Der Verein ist finanziell gesund, der Bestand an Mitgliedern stabil. Und auch die Zahl der ungenutzten Parzellen ist in der Osterburger Anlage "Aufbau" eher gering. Dennoch sehen die Kleingärtner keinen Grund für Müßiggang. Das wurde während der Jahreshauptversammlung am Freitagabend deutlich.

Osterburg. Von den 347 "Aufbau"-Gartenparzellen sind 292 verpachtet. 30 Flächen werden von Vereinsmitgliedern als Zweitgärten bewirtschaftet, sechs Parzellen nutzt der Verein für eigene Zwecke. "Die Zahl der Gärten, für die wir einen neuen Besitzer suchen, beläuft sich also auf 19", informierte der stellvertretende Vorsitzende Dietmar Handzelek während der Jahreshauptversammlung des Vereins am Freitagabend im Saal des Osterburger Verwaltungsgebäudes. Und nicht alle Leerflächen liegen wirklich brach. "Denn acht Parzellen nutzt die Akademie Facultas. Dort bauen Ein-Euro-Jobber Obst und Gemüse an, dass sozialen Einrichtungen wie der Tafel, Altersheimen und Kindergärten zur Verfügung gestellt wird", fügte der stellvertretende Vorsitzende hinzu. Handzelek zeigte sich mit dem gegenwärtigen Belegungsstand nicht unzufrieden, "insbesondere, wenn man unsere Situation mit anderen Kleingartenvereinen vergleicht." Dennoch sieht er keinen Grund für Müßiggang. "Denn natürlich streben wir die Vergabe aller Gärten an. Und wenn wir auf die Altersstruktur unserer Mitglieder schauen, wird klar, dass sich die hohe Belegungsquote in unserer Anlage schnell ändern kann", machte er deutlich.

Als sehr problematisch bezeichnete Handzelek die schlechte Zahlungsmoral mancher Mitglieder bei der Begleichung der Pacht oder der Vereinsbeiträge sowie beim Bezahlen des verbrauchten Stroms. "Wir haben Mahnungen an die betreffenden Mitglieder verschickt und selbstverständlich auch das persönliche Gespräch mit ihnen gesucht. Doch die Versprechungen, die Rückstände auszugleichen, entpuppten sich oft als leere Worte", resümierte er. Der Verein könne diesen Mitgliedern zwar kündigen. "Aber um die Aufgabe der Parzellen tatsächlich durchzusetzen, bedarf es im Ernstfall einer kostspieligen Räumungsklage", erzählte er. Konsequenz: Der Vorstand will eine Rechtschutzversicherung abschließen, um auch rechtliche Schritte einleiten zu können. Diesem Vorhaben stimmten die anwesenden Mitglieder zu.

Handzelek ging auch näher auf die Anlage selbst ein. Dabei schätzte er ein, dass weiter an der Entfernung der nicht gartentypischen Wald- oder Nussbäume gearbeitet werden müsste. Probleme gebe es auch mit einigen Gartenfreunden, die ohne Genehmigung Anbauten an ihren Lauben vorgenommen hätten. "Mit diesen Anbauten wird in manchen Fällen die erlaubte Maximalgröße von 24 Quadratmetern überdachter Fläche überschritten", kritisierte Handzelek. Und: "Die Kompostierung sollte unbedingt im eigenen Garten erfolgen und nicht auf der angrenzenden Ackerfläche. Der Eigentümer hat uns mitgeteilt, dass er künftig dem Verein die Entsorgung des Mülls auf seinen Flächen in Rechnung stellen wird, sollte dort weiter Abfall aus unserer Anlage abgekippt werden", warnte Handzelek. Als gelungen bewertete der Vereins-Vize das Gartenfest am 31. Juli, dass auch zur Auszeichnung der schönsten Gärten und als Dankeschön an engagierte Mitglieder genutzt wurde, die mehr als sechs Arbeitsstunden für den Verein leisteten. Das diesjährige Gartenfest wird nach der aktuellen Planung am 2. Juli veranstaltet. Sehr positiv sei zudem, dass der Stromverbrauch in der Anlage deutlich gedrosselt werden konnte. "Zähler, die älter als zehn Jahre waren, wurden erneuert und verplombt, um eventuelle illegale Stromabnahmen auszuschließen", sagte Handzelek. Diese Aktion und das Abschalten des Stroms von Dezember 2009 bis Februar 2010 machten sich bemerkbar. "Von März 2009 zu Mai 2010 hatten wir einen um 27000 Kilowattstunden geringeren Verbrauch als im vorherigen Abrechnungszeitraum", bilanzierte Handzelek. Dass der Verein dennoch auch künftig einen sogenannten Differenzbetrag in Höhe von fünf Euro von seinen Mitgliedern erhebt, um einen derzeit noch keinem Verursacher zuzuordnenden Stromverbrauch zu bezahlen, stieß während der Jahreshauptversammlung auch auf Unverständnis. Deshalb will sich der Vorstand mit den Kritikern zu einer gesonderten Gesprächsrunde zusammenfinden.

Erfreuliches teilte die Vereins-Finanzerin Yvonne Schmidt mit. "Aufbau" ist finanziell gesund. Der Verein verfügt über Rücklagen und erwartet nach den aktuellen Planungen auch für 2011 ein leichtes Plus auf der Seite der Einnahmen. Bei einer Ausgabeposition gibt es aber Gesprächsbedarf. Denn jährlich gibt "Aufbau" eine Summe von rund 4000 Euro als Beitrag an den Kreisverband weiter. "Worin besteht für uns der Gegenwert für diese Summe? Was macht der Kreisverband für uns?", fragten mehrere Kleingärtner. Handzelek sicherte ihnen abschließend zu, den Kreisverband über den Aufklärungsbedarf der Osterburger "Aufbau"-Kleingärtner ins Bild zu setzen.