Stendal. Auf dem Grundstücksmarkt der Altmark und des Jerichower Landes ging es im vergangenen Jahr ruhig und zivilisiert zu. Größere Sprünge nach oben oder krisenhafte Einbrücke nach unten wurden nicht verzeichnet. Das ist das Fazit des Grundstücksmarktberichts 2010 für die Region, den Klaus Schikora und Björn Hoffmann gestern im Landesamt für Vermessung und Geoinformation in Stendal vorstellten. Die beiden Spezialisten - Schikora ist Vorsitzender des regionalen Gutachterausschusses für die Altmark und das Jerichower Land, Hoffmann sein Stellvertreter - sprachen vor Mitarbeitern der Landkreise, vieler Kommunen, des ALFF und Vertretern der Immobilienbranche.

Mit insgesamt knapp 5100 Kauffällen - bebaute und unbebaute Grundstücke, Eigentumswohnungen, Äcker, Grünflächen, Wälder - bewegten sich die Aktivitäten auf dem Grundstücksmarkt im vergangenen Jahr in etwa auf dem Niveau der zurückliegenden Jahre. Relativ überraschend sei, dass neuerschlossene Baugrundstücke in den Dörfern kaum billiger als in den Städten gewesen seien, sagte Björn Hoffmann. Und lieferte auch gleich eine Begründung für dieses Phänomen: Ein überaus begehrtes Baugebiet im Bereich Burg/Niegripp (Jerichower Land) in Wassernähe habe mit mehr als 100 Euro pro Quadratmeter den Durchschnitt spürbar angehoben. In einigen Dörfern der westlichen Altmark werden hingegen weniger als 10 Euro verlangt.

Für ein Grundstück in einem erschlossenen Neubaugebiet musste man im Landkreis Stendal im Durchschnitt 47 Euro pro Quadratmeter zahlen im Vergleich zu 42 Euro im Jahr davor, also 2009. Im Jerichower Land stieg der Durchschnittspreis von 51 auf 57 Euro, während er im Altmarkkreis Salzwedel von 28 auf 26 Euro leicht nachgab.

In der längerfristigen Preisentwicklung spiegelt sich die demografische Entwicklung der Region wider. So lagen die Grundstückspreise in dieser Kategorie im Jahr 2010 um 15 Prozent unter denen des Jahres 2000, wobei sie im Landkreis Stendal um 10 Prozent, im Altmarkkreis und im Jerichower Land um jeweils reichlich 20 Prozent sanken. Von 1990 bis 2008 verlor zum Beispiel der Landkreis Stendal rund 20 Prozent seiner Bewohner, ging die Einwohnerzahl von 156000 auf 125000 zurück.

Ganz im Gegensatz zum Landestrend sind in den drei ländlich geprägten Landkreisen im Norden von Sachsen-Anhalt die land- und forstwirtschaftlichen Grundstücke billiger geworden. Wie Björn Hoffmann darlegte, sei diese Entwicklung im Landkreis Stendal besonders auffällig. Dort sackten zum Beispiel die Ackerpreise von 5800 auf 4600 Euro je Hektar ab, Grünland wurde mit einem Hektarpreis von 3300 Euro rund 500 Euro preiswerter. Im Altmarkkreis Salzwedel gab der Ackerpreis nur geringfügig um 100 Euro auf 4100 Euro nach. Begehrt hingegen war Grünland im Jerichower Land, wo sein Preis von 3200 auf 3900 Euro anstieg.

Der Grundstücksmarktbericht Sachsen-Anhalt 2010 ist auf der Internetseite www.lvermgeo.sachsen-anhalt.de des Landesamts für Vermessung und Geoinformation als PDF-Datei zu finden und kann zum Preis von 30 Euro heruntergeladen werden. Gebührenfrei kann man dort die Bodenrichtwertkarten des Landes einsehen.