Einen Elbebiber in der Natur beobachten zu können, ist für die meisten Menschen nach wie vor ein seltenes Erlebnis. Die Mädchen und Jungen der Kindertagesstätten Geestgottberg und Beuster hatten am Mittwoch die Gelegenheit, einen solchen nicht nur von nahem anzuschauen, sondern sogar einmal zu streicheln.

Von Andreas Puls

Geestgottberg. Zwischen der Kindertagesstätte Geestgottberg und der Biosphärenreservatsverwaltung "Mittelelbe" besteht seit längerem eine Partnerschaft. So haben die "Wirbelwind-Kinder" mit Mitarbeitern der Reservatsverwaltung im vergangenen Jahr auf dem Kita-Gelände einen Weidentunnel, ein Insektenhotel und einen Weidenzaun errichtet. Am Mittwoch stand den Steppkes ganz außergewöhnlicher Besuch ins Haus. Die Reservatsangestellten Peter Oestreich und Peter Müller kamen zu Besuch. Sie hatten weit gereiste Gäste mitgebracht - Peter Ibe von der Reservatsverwaltung Dessau und "seinen" Elbebiber. Da man einen echten Biber wahrlich nicht alle Tage zu Gesicht bekommt, war dazu auch die Kita Beuster angereist.

Moppel, so der Name des Nagers, war im vergangenen Jahr beim Oderhochwasser bei Frankfurt gemeinsam mit zwei Geschwistern aufgefunden worden (auch die an der Oder und anderen Regionen Mittel- und Ostdeutschlands lebenden Biber gehören zur Gattung der Elbebiber; lateinisch: Castor fiber albicus). Die drei Jungbiber wurden durch die Flut offenbar von ihren Eltern getrennt. Und sie wären wohl gestorben, wenn sich nicht Peter Ibe gefunden hätte, um die drei mit Genehmigung der Reservatsverwaltung zu Hause liebevoll mit der Flasche aufzuziehen. Alle drei sind wohlauf und mittlerweile halbwüchsig. Moppel, der zahmste von ihnen, bringt schon elf Kilogramm auf die Waage. Ausgewachsen ist er allerdings noch nicht. "Biber wiegen im Schnitt 26 bis 30, unter Umständen sogar bis zu 36 Kilo und werden bis zu 25 Jahre alt", berichtete Ibe.

Als sie vor einem dreiviertel Jahr gefunden wurden, wogen sie lediglich ein Kilogramm. Seinen Nager hatte der Ziehvater in einer verschlossenen Kiste mitgebracht. Der recht zahme Moppel ließ sich problemlos von Peter Ibe auf den Arm nehmen. "Der ist ja niedlich und auch so wuschelig", staunten die Kinder. Jeder, der sich traute, durfte ihn einmal streicheln.

Der lebhafte Biber war am Mittwoch noch in weiteren Schulen und Kitas der Altmark zu Besuch. "Aber wir haben nicht vor, daraus ein Zirkusunternehmen zu machen. Moppel und seine Geschwister sollen in der Reservatsverwaltungs Dessau ein Gehege bekommen", betont Ibe.

Für die Leiterin der Kita Geestgottberg, Petra Olschewski, kam der seltene Gast genau zur richtigen Zeit. "Wir haben nämlich gerade ein Biberprojekt abgeschlossen. Ein Kind hatte einen abgenagten Biberstamm mit in den Kindergarten gebracht. Daraufhin haben wir uns intensiv mit dem Thema beschäftigt und draußen auch einen Biberbau angelegt. Dass jetzt tatsächlich ein echter Biber zu Besuch kommt, ist zufällig oder vielleicht auch glückliche Fügung."