Osterburg (fsc). Auf großes Interesse stieß der jüngste "Treff in der Bibliothek" im Rahmen des Frühjahrssemesters der Kreisvolkshochschule Stendal. Das etwas ungewöhnliche Thema hatte viele Osterburger und Besucher aus der Umgebung neugierig gemacht: "Vom Traum und vom Träumen - Deutung, Forschung, Analyse". Sabine Krüger, Leiterin der Kreisvolkshochschule, begrüßte dazu Adelheid Johanna Press als Referentin. Die Berlinerin und zum Teil schon Altenzaunerin ist sowohl Diplom-Medizinpädagogin als auch diplomierte Sozialpädagogin und Suchttherapeutin.

"Träume können sehr wichtig sein", sagte sie zur Einführung. "Auch wenn sie einem unverständlich sind und man sie im Moment nicht zu deuten vermag, kann man ihnen etwas abtrotzen, was einem im Leben weiterhilft." Schon in der vorbiblischen Zeit hätte man Träume zu deuten versucht und Erklärungen zu finden, was im Menschen vor sich geht, wenn er träumt. 1899 habe mit dem österreichischen Arzt und Psychoanalytiker Sigmund Freud die moderne wissenschaftlich begründete Traumdeutung begonnen, die lange in den Bereich des Aberglaubens verbannt war. Er erkannte, dass Träume einen lebenswichtigen Sinn haben, gewissermaßen unser Inneres widerspiegeln und wichtige Rückschlüsse auf den seelischen Zustand ermöglichen. Er entwickelte 1923 das Strukturmodell "Es - Ich - Über-Ich". Von ihm stammt die These, dass der Traum ein sinnvolles Werk nächtlicher Seelenarbeit ist. Während des Schlafs treten psychische Spannungen auf, die mit Hilfe der Träume verarbeitet werden sollen. Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung beschäftigte sich wie Freud mit Tiefenpsychologie und damit auch mit dessen Strukturmodell, fand aber einige Thesen Freuds kritikwürdig.

"Träume schaffen Ordnung in unserem Gehirn", führte Press weiter aus. "Man sieht die Welt am Morgen klarer, weil in uns das Licht der Erkenntnis leuchtet. Das Unbewusste arbeitet nachts für uns, obwohl wir es gar nicht wissen. Wir haben manchmal ganz seltsame Träume, zum Beispiel vom Tod. Das ist gar kein so schlechtes Signal; Traumbilder vom Sterben können Bestandteile unseres Über-Ichs sein, die wir nicht mehr brauchen und auf diese Weise loslassen." Man könne solche Träume deuten, indem man zum Schluss kommt: Heute ist viel in mir gestorben, damit ich leben kann. Die Referentin animierte das Publikum zum Deuten eines fiktiven Traumes und erläuterte mehrere Traumsymbole wie Blut, das ein Zeichen für eine Konfliktsituation sei, die man lösen müsse, um nicht zu "verbluten". Oder ein Auto, das als ein Selbst des Träumers gilt. Die Farbe Rot als Signalfarbe für das Auffallen wollen, Liebe, Achtung Gefahr, Warnung und so weiter. Wasser sei ein positives Traumsymbol und bedeute Leben. Die Zuhörer hatten zum Schluss allerhand Fragen zu persönlichen Alp-, Wach- und anderen Träumen, die ihnen von Adelheid Johanna Press beantwortet wurden.

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