Mit einem rundum gelungenen Lyrik- und Theaterabend begeisterten die Seehäuser Kunst- und Trödelmarktweiber am Sonnabend in der ausverkauften Salzkirche. Unter dem Titel "Alles Liebe" trugen die Akteurinnen um Sigrid Haut Lyrik von bekannten und unbekannten Dichtern, Märchen, aber auch eigene Sketsche und Gedichte vor, die sich allesamt mit dem unerschöpflichen Thema Liebe und Beziehung beschäftigten.

Seehausen. Dass der Abend ganz im Zeichen der schönsten Sache der Welt stehen sollte, bekamen die Besucher schon beim Betreten der Salzkirche mit. Zur Begrüßung gab es für alle ein rosafarbenes Schoko-herzchen, das von der Optik her glatt als aphorisierende Wunderpille hätte durchgehen können. Wer zeitig genug den Veranstaltungsort aufsuchte, konnte sich auch bereits durch die Vielzahl von kulinarischen Köstlichkeiten kosten. Die herzhaften bis süßen Häppchen trugen Namen wie "Liebeskugeln", "Seehäuser Schlafzimmerblick", "Betthupferl", "Liebesdiamanten" oder auch "Gebrochenes Herz", "Midlife-Häppchen" und so weiter. Schon mit der Vorbereitung dieses vielseitigen, optisch ansprechenden und sehr schmackhaften Buffets bewiesen die Gastgeberinnen einmal mehr Phantasie und Geschmack. Die Kostüme der Kunst- und Trödelmarktweiber versetzten das Publikum in die Zeit der 1930er Jahre.

Mit Frack und Zylinder trat Sigrid Haut, die einmal mehr die Regie führte, vor das Publikum. "Das kann ja heiter werden - wir wollen es hoffen", begann sie nach einer kurzen pantomimischen Vorführung. "Noch bis ins hohe Alter wurden viele bekannte Dichter und Denker von Amors Pfeil durchbohrt. Und auch dadurch schufen sie Weltliteratur." Genau davon sollten die Zuschauer eine ausgiebige Kostprobe erleben. Ein originales Grammophon half, das Publikum auch mental in vergangene Zeiten zurückzuversetzen. Nach kurzen Startschwierigkeiten gelang es sogar, das gute Stück in Betrieb zu setzen, und es erklang der alte Schlager "Chiantiwein".

Das Gedicht "Neue Liebe" von Joseph von Eichendorff, in dem der Autor das Gefühl des Verliebtseins treffend beschreibt, bildete den eigentlichen Auftakt. Ellen Rosik trug es sicher und ausdrucksvoll vor. Für Heiterkeit sorgte Susann Schneider mit der "Liebeserklärung des Raben Ralf" von Christian Morgenstern - ein Gedicht, das mit Lauten und nur wenigen Worten auskommt, um seine Botschaft herüberzubringen.

Dass Heinrich Heine ein hervorragender Beobachter seiner Umwelt war, lässt sich unschwer an seinem Gedicht "Guter Rat" erkennen, das Regine Roger-Knade vortrug - eine sicher nicht ganz ernst gemeinte Anleitung für das Leben, nicht nur was Liebe und Beziehung betrifft. Jeanette Alt trug gleich im Anschluss das Gedicht "Wiedersehen" (ebenfalls Heinrich Heine) vor, in dem der Dichter das alles andere als positive Treffen mit einer einstmaligen Liebe beschreibt. Weiter ging es in der ersten Runde mit Meisterwerken wie "Repetition des Gefühls" von Erich Kästner (vorgetragen von Christiane König), "Die Sturmnacht von Hugo von Hofmannsthal (Linda Bodenstein) und "Der Abschied" von Johann Wolfgang von Goethe (Doreen Behrendt). Alle Gedichte wurden sicher, ausdrucksstark und mit darstellerischem Können vorgetragen. An einen besonders anspruchsvollen "Brocken" hatte sich Elke Meißner herangewagt. Sie trug das amüsante, hintergründige und vielstrophige Gedicht des Humoristen Julius Stettenheim "Der Giraffenritt" vor, wofür es verdientermaßen viel Applaus gab.

Herzhaft lachen konnte das Publikum auch bei dem anschließend von Sigrid Haut geschriebenen und von Claudia Preuschoff und Viola Ruge gespielten Sketsch, bei dem es um altbekannte Probleme in einer langjährigen Beziehung und den wohl ewig zu Tage tretenden Unterschied zwischen Mann und Frau ging.

Zum Ende des ersten Teils, bewies Franka Rosenkranz mit der Geschichte "Die drei Schlangenblätter", dass auch ein Märchen von den Gebrüdern Grimm selbst für ein (fast ausschließlich) erwachsenes Publikum spannend und unterhaltsam sein kann.

Nachdem sich die Zuschauer in der Pause noch einmal über das vielseitige Buffet hermachten, entsprechende Getränke genossen und in der Salzkirche und dem Hof in angeregtes Plaudern verfielen, ging es so abwechslungsreich weiter wie im ersten Programmteil. Nicht von ungefähr gab es darin allein vier sehr unterschiedliche Gedichte und Geschichten von dem lebens- und liebeserfahrenen Kurt Tucholsky zu hören. Außerdem wurden Werke von weniger populären Autoren wie beispielsweise Johann Peter Utz, Robert Neumann, aber wiederum auch von Meistern wie Joachim Ringelnatz vorgetragen.

Den Abschluss bildete auch in der zweiten Runde ein Sketsch aus der Feder von Sigrid Haut, gespielt von Elke Meißner und Regine Roger-Knade. "Der Geheimrat" erwies sich als geschickt im Umgang mit seiner Ehefrau, denn er verstand es, sie stets im richtigen Augenblick mit den passenden Komplimenten einzuwickeln.

Für das rundum gelungene Programm wurden die Akteurinnen mit lang anhaltendem Applaus belohnt. Im Gleichtakt klatschend, wurde eine Zugabe verlangt. Die gab es in Form des von Sigrid Haut verfassten und vorgetragenen, ebenfalls amüsanten Gedichts "Der Frühling".

Ihren gelungenen Auftritt feierten die Kunst- und Trödelmarktweiber gemeinsam mit Freunden und Bekannten in gemütlicher Runde an der wärmenden Feuerschale auf dem Hof der Salzkirche.

Sigrid Haut möchte sich auf diesem Wege herzlich bei Rosi Behrendt (ebenfalls Mitglied der Kunst- und Trödelmarktweiber) und den anderen fleißigen Helferinnen bedanken, die die gesamte Versorgung (mit allem was dazu gehört) absicherten.

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