Hindenburg. Mit einem alten Polizei-Lada und Motorradbegleitung holten der Leiter des Osterburger Revierkommissariats Herbert Guha und ein paar Mitstreiter gestern früh alles andere als unauffällig ihren künftigen Ex-Kollegen Hans-Jürgen Lenz aus Hindenburg ab. Durchaus ein passendes Geleit für den Kriminalhauptkommissar, der seinen letzten Arbeitstag in Angriff nahm, bevor er die Altersteilzeit genießen kann.

Probleme mit dem gewonnenen Freiraum dürfte der gelernte Werkzeugmacher, der (wie das zu DDR-Zeiten üblich war) als Seiteneinsteiger zu den Ordnungshütern kam, nicht haben. Der Hindenburger will sich mehr Zeit für die Familie - vor allem für die zehn Enkel seiner drei Kinder - nehmen, sich der Mopedsammlung widmen, öfter als bislang seine 650er Honda bewegen und natürlich mehr angeln gehen.

Seine Beamtenkarriere startete Lenz vor fast 38 Jahren bei der Verkehrspolizei. Danach war er unter anderem zehn Jahre als Abschnittsbevollmächtigter (ABV) für das Gebiet Hindenburg zuständig. Nach einem zwischenzeitlichen Abstecher zog es ihn zur Wendezeit endgültig zur Kripo, wo er es mit der gesamten Bandbreite des "Geschäfts" von Beleidigung über Diebstahl bis zum Mord zu tun bekam.

Zu seinen Negativ-Erfahrungen zählt Lenz eine Verkehrskontrolle zu DDR-Zeiten, als ihm der angetrunkene Fahrer eines sowjetischen Armeelasters eine geladene Makarov an die Schläfe hielt.

Bei den besonderen Erfolgserlebnissen will sich der Kriminalhauptkommissar nicht "festnageln" lassen. Aber wenn man einen Vermissten lebendig und wohlbehalten seinen Angehörigen zurückbringen oder lange verschollenes Diebesgut den Besitzern wieder übergegen konnte, "waren das schon schöne Augenblicke".

Einen großen, unerledigten Fall, der ihm die Ausgeglichenheit im Ruhestand rauben könnte, lässt der Hindenburger nicht zurück. Die aktuellen Sachverhalte, mit denen Lenz zuletzt beschäftigt war, sind abgearbeitet und an die Kollegen übergeben. Dienstliche Nachfragen beim Ex-Kommissar werden die Ausnahmen sein. Auch da unterscheidet sich das Berufsbild von dem, was der Fernsehzuschauer aus diversen Krimiserien kennt.

Herbert Guha, der Lenz seit fast 30 Dienstjahren kennt, wird einen Mitarbeiter vermissen, mit dem er in der Sache streiten, aber auch immer am selben Ende des Stranges ziehen konnte. "Es war ein angenehmes Arbeiten mit Hans-Jürgen", so Guha, der das später noch einmal bei einer kleinen Abschiedsfeier wiederholte, die der scheidende Kriminalhauptkommissar "über sich ergehen lassen musste".