Dass die Zahl der Altmärker weiter schrumpfen wird, ist nicht neu. Wichtiger, als gebetsmühlenartig darauf hinzuweisen, ist die Antwort auf die Frage, was dagegen zu tun ist. Eine Studie, die das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr in Auftrag gab, soll helfen, solche Antworten zu finden. In sechs Landkreisen, darunter die beiden altmärkischen, wurde die Nahversorgungssituation für die Bewohner analysiert.

Stendal. Dass die Ergebnisse der Untersuchung ernüchternd sein würden, wussten die Mitglieder des kreislichen Bau- und des Wirtschaftsförderausschusses, denen sie am Mittwoch vorgestellt wurden, schon nach den einleitenden Sätzen von Wilfried Köhler: "Wir sollten uns die Welt nicht schönreden, sondern uns der Situation stellen", sagte der Leiter der Stabsstelle Demografische Entwicklung des Landesentwicklungsministeriums. Wie sich diese Situation darstellt, erläuterte Marcus Körner, Geschäftsführer von "IWD market research". Das Institut untersuchte ein Jahr lang die Nahversorgungssituation in sechs Landkreisen, darunter die beiden altmärkischen, befragte 3000 Männer und Frauen.

Abgefragt wurde zuerst, ob sich die Menschen in ihren Heimatorten wohlfühlen. Im Altmarkkreis Salzwedel bejahten das 95 Prozent, im Landkreis Stendal 93 Prozent. Hier zieht der Norden des Landes mit den analysierten Kreisen im Süden Sachsen-Anhalts gleich. Allerdings scheint dieses subjektive Empfinden darin begründet, dass die Ansprüche der Altmärker nicht so hoch sind wie die der Bewohner in den anderen Regionen.

Idee: Ehrenamtlich geführter Dorfladen

Deutlich wird das dort, wo die Fragen konkreter werden. Zum Beispiel die nach der Möglichkeit, im Wohnort mit Lebensmitteln zu kaufen. Nur 26 Prozent der Ostaltmärker auf dem Land (in den Dörfern der Westaltmark waren es 37 Prozent) können das noch. Kurz: Die Versorgung in den Dörfern ist schlecht, zumindest bedeutend schlechter als zum Beispiel im Salzlandkreis, wo 56 Prozent der Befragten in ihren Dörfern Lebensmittel kaufen können.

Ähnlich traurig ist das Bild, wenn es um den Bäcker- oder Fleischerladen - und sei es nur in der Variante eines Verkaufswagens - im Dorf geht. Auch hier schneidet die Altmark und vor allem der Landkreis Stendal schlecht ab. In der Altmark gibt es diese Versorgungsmöglichkeit nur noch in jedem dritten Dorf. Zwar ist die Hälfte der Befragten mit dieser Situation zufrieden, jedoch wünschten sich mehr als 90 Prozent der Menschen eine Versorgung vor Ort.

Es fehlt auch an Bankdienstleistungen im ländlichen Raum. Nur jeder dritte Altmärker kann in seinem Wohnort Geld abheben. Noch schlechter schneidet die Altmark bei den Apothekendienstleistungen ab. Mehr als 80 Prozent der Landbevölkerung muss zum Medikamentenkauf in die Stadt fahren.

Die Schlussfolgerung von Marcus Körner: "Wir brauchen also einen Dorfladen, in dem man Medikamente bekommen kann und in dem auch ein Geldautomat steht." Wie diese Wunschvorstellung zu realisieren ist, war nicht Gegenstand der Analyse. Die Politik sei gefragt, die Rahmenbedungen zu schaffen - und die Akteure vor Ort, sie auszufüllen, zum Beispiel mit ehrenamtlichem Engagement. Jeder fünfte Befragte wäre dazu bereit, stellte Körner fest. Das Modell des ehrenamtlich betriebenen Dorfladens wäre demnach konkretere Überlegungen wert.

Allerdings ist das nur eine Baustelle, auf der künftig kräftig geackert werden muss, soll das Leben im ländlich strukturierten Norden Sachsen-Anhalts auch für nachfolgende Generationen noch attraktiv und zum Hierbleiben gemacht sein. Auch dazu liefert die repräsentative Studie von Marcus Körner und seinen Mitarbeitern die bitteren Wahrheiten.

Zufriedenheit oder doch eher Resignation?

Für 70 Prozent der altmärkischen Dorfbevölkerung gibt es heute keinen Arzt vor Ort und die Frage, ob es im Dorf noch eine Schule gibt, konnten lediglich 37 Prozent der Befragten mit Ja beantworten. Vielleicht ist darin auch der einzige Punkt begründet, in dem die Altmark besser abschneidet als die anderen unter die Lupe genommenen Landkreise: der ÖPNV. 62 Prozent der Dorfbevölkerung im Landkreis Stendal sind damit zufrieden, mehr als in allen anderen Landkreisen.

Allerdings wurde der immer wieder in der Studie auftauchende Zufriedenheitsbegriff von den Mitgliedern der beiden Kreistagsausschüsse am Mittwoch an einigen Stellen durch einen anderen ersetzt: Resig- nation.