Zum Tag der erneuerbaren Energien öffnete das Gemeindewerk Iden am Sonnabend seine Pforten. Mitarbeiter informierten unter anderem über die Fernwärmerzeugung aus Hack- schnitzeln, Gülle und Körnergetreide. Zudem stellten weitere Unternehmen die Nutzung erneuerbaren Energien vor.

Iden. Der Holzhacker ist hungrig. Dicke Baumstämme frisst er in sich hinein, zermalmt sie"verdaut" sie unüberhörbar und speit Holzschnitzel aus. "Bis zu 1000 Kubikmeter kann der Holzhacker täglich zerkleinern", berichtet Mike Lodwig, der im Führerhaus der 380 PS starken Maschine sitzt.

Mit ihr ist er im Alltag in Wäldern im Einsatz. Am Sonnabend allerdings erläuterte er Bedienung, Arbeitsweise und Innenleben auf dem Gelände des Idener Gemeindewerkes. Das hatte seine Tore geöffnet, um sich, aber vor allem Formen der erneuerbaren Energieerzeugung zu präsentieren.

Die praktiziert das Gemeindewerk schon seit längerer Zeit. Bereits in den 1990er Jahren setzte es Biomasse zur Wärmeversorgung ein. "Damals hielten uns viele für Spinner", erinnert sich Geschäftsführer Bernd Kurth. Doch inzwischen avancierte Iden zum Bioenergiedorf. 70 Prozent der Haushalte des Ortes versorgt das Gemeindewerk mit Fernwärme, die aus nachwachsenden Rohstoffen produziert wird. Dazu kommen unter anderem noch die Landesanstalt und die Sporthalle. "Wir möchten den Anschlussgrad noch erhöhen, aber das muss ordentlich vorbereitet werden", so Kurth, der seit 32 Jahre die Geschicke des Gemeindewerkes lenkt.

Das Gros der Fernwärme, nämlich um die 60 Prozent, produziert das Unternehmen durch das Verfeuern von Hackschnitzeln. Rund 15 Prozent kommen aus der Biogasanlage, wo Gülle und Körnergetreide - vornehmlich Roggen - vergären; zudem werden Öl und Erdgas eingesetzt. Zudem erzeugt das Idener Gemeindewerk Elektroenergie, das ins Netz eingespeist wird. "Etwas zwei Millionen Kilowattstunden Strom fallen jährlich bei uns an. Damit könnten wir einen Ort wie Iden vollständig versorgen", informiert Kurth.

Beim Tag der offenen Tür stellten sich Partner der Idener bei der Energiegewinnung sowie Unternehmen der Branche vor. So ein Energiedienstleister, ein Hersteller von Biogas-Blockheizkraftwerken, ein Holzbrennstofflieferant aus Rathenow und eine Photovoltaik-Firma aus Baben.

"Wir möchten am Tag der erneuerbaren Energien nicht nur zeigen, dass es Alternativen zur Kernenergie gibt, sondern auch, dass sie sinnvoll und schnell umsetzbar sind", umschreibt Gerhard Faller-Walzer ein Anliegen der Veranstaltung. Der Mitarbeiter des in Stendal ansässigen Projektbüros "Bioenergie Region Altmark", das den Tag der erneuerbaren Energien in Iden, aber auch im westaltmärkischen Tangeln und in Scharlibbe bei Havelberg organisiert, spricht in diesem Zusammenhang nicht nur von ökologischen, sondern auch wirtschaftlichen Aspekten. So solle eine "Wertschöpfungskette Holz" in der Altmark geschaffen werden. "Das heißt", erläutert Faller-Walzer, "dass die Brennstoffe, die in der Altmark verarbeitet werden, auch hier erzeugt werden. Damit bliebe das Geld in der Region." So könnten Bäume mit einem Erntezyklus von drei bis fünf Jahren, beispielsweise Weiden und Pappeln, in der Altmark gepflanzt werden, um sie dann für die Energiegewinnung zu nutzen.

Der Holzhacker mit seinen 380 PS jedenfalls hat großen Appetit. Und allein das Idener Gemeindewerk verwandelt jährlich 1500 Tonnen Hackschnitzel in Fernwärme.

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