den Verrückten."