Stendal. Es sind die Interessen von genau 18 459 Mitgliedern in 212 Vereinen, die der Kreissportbund Stendal-Altmark (KSB) vertritt. Vorigen Sonntag stellten sich die Landtagskandidaten verschiedener Parteien beim zweiten sportpolitischen Stammtisch den Fragen und vor allem den Sorgen der Vertreter des Sportes im Landkreis.

Der Einladung des Präsidiums, vertreten durch Carola Schulz, Andreas Biewald, Siegfried Wille und Wilfried Hastedt waren Helga Paschke und Mario Blasche (beide Die Linke), Hardy Peter Güssau (CDU), Lydia Hüskens (FDP), Rosemarie Dizner und Tilman Tögel (beide SPD), Torsten Sawalisch (Freie Wähler) und Adolf Gröger (Bündnis 90/Die Grünen) gefolgt.

Der erste Hinweis der KSB-Präsidentin Carola Schulz galt der laufenden Kamera im Hintergrund. Es werde lediglich der Ton fürs Protokoll aufgenommen, sicherte sie zu. Auch den, für Nichtsportler ungewöhnlichen, sonntäglichen Termin erklärte Schulz gern. So seien Spiele, Wettkämpfe und sportliche Veranstaltungen am Sonntag etwas ganz Normales für die Aktiven.

Die Politik habe dem Sport in den zurückliegenden drei Jahren viel abverlangt, und "wir haben uns an mehr Bürokratie und Beitragserhöhungen gewöhnen müssen", erläuterte Carola Schulz einleitend. Andererseits habe man seitens des KSB auch die Erfahrung gemacht, in den Mitgliedern des sachsen-anhaltinischen Landtages starke und zuverlässige Partner zu haben. In diesem Sinne wünschte sie sich und allen Beteiligten eine anregende Diskussion zum gegenseitigen Verständnis.

Hauptdreh- und Angelpunkt war auch zugleich der erste Tagesordnungspunkt: die Sportförderung der Vereine und des KSB. Seitdem 2008 erhebliche Misswirtschaft und die Veruntreuung von Steuergeld durch Funktionäre des Landessportbundes durch den Landesrechnungshof festgestellt worden waren, resultierte daraus die Neustrukturierung der Vereinsförderung und die "teils übermäßige Kontrolle durch Kontrolle der Kontrolle", wie die KSB-Vertreter unisono beklagten. Andererseits sei zwar das Verständnis für das zerrüttete Vertrauensverhältnis gegenüber der Politik da, jedoch sei der KSB als Basis für die Vereine in der Region nicht für den Landessportverbund verantwortlich, sondern vielmehr Leidtragender der Situation geworden.

Zu viel Bürokratie

"Wir wollten den Sport nach dieser Erschütterung wieder vom Kopf auf die Füße stellen", erklärte die Präsidentin. "Das ist uns auch gelungen, aber wir humpeln noch", lautet ihre Feststellung zum derzeitigen Status. Also werde man auch noch nach dem 20. März die Unterstützung der Landespolitiker brauchen.

Diese wurde den Verantwortlichen des KSB und damit dem Sport an der Basis von allen Parteikandidaten zugesichert. Lydia Hüskens erklärte, dass eine ihrer Leidenschaften der Sport sei und sie sich in den vergangenen fünf Jahren intensiv mit den Strukturen und Problemen befasst habe. Klar sei ihrer Meinung nach, dass die überfrachtete Bürokratie wieder abgebaut und die Ebene für demokratische Entscheidungen wieder zurück an die Basis delegiert werden müsse. "Die Verwaltung scheint derzeit regelrechte Freude an Bürokratie zu entwickeln", sagte sie und hielt daraufhin einen zentimeterdicken Stapel Papier in die Höhe, der ihr kurz zuvor von der Geschäftsführerin des KSB, Kati Schatte, überreicht worden war. Diese mehr als 120 Seiten umfassende Papieransammlung beinhaltet die haushaltstechnischen Richtlinien, die von Kati Schatte zu beachten sind, wenn sie innerhalb der nächsten knapp vier Wochen die 63-seitige Vorlage für den Wirtschaftsplan für die Jahre 2012/13 erstellt, um diesen den Mitarbeitern im Landesverwaltungsamt zuzusenden.

Das einhellige Echo darauf bestand von allen Seiten darin, dass sich die vielen Ehrenamtlichen im Breitensport ebenso wie die Geschäftsführerin des Kreissportbundes doch eigentlich um den Sport kümmern sollten und nicht um solche Massen von Zahlen und Richtlinien.