Loch durch Loch rumpelt der Verkehr durch Gethlingen. Die Straße ist in einem katastrophalen Zustand. Die Anwohner sind genervt.

Gethlingen. "Ich habe mal versucht, die Löcher zu zählen. Aber ich habe recht schnell aufgegeben", berichtet Eike Kriegelsteiner, der unmittelbar an der Ortsdurchfahrt wohnt. Er spüre förmlich jeden Transporter, der Holz zum Zellstoffwerk bei Arneburg kutschiert oder mit Papierballen in die andere Richtung fährt, merkt er an. Peter Christoph pflichtet ihm bei und erzählt vom Putz, der bei den Erschütterungen, die die Straße übertrage, von seiner Kellerdecke bröckelt.

Die beiden Gethlinger verdammen aber nicht die Brummi-Fahrer, sondern fordern mit ihren Nachbarn, dass endlich die avisierte Ortsumfahrung gebaut und die Dorfstraße vernünftig hergerichtet wird. "1993 sollte ein sogenannter Dünnschichtbelag den Pflasterbelag für ein paar Jahre retten. Fast 20 Jahre und zwei strenge Winter später sind die Schlaglöcher nicht mehr zu zählen", so Peter Manstetten. Der Ex-Bürgermeister der Gemeinde Hindenburg, zu der Gethlingen als Ortsteil gehörte, ist dem Dorf unter anderem als Mitglied des Kirchenfördervereins weiter verbunden.

Er moniert: "Es wird zu wenig getan." Eine doppelte Kritik. Zum einen sei die Straße durchs Dorf in einem erbärmlichen Zustand. Zum anderen lasse die Ortsumfahrung auf sich warten. Für Manstetten ein Unding. "Bei Arneburg ist ein großes Industriegebiet entstanden, Politiker schwärmen von Ansiedlungserfolgen, aber an der Peripherie sieht man nichts", schätzt er ein.

So schlängelt sich der Schwerlastverkehr vorerst weiter durch den Ort mit seinen engen Kurven, vergrößert die Schlaglöcher und zerfährt den Sommerweg. "Ist es trocken, staubt es. Regnet es, dann spritzt der Dreck an die Häuser. Das Fensterputzen können wir uns sparen", erklärt Mario Boese mit Blick auf den Sommerweg, auf dem viele Kraftfahrer nicht nur dem Gegenverkehr ausweichen, sondern auch vor der Schlaglochpiste flüchten.

"Wir waren lange geduldig. Aber der Zustand ist inzwischen unhaltbar", macht Martina Boese klar, dass die Geduld der Gethlinger erschöpft ist.

Doch an die Ortsumfahrung ist zumindest in diesem Jahr nicht zu denken, obwohl im Vorjahr das Planfeststellungsverfahren über die Bühne ging und mit Datum von 20. Oktober gefasst wurde, wie das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr auf Volksstimme-Nachfrage erklärt. Zudem teilt das Ministerium mit: "Das Baurecht hat Bestandskraft. Mit Blick auf die Vielzahl bereits laufender Neubaumaßnahmen sowie aufgrund der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel ist bisher noch keine Aussage zur zeitlichen Einordnung in das Bauprogramm möglich."

Schwacher Trost für die Gethlinger: Das Ministerium stellt "notwendige Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten" mit Gussasphalt in Aussicht. Sie sollen voraussichtlich in den beiden letzten Aprilwochen über die Bühne gehen.