Als "Punktlandung" zum Auftakt für das internationale Jahr der Wälder bezeichnete Franz Prinz zu Salm-Salm jetzt in Lüderitz ein Strategiepapier des Landesbeirates Holz Sachsen-Anhalt. "Das ist bundesweit das erste Papier dieser Art", sagte er. Enthalten sind Empfehlungen für Politik und Verwaltung. Bei einer Versammlung des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt stellte er dieses vor. Die Bedeutung des Waldes soll wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden.

Lüderitz. Allein in Sachsen-Anhalt hingen 18 000 Arbeitsplätze am Faktor Holz, sagte Franz Prinz zu Salm-Salm, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalts und Rechtsanwalt, in Lüderitz vor zahlreichen Gästen aus dem gesamten nördlichen Sachsen-Anhalt. Eingeladen hatte die Regionalgruppe Altmark unter Vorsitz des Brunkauers Wilhelm von Carlowitz. Er begrüßte neben zahlreichen Gästen auch Bürgermeister der Region und den Leiter des Amtes für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Stendal, Horst Blum.

Die Landesstrategie, die vom sachsen-anhaltischen Landesbeirat Holz aufgelegt wurde, soll Prozesse anstoßen und Abwägungen anregen, auch auf bundespolitischer Ebene. Dass der Wald nicht nur als Museum oder für Erholungssuchende dienen darf, sondern auch ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor, gerade in ländlichen Regionen wie der Altmark sei, betonte der Prinz zu Salm-Salm.

Und er sprach von 50 000 privaten Waldbesitzern in Sachsen-Anhalt, die auch politisch ernst zu nehmen seien. Mit einer Gedenkminute für die Menschen in Japan schlug er einen Bogen: "Gerade in der Forstwirtschaft, aber auch in unserer Gesellschaft ist in Vergessenheit geraten: Das Leben ist ein Generationenvertrag! In Deutschland wird heute über zehn Prozent Flächenstillegung in der Forstwirtschaft gesprochen, und wenn es sieben Milliarden Menschen auf dem Globus gibt und manche Ressourcen offenbar zu gefährlich sind - dann läuft da irgendwas verkehrt."

Im Rahmen seiner leidenschaftlichen Rede für den Wald und seine nachhaltige Nutzung sagte er: "Es gibt keinen Sowieso-Da-Wald, in Deutschland gibt es nur von Menschen geschaffene Waldflächen." Der Kleinprivatwald habe in Sachsen-Anhalt mit 200 000 Hektar einen größeren Anteil als der staatliche Wald. Die Grundlagen der forstlichen Förderung müssten unter Einbeziehung der betroffenen Interessengruppen überarbeitet werden, damit künftig nicht nur private Interessen, sondern auch eine planbare Holzlieferung für die Industrie verfügbar seien.

"Wir müssen Zusammenschlüsse im Kleinprivatwald marktfähig machen. Eine Forstpolitik als Ideologie kann sich die Forstwirtschaft nicht leisten", sagte er.

Ein weiteres Problem in der Wahrnehmung des Waldes sprach er mit der Landesentwicklungsplanung an: Es gebe Vorranggebiete für Tourismus und Erholung, Wasserwirtschaft und militärische Nutzung, aber keine für den Wald. Selbst im Harz, und der Name bedeute "Wald", finde demnach "im Wald kein Wald mehr statt", sagte er. Für die Landwirtschaft hingegen seien so viele Flächen ausgewiesen, dass sich die Frage stelle: "Ist der Wald soviel weniger wert, weil er ¿sowieso da ist\'?" Seiner Ansicht nach werden Waldbesitzer in vielen Bereichen allein gelassen und das betreffe nicht nur die Verkehrssicherungspflicht von Waldwegen, auf denen sich Erholungssuchende verletzen und dann den Waldbesitzer verklagen können, sondern auch Holzdiebstähle, Wilderei und die Kostenverteilung bei Gewässerunterhaltungssystemen.

"Wir sind Weltmeister in der Nachhaltigkeit. Es gibt kein Land weltweit, das bei der Bevölkerungszahl so viele Holzvorräte hat wie Deutschland", sagte Franz Prinz zu Salm-Salm und forderte, das auch anzuerkennen.

"In der Stadt wird über ¿meinen Freund, den Baum\' gesprochen, aber die Drecksarbeit will doch keiner mehr machen. Unsere Arbeit war den Leuten nicht mehr nahe, wir habens nicht mehr vermittelt, auch unseren Kindern nicht." Er appellierte an alle Waldbesitzer, das Thema Waldnutzug wieder mehr in die Öffentlichkeit zu rücken und auch mal mit den Nachbarn über den Wald zu reden.

Und er kritisierte die eigenen Reihen: "Wir kämpfen an den wichtigen Positionen nicht für unser Eigentum!" Die Bündelung, Zusammenschlüsse forstlicher Strukturen, auch im Kleinprivatwald, forderte im Anschluss auch Vorstandsmitglied Ludolf Freiherr von Oldershausen, der über Selbstwerbung und Stockkäufer sprach. Gerhard Henke, Forstamtsleiter im Betreuungsforstamt Letzlingen, referierte über Forstschutz und Vorsorge in den Wäldern. Er hatte Beispiele für Schädlinge und Erreger von Pilzen bis zu Insekten mitgebracht und erläuterte auch den Einsatz von Pheromonfallen gegen Kiefernspinner und Nonnen, Schmetterlinge, die im Wald großen Schaden anrichten können. Aber auch der Eichenprozessionsspinner, der sich immer mehr ausbreitet, war Thema.