Mit der Vernissage für die Ausstellung "Figur, Figuration, Architektur" und einem anschließenden Marimba-Konzert wurde am 1. Mai in der St. Nikolauskirche Beuster die Saison der Kulturveranstaltungen 2011 eröffnet. Trotz mehrerer anderer Veranstaltungen in der Umgebung zeigte sich der Förderverein St. Nikolauskirche Beuster sehr zufrieden mit der Resonanz.

Beuster. Unter der Überschrift "Figur, Figuration, Architektur" steht die neue, sehenswerte Ausstellung von Wolfgang Friedrich in der Stiftskirche. Gezeigt werden unter anderem Skulpturen und grafische Blätter des namhaften Rostocker Künstlers. Durch Vermittlung des Vorsitzenden des Fördervereins, Dr. Volker Stephan, war es gelungen, diese thematische Ausstellung nach Beuster zu bekommen.

Zur Eröffnung war auch der Künstler nach Beuster gekommen. Friedrich wurde 1947 im sächsischen Torgau geboren, legte 1966 sein Abitur mit Ausbildung zum Glasfacharbeiter ab und studierte anschließend an der Hochschule für bildende Künste in Dresden, an der er später auch unterrichtete. Seit 1978 lebt und arbeitet er als freischaffender Künstler in Rostock. Seine verwendeten Materialien, so Dr. Stephan, sind Wachs, Gips, Ton, Bronze, Blei- und Kupferbleche, Stein, Stahl. Auch Fundmaterialien finden Verwendung.

Zeichnungen und Radierungen begleiten zunehmend das plastische Werk. "Ich sehe meine Arbeit als Gratwanderung hin zur eigenen Mitte, vom sinnlich Organischen hin zum tektonisch Brüchigen", sagt Friedrichs über sich selbst. Mit seinen Werken zieht er einen Spannungsbogen zwischen antiker Hochkultur und klassischer Moderne. Er verknüpft das antike Erbe mit dem Horizont heutiger Erfahrung. Viele der Anwesenden suchten das Gespräch mit dem Künstler.

Zu den Besucherinnen zählte unter anderem die Kunstlehrerin Elke Preis vom Osterburger Gymnasium. Da in ihrem Kunstkurs derzeit das Thema "Plastiken, Skulpturen und Objekte" im Mittelpunkt steht, will sie die Ausstellung in den Kursunterricht integrieren und plant mit den Schülern der 11. Klasse einen Ausflug in die Nikolauskirche. Die Ausstellung ist dort noch bis zum 26. Juni zu sehen.

Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung erlebten viele Besucher den zweiten kulturellen Höhepunkt des Tages - ein Konzert des "German-Marimba-Duo". Neugier erweckten die beiden Künstler Matthias Krohn und Andreas Schwarz schon beim Betreten der Stiftskirche und beim Aufbau ihrer stattlichen Instrumente. Beide beantworteten freundlich und geduldig die Fragen interessierten Besucher. Die Marimba, auch Marimbaphon genannt, ist ein Schlaginstrument. Im Gegensatz zum Vibraphon mit seinen Metallklangstäbchen hat die Marimba Holzklangstäbe, die wie bei einem Klavier in zwei Reihen chromatisch angeordnet sind. Unter jedem dieser Stäbe befindet sich ein Aluminiumrohr (Resonator), der für eine intensive Schallabstrahlung sorgt. Geschlagen werden die Ebenholzstäbe mit einer Vielzahl von Schlegeln.

"Es lohnt sich, nach Beuster zu kommen. Wir haben eben die Ausstellung eröffnet und können uns nun auf ein ganz besonderes Konzert freuen. Dies wäre ohne die Unterstützung durch die Kulturstiftung des Landes Sachsen-Anhalt und durch Bezuschussung durch die Kloster Bergische Stiftung im Rahmen des Projektes Kultur im ländlichen Raum nicht möglich gewesen", so Dr. Stephan.

An den Anfang stellten die beiden Musiker einen Popsong, mit dem die ganze Klangfülle von bis zu fünf Oktaven hörbar wurde. Auch optisch beeindruckten die virtuosen Musiker. Das Spiel mit den Schlegeln erinnerte an die Vorführungen von Akrobaten. Daneben brachte das Duo auch eigene Kompositionen zu Gehör. Den Hauptteil bildete die Bearbeitung von "Bilder einer Ausstellung" des russischen Komponisten Modest Mussorgski, das ursprünglich als Klaviersuite komponiert wurde. Den Schlusssatz "Das große Tor von Kiew" gestalteten die beiden Musiker mit angemessen kraftvollem Anschlag, um das Werk getragen ausklingen zu lassen. Der Beifall wolle nicht enden, und auch das Spiel auf einer original afrikanischen Marimba (Ballophon) als erste Zugabe zeigte, wie begeistert die Zuschauer waren.

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