Sorgt der Verkehr durch die Werbener Innenstadt für Schäden an den Gebäuden? Anwohner der Seehäuser Straße sind davon überzeugt. Sie setzen sich deshalb für eine Tempo 20-Zone ein.

Werben. Vor sieben Jahren wurde in Werben die Seehäuser Straße ausgebaut. Für viele Anwohner alles andere als ein Glücksfall, wie Klaus Kirstein berichtet, der auf das "sehr grobe Pflaster" verweist. "Die Häuser werden regelrecht durchgeschüttelt, wenn Busse oder Lkw durchfahren. Es zeigten sich bald Schäden. Dachziegel fielen auf die Straße, Risse bildeten sich, Türen und Fenster klemmen", schildert der Werbener, der bereits 2005 mit weiteren Familien den Antrag stellte, den Linienbusverkehr aus der Innenstadt zu verbannen.

Doch der wurde abgelehnt. Auch dem Ansinnen, das Tempolimit von 30 km/h auf 20 km/h herabzusetzen, war kein Erfolg beschieden. Eine Begründung des Verkehrsministeriums: Die Seehäuser Straße ist Landesstraße. Kirchstein will sich damit nicht abfinden, lässt nicht locker. Im Stadtrat sprach er mehrfach die Probleme aus seiner Sicht an. Und er wandte sich erneut an das Verkehrsministerium in Magdeburg.

Ohne etwas zu bewirken. In einem Schreiben des Verkehrsministeriums, welches Kirstein kürzlich erhielt und das er der Volksstimme zur Verfügung stellte, wird erneut darauf verwiesen, dass "die Seehäuser Straße als Landesstraße eine wichtige Funktion innerhalb des überregionalen Verkehrsnetzes hat und überwiegend dem Durchgangsverkehr dient". Die Geschwindigkeit von 30 km/h bleibt also unverändert.

Das bestätigt Elisabeth Glöß, Leiterin des Straßenverkehrsamtes Stendal, auf Volksstimme-Nachfrage. Wie sie informiert, sei das momentane Tempolimit keineswegs einem schlechten Straßenzustand geschuldet, sondern bereits als sogenannte Entwurfsgeschwindigkeit vor dem Ausbau vorgesehen gewesen. Grund sei dafür die schmale Fahrbahn gewesen.

"Weniger als die 30 km/h geht nicht", so Glöß. Und zu den Schäden an den Gebäuden, die Kirchstein und weitere Anwohner aus dem Verkehr ableiten, meint sie: "Es geht nicht nach Gefühl." Ein solcher Zusammenhang müsse nachgewiesen werden. "Wer Zweifel hat", merkt Glöß an, "muss ein Gutachten beibringen." Ähnlich liest es sich im Schreiben des Ministeriums. Danach wären "eventuelle Ansprüche für Schäden an Gebäuden durch Erschütterungen nur durch ein baufachliches Gutachten geltend zu machen".

Ein Unding für Klaus Kirstein, der die Kosten für solch ein Gutachten auf rund 10000 Euro beziffert und einschätzt: "Merke - unser ,Rechtstaat\' ist nur für Leute gemacht, die genug Geld haben."