Auf eine große Resonanz stieß am Sonntag die "Trassenwanderung" durch den Seehäuser Stadtforst, zu der der Vitos-Verein eingeladen hatte. 20 Teilnehmer begaben sich unter Führung von Harald Heinrichs, ehemaliger Mitarbeiter der Toristinformation Seehausen, auf den Weg, um einerseits in geselliger Runde die Natur und frische Luft zu genießen, andererseits aber auch den Enflussbereich und die möglichen Auswirkungen der geplanten A14 kennenzulernen.

Seehausen. Zunächst stand Harald Heinrichs kurz vor zehn Uhr allein am Postkasten vor Graepel STUV in Seehausen. Eine Wanderung für flotte Spaziergänger mit Ausdauer hatte er vor Augen, und tatsächlich fanden sich ein paar Minuten später ganze 20 Teilnehmer ein, unter ihnen auch das Seehäuser Stadtratsmitglied Dr. Helmut Günther (CDU). Organisiert hatte die Wanderung der Vitos-Verein, von dem Norbert Krebber die Begrüßung übernahm.

Als Bildungsveranstaltung deklariert, sollten alle Emotionen einmal weggelassen werden. Nichtsdestotrotz war es an Susanne Bohlander von der Bürgerminitiative "Bündnis B189 statt A14", über das bevorstehende Planfeststellungsverfahren zu informieren. "Wir haben zu der Wanderung extra nicht vor der Landtagswahl eingeladen. Wir wollen hier keine Demonstration mit Fahne veranstalten", so Norbert Krebber, der für die Projektarbeit im Vitos-Verein zuständig ist.

Um Heimat- und Landschaftsschutz sollte es gehen, aber vor allem um Geschichte. Mit dem ehemaligen Mitarbeiter der Stadtinformation Harald Heinrichs hatte Vitos den richtigen Mann an der Spitze. Er kennt sich aus wie kein Zweiter. "Ich war früher seine Lehrerin und mache jede Wanderung mit, wenn er sie leitet", erzählte begeistert die Seehäuserin Ursel Barner. Ausnahmsweise würde er kein Gedicht zu Beginn vortragen, ließ Heinrichs die Zuhörer wissen. Dafür sprang Krebber in die Bresche und begann, Heines Text "Frühling lässt sein blaues Band" zu zitieren.

Danach war aber endgültig Harald Heinrichs an der Reihe. Mit einer Karte von 1902 in der Hand, auf der noch der im 13./14. Jahrhundert errichtete Stadtwall verzeichnet ist, schritt er los. Da hatte die zehnjährige Antonia Knitter aus Seehausen ganz schön zu tun, mitzuhalten. "Mich hat die Wanderung interessiert, weil es ja um Geschichte von hier geht. Dafür war auch meine Tochter schnell zu begeistern", merkte Susanne Knitter an.

Nicht nur für die Teilnehmer bedeutete die Strecke das Betreten von Neuland, sogar Harald Heinrichs gestand: "Die Strecke, die uns jetzt gut zwei Stunden beschäftigen wird, bin ich so noch nie gegangen." Trotzdem kennt der Seehäuser jeden Winkel. Er erzählte von dem 830 Hektar großen Wald, der zur Stadt gehört, den Wehranlagen, die vom Fangelturm bis zum Forsthaus Wartereichen.

Außerdem verriet er: "Die Wallanlagen waren so tief, dass ein Lanzenreiter nicht mehr zu sehen war." Einen Kilometer lang marschierten die Wanderer parallel zur bis heute sichtbaren Vertiefung. Dann ging es über den südlichen zum nördlichen Losser Weg und über den Behrendschen Weg nach Barsberge. Dabei kreuzte die Gruppe die geplante Autobahntrasse. Alle sahen sich die Markierungspunkte an. Dass durch diese wunderschöne und artenreiche Mischwaldschaft tatsächlich eine Schneise von 80 bis 100 Meter Breite geschlagen werden und in eine stark befahrere Betontrasse verwandelt werden soll, ließ wohl keinen der Teilnehmer kalt.

Einige der anwesenden Autobahngegner entrollten schließlich ein Plakat mit der Forderung nach einem Ausbau der B189 statt des Autobahn-Neubaus. Harald Heinrichs zeigte schließlich auch die Stelle, an der eine Fußgängerbrücke und eine Wildbrücke über die A14-Trasse führen sollen. Gegen Ende der ausgiebigen Wanderung legten die Teilnehmer schließlich im Forsthaus Barsberge eine Rast ein.

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