Osterburg. Mit Blues, Boogie, Ragtime, Swing und Ausflüge in den Rock\'n Roll hatte das Trio "Boogielicious" am Freitagabend die Besucher im "Kanzler"-Saal schnell für sich eingenommen und für eine regelrechte Klub-Atmosphäre gesorgt, in der man sich wohl fühlte, mitgerissen wurde von den Rhythmen der Musik aus den 20-er, 30-er, 40-er und 50-er Jahren. Vor allem die Älteren erkannten "ihre Musik" wieder, zu der sie damals geschwoft hatten, die Erinnerungen weckte an die Tanzdielen in Osterburg und in den Dörfern, auf denen es zwischen den Pärchen "gefunkt hatte". Die Zeit des Saint Louis Blues, des AA Boogie, des Summertime, des Boogie Woogie Blues und der Wonderful World, der Hüftschwünge solcher Rock\'n Roll-Legenden wie Ted Herold, Bill Haley und Elvis Presley kehrte für zwei Stunden zurück.

Der Holländer Eeco Rijken Rapp (Piano) sowie seine beiden deutschen Kollegen David Herzel (Schlagzeug und Trio-Gründer) und Dr. Bertram Becher (Mundharmonika) erwiesen sich als wahre Virtuosen auf ihren Instrumenten, wobei Rapp mit seiner dem Blues angepassten Stimme bei einigen Musikstücken unterstützend wirkte. Mit dem Solo "Jesse James", einem Ragtime, brillierte er auf seinem Instrument. "Aus dem Ragtime", so Terzel erläuternd, "hatten sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts viele Musikstile wie eben der Blues, der Boogie und so weiter entwickelt."

Bei des Drummers "Kunststückchen" mussten nicht nur Trommeln und Becken herhalten, er trommelte auf allem, was sich schlagen ließ - Barhocker, Stuhllehnen, Tischkanten, Thekenrand und des Vereinsvorsitzenden Rücken - als er, den "Mundhobel" spielenden Becher im Schlepptau, zum Gaudi der applaudierenden Zuhörer durch den Saal zog. Herzel, einer der erfahrensten Blues- und Jazz-Schlagzeuger in Deutschland, ist durch seinen extrem groovigen und dynamischen Schlagzeugstil bekannt geworden. Immer wieder spendete das begeisterte Publikum während der einzelnen Darbietungen Beifall, ging im Takt der Musik mit. Der Honky-Tonky-Train, ein alter Dampfzug, ratterte musikalisch durch die amerikanische Prärie, wobei das Publikum angehalten war, die röhrenden Pfeifensignale aus Bechers Mundharmonika zu verstärken. Der hatte auch ein Solo parat, volltönig und kraftvoll zauberte er, elektronisch verstärkt, die Töne aus seinem winzigen Instrument. "Die Mundharmonika war in den 20ern und 30-ern in Amerika gewissermaßen bei den Jungendlichen das, was heute bei ihnen der MP 3-Player ist. Die hatte man in der Tasche", sagte Becher. Seine Musik fügte sich so harmonisch ein, dass man traditionelle Instrumente wie Saxophon und gestopfte Trompete nicht unbedingt vermisste.

Vorstandsmitglied Sigrid Fischer hatte, noch bevor das Trio mehrere Zugaben hören ließ, die Musiker mit Blumen überrascht. Der Volksstimme hatte sie schon eingangs verraten: "Es ist unser Markenzeichen seit 20 Jahren: Jeder Mitwirkende unserer Programme bekommt am Schluss eine Blume."

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