Anfang des Jahres zogen die Kossebauer Feuerwehrleute mit Mann, Maus und Einsatzfahrzeug aus den beiden Garagen der Kirchengemeinde in ihr neues Domizil auf der anderen Seite der Kastanienallee. Mit einer gesunden Portion Stolz werden sich die Blauröcke um Wehrleiter Detlef Estedt am Sonnabend das Haus auch in aller Form von der Kommune beziehungsweise der Verbandsgemeinde übergeben lassen - und den Anlass natürlich entsprechend feiern.

Kossebau. Der Stolz ist berechtigt. Steckt in der Immobilie doch der Schweiß aller Brandbekämpfer. Mit der Altersabteilung sind das gut und gerne 50 Kameradinnen und Kameraden. Auf nahezu jeder Hofstelle des Straßendorfes gibt es wenigstens ein Familienmitglied, das Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Kossebau schiebt.

Die Schar der Helfer, die beim Bau des neuen Feuerwehrdomizils halfen, ist indes noch deutlich größer. Denn auch Einwohner, die sonst keinen direkten Draht zu den Blauröcken haben und sogar Rathslebener, packten bei dem Vorhaben, das im Umfeld seinesgleichen suchen dürfte, mit an. Das macht Sinn. Denn die Feuerwehr fragt die Opfer ja schließlich auch nicht erst nach ihrem Mitgliedsbuch, bevor sie die Flammen löscht.

An die 3000 Stunden hat Estedt an der Baustelle notiert. Die meisten davon wohl 2008, als die damals noch selbstständige Gemeinde das Projekt unter der Bedingung absegnete, dass sich die Ausgaben vor allem auf das Material beschränken und auf die Gewerke, wo es Sicherheitsvorschriften und Gewährleistungsansprüche unumgänglich machen (wir berichteten). Im April 2008 wurde auch der Grundstein für das neue Feuerwehr-Domizil gelegt und Ende des Jahres Richtfest gefeiert.

Die lockeren Runden zum Verschnaufen waren dem Gemeindeoberhaupt wichtig, um alle Akteure bei Laune und damit bei der sprichwörtlichen Stange zu halten. In der Tat würden Estedt und Co. so ein Projekt wohl nicht wieder freiwillig schultern. "Jetzt jedenfalls nicht", betont der Wehrleiter, um nachzuschieben: "In ein paar Jahren sieht das vielleicht wieder anders aus."

Der oberste Kossebauer Blaurock will keinen seiner Mitstreiter ausdrücklich auf den Schild heben. Der Erfolg habe viele Gesichter. Wobei er nicht nur Helfer, sondern auch beteiligte Firmen und Sponsoren oder die Frauen, die sich um das leibliche Wohl der Bauleute sorgten, einbezieht.

Einig sind sich die Insider, dass der damalige Bürgermeister Gert Reckling die zündende Idee hatte, und dass die im Gemeinderat, in dem vor der Gebietsreform auch der Wehrleiter saß, schnell auf breite Zustimmung stieß. Zum einen bei den Haushaltsrechnern, weil die Kommune nur rund 100000 Euro für das Vorhaben in den Haushalt einstellen musste. Und zum anderen bei den Blauröcken, weil die so einen gangbaren Weg sahen, doch noch zeitnah zu einem neuen Gerätehaus zu kommen.

Letztlich eine gute Entscheidung. Denn ob die Pläne unter heutigen Vorzeichen noch zu realisieren wären, darf zumindest bezweifelt werden.

Das Haus entspricht sowohl bei der Praxistauglichkeit als auch beim Aussehen den Vorstellungen der Initiatoren. Innen bietet die Immobilie Platz für das Fahrzeug, für die Einsatzkleidung, einen Umkleidebereich und sanitäre Anlagen. Außen passt das Fachwerk gut zum benachbarten Dorfgemeinschaftshaus und damit auch zum Ortsbild.

Ein Detail fehlt dem Gebäude indes noch. Auf der Giebelseite klafft in einem Fach über dem Segmenttor noch ein großes Loch. Das, verrät Estedt, werde am Sonnabend gefüllt. Und zwar mit einer Sandsteinplatte, auf der sich die Feuerwehr wiederfinden wird. Mit diesem Luxus belästigten die Blauröcke übrigens nicht die Gemeindekasse. Den Stein bezahlen die Kossebauer von den 715 Euro, die Radio SAW im April 2009 aus den Einnahmen der Angrillparty in Kossebau gelassen hatte. Auch mit dem Schlussstein bleiben die Brandbekämpfer und deren Helfer ihrem Kurs bis zum Ende treu. Das Geld deckt die Materialkosten. Die Inschrift wird gesponsert.

Der Festakt am Sonnabend beginnt um 15 Uhr mit dem Einsetzen der Sandsteinplatte und Grußworten. Die Stendaler Rolandmusikanten geben ein Platzkonzert. Dazu wird Kaffee und Kuchen gereicht. Abends gibt es Schwein am Spieß und ein gemütliches Beisammensein bei hoffentlich sommerlichem Wetter. Die Feierlichkeiten sind zwar nicht öffentlich. Aber die Gästeschar dürfte trotzdem groß werden. Denn neben beteiligten Firmen, Gemeinderat, Planern und Verwaltung dürfen sich alle Einwohner der Ex-Gemeinde Kossebau eingeladen fühlen.

 

Bilder