Die Macher des Dorftheaters Gladigau nehmen das vom Landkreis Stendal unterstützte und vom Europäischen Sozialfonds geförderte Programm "Stärken vor Ort" jetzt wörtlich und wuchern mit ihrem schwersten Pfund, das sie zu bieten haben, mit der plattdeutschen Sprache. Noch in diesem Monat wird in Gladigau eine plattdeutsche Sommerschule aus der Taufe gehoben.

Gladigau. Bis Mitte Oktober kann sich der interessierte Nachwuchs bei Ursula Müller im Gladigauer Vereinshaus das Mundart-Einmaleins aneignen oder erste Sprachkenntnisse festigen. Als Beraterin der Laienschauspielergruppe, als Mitgründerin des Dorftheaters und Übersetzerin von niederdeutschen Komödien ins altmärkische Platt verfügt die Gladigauerin über das entsprechende Knowhow - für das offenbar noch kein plattdeutsches Synonym existiert.

Bei einem Pressegespräch stellten Dorftheaterintendant Horst Bannehr, der Vorsitzendes Altmärkischen Heimatbundes, Pfarrer Norbert Lazay, unter dessen Dach das Theater agiert und der als juristische Person Maßnahmeträger ist, sowie Ortsbürgermeister Matthias Müller, der sich darüber freut, dass in der Alten Schule wieder schulisches Leben einkehrt, das Projekt vor. Zielgruppe sind demnach 10- bis 18-jährige Kinder und Jugendliche, also Sekundarschüler und Gymnasiasten. Grundschüler, also Jüngere, werden nicht generell abgewiesen, aber die Sommerschule wolle auf keinen Fall Konkurrenz zur erfolgreichen Plattdeutsch-AG der Grundschule Flessau sein, betonte Ursula Müller, die sich als Verwaltungsangestellte im Ruhestand vorerst einmal wöchentlich zwei Unterrichtsstunden Zeit nehmen will, den sprachbegabten beziehungsweise -begeisterten Nachwuchs zu unterrichten. Wobei Unterricht nicht so ernst genommen werden soll. Im Sinne einer lebendigen Sprache würden die Mädchen und Jungen mit lustigen Texten, Sketschen und ähnliches die Stunden bestimmen und so auch anfängliche Scheu verlieren. Das Dorftheater führt schließlich auch keine Tragödien auf. Wenn sich genug Teilnehmer finden, will Norbert Lazay auch nicht ausschließen, auch Außenunterricht - beispielsweise in Meßdorf - anzubieten, um den Teilnehmern lange Wege zu ersparen. Anmeldungen nimmt Ursula Müller bis zum 27. April unter Tel. 039392/81561 entgegen. Ein erstes Treffen der Teilnehmer ist für Freitag, 29. April, ab 16 Uhr in der Alten Schule Gladigau geplant.

Wenn es die Teilnehmer wünschen, sind später auch öffentliche Auftritte möglich. Weil die Theaterleute natürlich auch immer auf Nachwuchssuche sind, stehen allen Interessierten die Türen für das Ensemble weit offen.