Mit der MDR-Kammersymphonie kündigt sich zum Freitag, 27.Mai, ein Klassikensemble von internationalem Rang und Namen für ein Konzert in der Seehäuser Wischelandhalle an. Das Ensemble tritt zum ersten Mal in der Altmark auf. Die Mitwirkenden verzichten auf ihre Gage. Denn die Instrumentalisten, die sonst ihre Brötchen unter anderem im Sinfonieorchester des Mitteldeutschen Rundfunks verdienen, spielen im Rahmen ihrer 14-jährigen Partnerschaft mit den Lebenshilfe-Vereinen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt einmal mehr für einen guten Zweck.

Osterburg. Wenn sich die Musiker des MDR-Symphonieorchesters am 27. Mai ab 18Uhr bis auf eine Handvoll Bläser (Flöte, Fagott und Horn) vor allem an Violinen, Violas, Violoncellos und Kontrabässen sozusagen von ihrer besten Saite zeigen, freut sich die Geschäftsführerin der Osterburger Lebenshilfe schon jetzt auf ein Klangerlebnis, das nicht nur für eingefleischte Klassikliebhaber ein Genuss sein dürfte. Denn: "Die Kammersymphonie live zu erleben, ist etwas anderes, als den CD-Spieler zu starten und sich auf die Couch zu setzen", weiß Regina Bahlke aus eigener Erfahrung.

Ein Markenzeichen des Ensembles ist, dass das Orchester keinen ständigen künstlerischen Leiter hat, sondern mit prominenten Gästen unter wechselnder Federführung konzertiert. In Seehausen koordiniert die Violinistin Prof. Antje Weithaas das Spiel der MDR-Symphoniker.

Prof. Antje Weithaas erhielt ihren ersten Geigenunterricht im Alter von viereinhalb Jahren, studierte Violine an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin, wo sie inzwischen selbst lehrt und ist Preisträgerin einiger internationaler Wettbewerbe. Als Solistin konzertiert Antje Weithaas weltweit unter anderem mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, den Bamberger Symphonikern, dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, dem San Francisco Symphony Orchestra, dem Royal Philharmonic Orchestra, dem BBC Symphony Orchestra unter vielen namhaften Dirigenten.

Wie wichtig dem Sender das soziale Engagement seiner Vorzeigemusiker ist, beweist auch die Anwesenheit des MDR-Intendanten Udo Reiter. Mit der Schirmherrschaft des neuen Ministerpräsidenten, so Regina Bahlke, habe es leider nicht wie erhofft geklappt.

Die Einnahmen des Konzertes fließen in zwei neue Projekte der Osterburger Lebenshilfe. Zum einen in eine interdiszi-plinäre Frühförderstelle, die behinderten Kindern heilpädagogische, medizinisch-thera- peutische sowie psychologische Betreuung und deren Eltern Beratung samt Vernetzung mit Fachdiensten bietet. Zum anderen soll unter dem selben Dach an der Osteburger Thälmannstraße eine behindertengerechte Tagesförderung für Rentner entstehen, um in das Leben der Betroffenen eine sinnvolle Struktur zu bringen und sie am gesellschaftlichen Geschehen teilhaben zu lassen (wir berichteten). Das Konzept ist offenbar auch ganz im Sinn der Kammersymphonie und des MDR-Sinfonieorchesters. Reinhard Riedel (erste Violine) erklärt stellvertretend für seine Kollegen: "Benefizkonzerte sind in unserer Gesellschaft enorm wichtig. Denn viele Menschen werden am Nutzen und am (finanziellem) Erfolg gemessen. Es ist daher wichtig, aus diesem Teufelskreis auszubrechen und etwas zu tun. Das Musizieren für behinderte Menschen ist für uns eine reine Herzensangelegenheit. Am Ende werden wir Musiker dafür mit leuchtenden Augen belohnt."

Diese leuchtenden Augen werden die Symphoniker hoffentlich nicht nur vom abendlichen Publikum, sondern schon bei der Generalprobe am Nachmittag zu sehen bekommen. Dann haben Betreute der Lebenshilfe, die sich sonst vielleicht nicht auf ein volles Konzert konzentrieren können, die Möglichkeit, klassische Musik zu genießen.

Karten für das Konzert sind im Vorverkauf für 20 beziehungsweise 25 Euro direkt bei der Lebenshilfe in Osterburg, Düsedauer Straße 21, Tel. 03937/221659 oder in der Stadtinformation Seehausen, Schulstraße 6, Tel. 039386/ 54783, zu haben.

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