Seit zehn Jahren gibt es in Osterburg einen Kleingartenwanderweg. Anfang der Woche beschritten Knirpse aus dem Jenny-Marx-Kindergarten den Weg, dem auch überregionale Bedeutung zukommt. Denn die Verbindung zwischen den Anlagen der Vereine "Zur Erholung" und "Aufbau" wurde landesweit als erster Kleingartenwanderweg überhaupt eröffnet.

Osterburg. Nicht alltäglicher Besuch traf am Montagvormittag in der Gartenanlage "Am Bültgraben" des Kleingärtnervereins "Zur Erholung" ein. Erzieherin Bärbel Schultz und Kita-Leiterin Lore Richter waren mit der ältesten Gruppe aus der Kindertagesstätte "Jenny Marx" gekommen, um ein Stück auf dem nun zehn Jahre bestehenden Kleingartenwanderweg durch die Anlage "Am Bültgraben" zu spazieren. Die Kinder sollten auch etwas über die Frühjahrsarbeit der Kleingärtner erfahren. Hobbygärtner wie der amtierende Vereinsvorsitzende Konrad Oefler, Annemarie Franke und Bärbel Schultz, die dem Vorstand angehören, gaben gern Auskunft. Sogar der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes der Gartenfreunde, Manfred Meckel, war anlässlich des kleinen Jubiläums aus Stendal gekommen.

Die Kinder zeigten sich recht aufgeschlossen, und manche, deren Eltern einen Garten haben, wussten, was dort bereits heranwächst: Radieschen, Spinat, Möhren, Kartoffeln, Schnittlauch, Kohlrabi, Salat und anderes mehr. Von Vätern beziehungsweise Großeltern waren Tomatenpflanzen gezogen und in kleine Gewächshäuser gesetzt worden.

Von Oefler auf Maulwurfshaufen aufmerksam gemacht und auf seine Frage, ob man diese Tiere fangen und töten dürfe, wussten einige Steppkes, dass Maulwürfe unter Naturschutz stehen. Oliver hatte sogar, wie er sagte, eine Erdmaus gesehen, die schnell verschwunden sei. Maresa fand weißen Flieder schön und schnupperte an einer Blütenrispe. Jost erzählte, dass er schon seinem Opa in Meseberg im Garten hilft. Gerhard und Ursula Wenisch waren auf ihrer Parzelle, als die Kinder vorbeikamen, und sie antworteten geduldig auf deren Fragen. Im Garten von Günter Cichosz ließen Felix, Amelie und Jost sich von Oefler das Kartoffelwachstum beschreiben.

Im Heidegarten stand die Erika in weißer und violetter Blüte, Birken zeigten stolz ihr Maiengrün, und Krüppelkiefern hatten mit neuen Trieben hellgrüne Kerzen aufgesteckt. Natürlich erweckte auch das Feuchtbiotop, ein kleiner Teich, das Interesse der Kinder. Einige entdeckten Fische und Frösche und erfuhren von Oefler, dass auch Molche unter den Seerosenblättern leben würden. Zum Abschluss besichtigte man ein Trockenbiotop mit Hecken aus Ästen und Wurzelstöcken sowie einem Insektenhotel, wo viele kleine nützliche Tiere Unterkunft finden. Die Erwachsenen freuten sich über das lebhafte Interesse der Kinder, und diese, die ab September zur Schule gehen, werden neues Wissen mitnehmen können.

Zwischen den Gartenanlagen der beiden Osterburger Kleingärtnervereine "Zur Erholung" und "Aufbau" war damals der erste Kleingartenwanderweg in Sachsen-Anhalt eröffnet worden. Die Idee, die beiden Gartenkomplexe sowie die Anlage des hiesigen Rassegeflügelzuchtvereins zu vernetzen und so die Stadt Osterburg an einen Kleingartenpark anzuschließen, stammte vom damaligen, inzwischen verstorbenen Vorsitzenden Lothar Giesecke. Für die Umsetzung hatte es eine Goldmedaille beim Bundeswettbewerb "Städtebau und Ökologie" gegeben.

Etwa 1000 Kleingärten mehrerer Vereine bilden quasi einen Grüngürtel rund um Osterburg. Das sei eine gute Voraussetzung dafür, Gemeinschaftsflächen und unbewirtschaftete Parzellen in Grünbereiche umzuwandeln, sagte Manfred Meckel der Volksstimme. So seien Naherholungsgebiete entstanden, ohne dass Parkanlagen oder andere Grünflächen neu angelegt werden mussten. "Es war eine Herausforderung, den Charakter der Kleingartenanlagen nicht zu verändern und den Wanderweg in das Gesamtbild zu integrieren", so der stellvertretende Kreisvorsitzende. "Innerhalb von vier Monaten, zwischen Februar und Juli 2001, war das Projekt realisiert worden." Eine freie Parzelle in der Anlage "Am Bültgraben" hatten die Gartenfreunde des Vereins "Zur Erholung" in einen Heidegarten umgewandelt, und in Regie der Kleingärtner des Nachbarvereins "Aufbau" entstand in einer natürlichen Senke - der "Bültkuhle" - ein Feuchtbiotop. So schufen die Kleingärtner in Kooperation mit der Agentur für Arbeit und der Stadt Osterburg eine Verbindung zwischen den Gartenanlagen und der Innenstadt mit Naherholungscharakter.

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