"Stimmung in Seehausen" schallte es am Freitagabend schon von weitem vor dem Gasthaus in Barsberge. Die 14. Weiberfastnacht des Seehäuser Carnevalsclubs warf ihre Schatten voraus oder besser gesagt: sie war unüberhörbar.

Barsberge. Franka Rosenkranz hatte ständig damit zu tun, sich Gehör zu verschaffen und griff letztlich zu einem Glöckchen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und das musste sie als Moderatorin natürlich. Die 125 Frauen in dem Saal der Barsberger Gaststätte feierten sich einfach selbst und machten das Motto der Saison zum Programm: Ob kalter Winter oder Affenhitze - unser Karneval ist spitze. Männer wurden nur in Ausnahmefällen geduldet - zum Beispiel DJ Peter Stepanek, der natürlich um seine Krawatte erleichtert wurde.

Dann starteten die Mitglieder von acht Seehäuser Vereinen mit Musik und Humor durch. Die Schützenladys flatterten als erste in Marienkäferkostümen über die Bühne und sangen: "Was geht das uns an? - Das geht uns gar nichts an!" Von wegen Marienkäferplage! Das Publikum tobte. Kurz darauf läuteten die Handballfrauen die Eiszeit ein. Ein Pinguin tippelte durch den Saal, als Peter Stepanek den Titel "Ich möchte ein Eisbär sein" spielte. Und die Schneemänner, ähem Schneefrauen, verteilten Schneebälle (Marshmallows) an die Zuschauer. Claudia Preuschoff trug nach der Tanzeinlage eine Bütt zum Thema Eiszeit vor: "Eiszeit auf dem Arbeitsmarkt - Wer nicht will wie wir, da ist die Tür!" Seitenhiebe auf Hartz IV und Unkenrufe, dass es bald Harz VIII gebe, wurden laut. Tja, die Politik ließe nur einen Schluss zu: "Ich möchte ein Eisbär sein." Mit diesem Lied leiteten die Handballfrauen zu den weiblichen Mitgliedern des SCC über. Christine Wiese tänzelte als spannenlanger Hansel um Nicole Röhl herum, bis sich die Frauen im Pflaumenbaum mit ihrem Rap zu Wort meldeten. Im Stamm zog Birgit Spöttle Schnute. Gisela Bischof leitete das Programm ihrer Sportgruppe mit Erinnerungen an den Winter ein. Als Schneeflocken verkleidet, stürmten alsbald ihre Frauen die Bühne und tanzten zum "Schneewalzer".

Eine Rakete verdienten sich die Kunst- und Trödelmarktweiber. Leiterin Sigrid Haut war federführend für einen Sketch, der ständig durch lautes Kreischen der Zuhörerinnen unterbrochen wurde. Drei Frauen - Claudia Preuschoff, Viola Runge und Dietlinde Bodenstein - nehmen auf einer Parkbank Platz. Es fängt ganz harmlos an. Claudia Preuschoff schleckt laut vernehmlich ihr Eis. Dann tauchen zwei Radfahrerinnen (Doreen Behrendt und Susann Schneider) auf, sie wollen die Linden sehen, für die Seehausen bekannt ist. "Hier wird sowieso alles abgeholzt. Gerade erst die Linden vom Friedhof", kommentiert Preuschoff, "jetzt gibt\'s Plantagen, Platanen - 16 Stück ham wa schon! Die solln ma die Post verdecken." Aber in Seehausen soll es auch ein Freudenhaus geben... "Eins?", bekommen die Touristen zur Antwort. "Die Öffnungszeiten sind wie die vom Rathaus", wissen die Ortsansässigen. Dann fällt ihnen ein: "Quatsch - durchgehend geöffnet." Das Publikum schüttete sich aus vor Lachen. Aber immerhin stehen noch ein paar Linden im Waldbad. "Na, machen Se mal noch schöne Radtouren, so lange der Stadtwald noch steht", rät ihnen Claudia Preuschoff, "nach Barsberge zum Beispiel. Da finden so schöne Weiberfastnachten statt." Da dürfe ja nicht jeder hin - "nur durchgeknallte Weiber und Pressefutzis." Die Touristen wissen schon ihr nächstes Ziel: "Los, ab in die Alte Post."

Nach dem Wortwitz wurde es auf der Bühne im Saal wieder musikalisch sportlich. Schließlich kamen die Sportgruppe Jabke und Gymnastikgruppe Liane, der Frauenchor und die Volleyballerinnen zum Zug. Und immer wieder hieß es "Seehausen, hajo!", bis die Busse vor der Tür das Ende der Veranstaltung ankündigten.

   

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