Musik für Gehörlose? Was ungewöhnlich klingt, möchte der Altmärkische Gehörlosenverein Stendal am Sonnabend, 7. Mai, zum ersten Mal ausprobieren und lädt dazu auch hörende Menschen ein. Zum Kulturtag wird den Gästen auch 200 Jahre Gehörlosengeschichte näher gebracht.

Stendal. "Dieses Mal haben wir einen richtigen ¿Star\' dabei", sagt Reiko Lühe, Vorsitzender des Altmärkischen Gehörlosenvereins Stendal, und meint damit den Referenten Helmut Vogel aus Frankfurt, der am Sonnabend über die Geschichte der Gehörlosen berichten wird - diese umfasst einen Zeitraum von 200 Jahren. Besonders ist der Vortrag auch deshalb, weil der Dozent und Historiker selber gehörlos ist; seine Gebärden werden für hörende Gäste übersetzt. Helmut Vogel bildet mit seinem gut zweistündigen Vortrag den Auftakt des 4. Kulturtags des Stendaler Vereins, der diesen anlässlich des heutigen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen veranstaltet. "Inklusion beginnt im Kopf" lautet das diesjährige Motto.

Inklusion - ein Wort, mit dem viele vermutlich erstmal nicht viel anfangen können. Gerade deshalb sind auch Nichtbehinderte am Sonnabend eingeladen, am Programm teilzunehmen. Und das verspricht spannend zu werden, denn ab 15.30 Uhr gibt es in der Kunstplatte Stendal interessante Darbietungen. "Wir haben eine Rockband zu Gast, die ihre Musik spielt. Texte werden aus dem Englischen in die Gebärdensprache übersetzt", erklärt Susann Appelt, Sozialarbeiterin für Hörbehinderte. Auch die Stimmung des Konzertes soll so vermittelt werden. "Es wird etwas lauter, da die Bässe für uns stärker sind", so Lühe, der seit vier Jahren ehrenamtlicher Richter beim Sozialgericht ist.

Die Selbsthilfegruppe Deaf Artists ("gehörlose Künstler") hat ein Comedytheaterstück in Gebärdensprache einstudiert, dieses wird in der Kunstplatte zum ersten Mal gezeigt, entstanden ist es in Kooperation mit dem Offenen Kanal. Der Künstler Okann Sesse aus Berlin wird den Zuschauern zeigen, was Gebärdensprachpoesie ist. Susann Appelt bittet um vorherige Anmeldung (siehe Infokasten), da es in der Kunstplatte nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen gibt. Gäste sind aber auch spontan gerne willkommen. Am Sonnabend wird auch die neueste Technik im Hörgeräte- und Hörhilfsmittelbereich präsentiert.

Mit dem Projekt, das von Aktion Mensch gefördert wird, möchte der Verein Barrieren abbauen - und die beginnen meistens im Kopf. Kommunikation und gegenseitiges Verständnis spielt eine wesentliche Rolle. Doch auch der Abbau von Barrieren im Alltag ist Thema. "Zurzeit sind wir aber mit der Situation für gehörlose Menschen in Stendal zufrieden", sagt Reiko Lühe.