Dass Seehausen zu den Karnevalshochburgen in der Altmark gehört, stellte die Wischestadt einmal mehr am Tulpensonntag unter Beweis. An diesem Tag ging dort der mittlerweile 15. Umzug des Seehäuser Carneval Clubs über die Bühne. 55 Formationen und Wagen bahnten sich ihren Weg durch die begeisterten Zuschauer, die bei dem Spektakel dabei waren.

Seehausen. Beim Umzugskomitee gingen schon vor sechs Wochen die ersten Anmeldungen ein - bis zum letzten Tag nahm die Meldungswelle nicht ab, berichtete Katrin Schulz vom Komitee. Moderator Jürgen Ulrich kam aus dem Dichten gar nicht heraus. Seine Verse zu den einzelnen Positionen begeistern seit jeher das Publikum. Klar, dass es nonstop Ständchen gab, denn der SCC-Veteran feierte am Sonntag seinen 61. Geburtstag. Die Oldieblaskapelle stimmte als erste ein Lied an, der Männerchor schmetterte gleich danach los. Außerdem reichten die Gäste aus Seehausen und Umgebung in einem fort Bier und Schluck auf die Tribüne. Natürlich, so gaben die Spender zu, hatten die Getränke vom Start am Friedhof durch die Stadt bis vor die Wischelandhalle etwas abgenommen. Um Durst zu löschen, war jedoch genug da. Apropos Löschen. Mitglieder der Seehäuser Jugendwehr wetterten: "Hochwasser adé! Sogar die jüngsten Bürger standen bereit, doch nicht alle Bürger hatten Zeit." Die Brandbekämpfer aus Losenrade erklärten dagegen: "Kühe vorm Ertrinken retten, die Feuerwehr Losenrade ist schnell aus den Betten." Auf dem Wagen aus Großholzhausen war zu lesen: "Wasser weg, Straßen frei, herrlich ist die Narretei." Dieses Motto hatten sich alle auf die Fahnen geschrieben, obwohl es nicht überall nachzulesen war.

Vom Wagen des Motorclubs Pollitz drang "Im nächsten Jahr komm\' wa alle wieder." Das Versprechen nahm Ulrich den Pollitzern gern ab, denn schließlich waren sie mit ihrem Wagen - "Erst der Gallier, dann der Vogel" - ein Magnet für alle Zuschauer. "Sperrbezirk für grüne Spinner" erklärten sie. Derweil forderte Norbert Krebber mit seinen Anhängern auf: "Mut Bürger! Nix Kohle! Nix A 14!" Die Theatergruppe "Hahn im Korb" schlug eine Bresche zwischen die beiden mit ihrem Wagen: "Ob Schwarz, Rot, Gelb, die Grünen oder die Linken, nach der Wahl wird\'s wieder zum Himmel stinken!" Glauben schenken konnten die Zuschauer getrost Susi Bode vom Usedom-Fanclub. Die Unterhosen von ihrem Wagen waren schon von weitem zu sehen: "Der Klimawandel spricht: Kurze Schlüpfer taugen nicht!"

Der Seehäuser Bürgermeister Ewald Duffe hatte mächtig zu tun, alle Sprüche zu erfassen. Da stand bei den Schönbergern doch tatsächlich: "Geld für Seehausen!" Wie das wohl gemeint ist?! Auf dem Wagen von Ralf von Hagen, der mit seinem Blaulichtmuseum erstmals mitmischte, wurde jedenfalls die Eiszeit per Eisbär angekündigt.

Dioxinskandal, Abwanderungswelle, Kachelmann-Prozess, BUND-Beschlüsse, Amtsschimmel - die Karnevalisten zu Fuß und auf dem Wagen nahmen sich mit einem Rundumschlag aller aktueller Themen an, bevor sie friedlich mit dem Prinzenpaar Antje und Volker Dieckmann in der Wischelandhalle weiterfeierten.

   

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