Im Rahmen seiner Altmark-Bereisung machte der Spitzenkandidat der Partei Die Linke, Wulf Gallert, gemeinsam mit den altmärkischen Direktkandidaten für die Landtagswahl auch in Seehausen Station. Bei einem Besuch des Seehäuser Krankenhauses sagte Gallert am Donnerstag: "Die kleinen Kliniken im ländlichen Raum haben eine enorme Bedeutung für die Daseinsfürsorge und als Arbeitgeber."

Seehausen. Eigentlich hatte sich auch der Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion, Gregor Gysi, für den Besuch in Seehausen angekündigt. Zum Bedauern der Politikerdelegation musste er jedoch absagen wegen verkehrsbedingter Verzögerungen auf dem Weg vom Saarland, wo er am Dienstag zu Gast war, in die Altmark. "Aber Gregor hat versprochen, zeitnah die verpassten Termine in der Altmark nachzuholen", so der Stendaler Linken-Direktkandidat Mario Blasche.

Wulf Gallert, die Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Osterburg-Havelberg, Dr. Helga Paschke, und die anderen Politiker wurden unter anderem vom Geschäftsführer des Agaplesion Diakonie-Krankenhauses Seehausen, Christoph Maier, sowie vom Ärztlichen Direktor, Dr. Andreas Eckmann, begrüßt. Zunächst stand eine kurze Besichtigung der Klinik auf dem Programm. Dabei zeigte sich Gallert beeindruckt von dem hervorragenden baulichen Zustand der Einrichtung und auch von der Ausstattung. "Ich kenne viele Krankenhäuser, die sind noch auf einem ganz anderen Stand." Wie Maier ausführte, seien seit 1990 insgesamt rund 15 Millionen Euro in Umbau- und Sanierungsmaßnahmen des Krankenhauses investiert worden - größtenteils Landesmittel, wobei sich aber auch der Träger mit nicht unbeträchtlichen Eigenleistungen eingebracht habe. Gegenwärtig seien in der Klinik 230 Personen beschäftigt. "Mit Sicherheit sind wir der größte Frauen-Arbeitgeber in Seehausen und Umgebung", so Maier.

Nach der Besichtigung fand eine Gesprächsrunde im großen Konferenzraum statt. Maier ging dabei auf die besonderen Herausforderungen eines Krankenhauses in einer ländlichen Region ein. Es sei nicht möglich, in bestimmten Fachrichtungen wirtschaftlich zu arbeiten, weswegen nach der Wende zunächst die Kinderabteilung und später die Geburtshilfe und schließlich auch die Gynäkologie geschlossen werden mussten. Daher setze man in Seehausen auf die Basisversorgung und biete zusätzlich Spezialleistungen wie etwa im orthopädischen Bereich an.

"Krankenhäuser wie das in Seehausen haben eine enorme Bedeutung für die Daseinsfürsorge im ländlichen Raum, aber auch als Arbeitgeber", so Wulf Gallert, der auch für das Amt des Ministerpräsidenten kandidiert, in seinen Ausführungen. Garade aus diesem Gesichtspunkt heraus seien der Erhalt dieser Kliniken und ihre langfristigen Perspektiven eine hochpolitische Frage.

Wie Maier auf Nachfrage Gallerts weiter ausführte, habe das Seehäuser Krankenhaus nicht nur stationär eine große Bedeutung für die medizinische Versorgung der Bevölkerung, sondern in zunehmendem Maße auch ambulant. "Dafür bestehen hier gute Rahmenbedingungen. Eine chirurgische Ambulanz besteht seit langem, und es gibt Diskussionen auch bezüglich anderer Gebiete." Die zunehmende Versorgungsproblematik auf dem Lande sei auch der Kassenärztlichen Vereinigung und anderen Entscheidungsträgern bekannt.

Wie Eckmann ausführte, sei die Personalsituation im ärztlichen Bereich gut. Es könne aber zu zeitweisen Engpässen kommen. Positiv sei es, dass es wieder zunehmend junge Mediziner gebe, die eine breite Ausbildung im Bereich Basisversorgung suchten. Diese fänden sie im Seehäuser Krankenhaus. Ein Problem stellt laut Eckmann das Arbeitszeitgesetz dar. Dadurch hätten zusätzliche Stellen geschaffen werden müssen. Wie Oberin Henrike Fiedler ausführte, gebe es im Pflegebereich gegenwärtig keine Personalprobleme.

Dr. Walter Fiedler wies auf die anhaltenden Schwierigkeiten bei der Absicherung des Notarztdienstes hin. Dafür verantwortlich sei die noch immer nicht geklärte gesetzliche Regelung zur Bezahlung des notärztlichen Stammpersonals.