Die hohe Anzahl an wild lebenden Katzen in Osterburg und Umgebung beschäftigt Rea Trojosky. Die in Kirchheim unter Teck wohnende Frau, deren Eltern in Krumke leben, wandte sich deshalb mit dem Vorschlag an die Stadt, die Katzen zu sterilisieren und die Kater zu kastrieren. Nach Angaben von Ordnungsamtsleiter Matthias Frank wird die Verwaltung das Thema im Sozialausschuss zur Sprache bringen.

Osterburg. "Meine Eltern wohnen in Krumke und sind von der ,Katzenschwemme\' betroffen. Sie selbst haben schon vier kastrierte Katzen. In der näheren Umgebung gibt es aber unzählige unkastrierte Tiere, die sich ständig vermehren", schreibt Rea Trojosky. Und weiter: "Im November haben meine Eltern ein Katzengeschwisterpärchen vor dem Hungertod gerettet. Das sind nun die Katzen Nr. 5 und 6. Sie können die Tiere aber nicht behalten."

Es sei dringend nötig, die "Katzenschwemme" einzudemmen, ist Trojosky überzeugt. Dies sei durch eine Kastration der frei lebenden Tiere möglich und wäre auch für die Katzen selbst von Vorteil, macht sie deutlich. Denn streunende, unkastrierte Katzen seien oft von Unterernährung und Krankheiten betroffen. "Eine Katze kann ab dem sechsten Monat zweimal im Jahr vier bis sechs Nachkommen bekommen. Durch eine Kastration werden aggressive Revierkämpfe und ansteckende Krankheiten vermindert sowie das Nachwuchsproblem gelöst", argumentiert sie. Und verweist auf die Städte Delmenhorst und Paderborn, in denen es eine Kastrationspflicht für frei lebende Katzen gebe. Rea Trojosky wandte sich deshalb mit einem Schreiben an Bürgermeister Hartmuth Raden und Ordnungsamtsleiter Matthias Frank, um die Stadt auf das Problem aufmerksam zu machen und die Kommune um die Bekämpfung der "Katzenschwemme" zu bitten.

"Wir haben sicher eine ganze Menge wild lebener Tiere, von einer Schwemme würde ich aber noch nicht sprechen", sagte Ordnungsamtsleiter Matthias Frank gegenüber der Volksstimme. "Dennoch haben wir uns darauf verständigt, das Problem im Sozialausschuss anzusprechen", stellte er klar. Erfahrungen mit Kastrationen und Sterilisierungen der wild lebenden Tiere habe die Kommune bereits in den 90er Jahren gesammelt. "Wir haben das über einen Zeitraum von mehreren Jahren bewerkstelligt, der Kostenfaktor lag damals pro Aktion bei ungefähr 2000 Mark. Nachdem dann tatsächlich bei den wild lebenden Katzen ein Rückgang festgestellt werden konnte, wurde die Aktion eingestellt", blickte Frank zurück. Der Ordnungsamtsleiter bestätigte, dass sowohl das Stendaler Tierheim als auch das Katzenhaus in Osterburg längst kaum noch Kapazitäten für Katzen hätten. Von der Unterbringung wild lebender Streuner in geschlossenen Räumlichkeiten sei aber ohnehin abzuraten. "Denn nur entlaufene Haus- und Stubenkatzen sind nach Ansicht von Fachleuten an geschlossene Räumlichkeiten gewohnt und kommen deshalb mit dieser Situation zurecht. Bei wild lebenden Katzen sieht das ganz anders aus."

Dringend rät der Ordnungsamtsleiter auch davon ab, die Streuner aus Tierliebe zu füttern. "Dadurch zieht man die Katzen erst richtig an und wird sie nicht mehr los. Wenn Schuppen oder Keller nicht fest verschlossen sind, nisten sie sich regelrecht ein. Sie hinterlassen dort auch ihren Urin und Kot, was natürlich insbesondere im Sommer auch zu Geruchsbelästigungen führt", sagte er.

Im städtischen Sozialausschuss soll die "Katzenschwemme" thematisiert werden, für das zwischenzeitlich bei ihren Eltern untergekommene Katzengeschwisterpärchen hofft Rea Trojosky aber schon kurzfristig auf Tierfreunde, die sie zu sich nehmen. "Sie sind bereits kastriert. Es sind gute Mäusefänger für Hof und Garten. Aber keine Stubenkatzen", schreibt Trojosky und fügt hinzu: "Wer sich für die Tiere interessiert, erhält unter der Telefonnummer 03937/85445 nähere Informationen."