Warum sollen Obstgehölze geschnitten werden? Fragen wie diese beantwortete am Wochenende der Dipl.-Gartenbauingenieur Jürgen Peters im Rahmen eines Tagesseminars, das der Landschaftspflegeverband "Altmark/Elb-Havel-Winkel" am Wochenende in Krevese veranstaltete.

Krevese. Zu dem Tagesseminar über Obstbaumschnitt auf Streuobstwiesen und in Hausgärten konnte Dipl.-Gartenbauingenieur Jürgen Peters, Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes "Altmark/Elb-Havel-Winkel" am Sonn-abendvormittag im Kreveser Dorfgemeinschaftshaus rund 30 Teilnehmer begrüßen. In zwei Stunden vermittelte er ihnen theoretische Grundlagen des Obstbaumschnitts und führte mit ihnen anschließend bis in den Nachmittag hinein praktische "Kosmetik" an älteren Hochstammbäumen verschiedener Obstsorten durch, für die die Familie Gernecke in Krevese ihren Garten zur Verfügung gestellt hatte. Der Senior des Hofes, Friedrich-Wilhelm Gernecke, zeigte die Bäume, die es nötig hatten und die vor drei Jahren schon einmal diese Prozedur über sich ergehen ließen.

Der Landschaftspflegeverband mit Sitz in Bismark und wirksam im Landkreis Stendal und Altmarkkreis Salzwedel bietet seit 2003 altmarkweit Gehölzpflege- und -pflanzberatung an. Ausführlich beantwortete Peters grundsätzliche Fragen wie "Warum sollen Obstgehölze geschnitten werden?" und "Wann sollen sie geschnitten werden?" und erläuterte seine Antworten an Bildbeispielen. Obstgehölzschnitt sei eine wichtige Pflegemaßnahme von Jugend an und verbessere nachhaltig die Leistungsfähigkeit der Bäume und Sträucher, betonte er. "Er fördert Größe und Qualität der Früchte. Bei sachgemäßem Schnitt erreicht man einen früheren Ertragsbeginn, und man bekommt langlebigere, leistungsfähigere Bäume."

Von Januar bis Mitte März sollten Kern-, Stein- und Beerenobst geschnitten werden, aber nicht bei Temperaturen unter minus fünf Grad. Kirschen werden im Sommer, nach oder zur Ernte, geschnitten, Jungbäume, Spaliere und Spindel Juli bis Mitte August. Verjüngte Bäume sind im Juli nachzuschneiden. "Der Sommerschnitt hat Vorteile: unter anderem größere Früchte, bessere Fruchtfärbung, Förderung der Blütenknospen und bessere Wundheilung", erklärte Peters. Der zweite Schnitt erfolge nach dem ersten Standjahr, der dritte bis Ertragsbeginn. Später folgen Instandhaltungsschnitt und Verjüngung des Fruchtholzes.

Für den praktischen Teil des Seminars hatte Peters die nötigen Geräte - von der Schere bis zur Motorkettensäge mit Teleskopstiel - mitgebracht. Gernecke stellte eine Leiter zur Verfügung. Dann konnten die Seminaristen unter Anleitung vom Experten selbst zu Werke gehen. Alle nahmen gute Ratschläge mit in den eigenen Garten. Rüdiger Steuer aus Eichstedt meinte zum Beispiel. "Ich komme aus der Landwirtschaft, und mein Vater hatte mir in meiner Jugend vieles beigebracht, auch das Baumschneiden. Doch heute habe ich altes Wissen auffrischen und Neues dazu lernen können."