Krevese. In einer gut besuchten Vernissage am Sonn-abend fand Fotografin Ingrid Bahß aus Köln, die Werben ihren Zweitwohnsitz hat, nicht nur viel Beachtung für ihre Ausstellung von Schwarz-Weiß-Aufnahmen "Stillleben aus dem Kloster Amt Dambeck", sondern im Gelben Saal des Herrenhauses Krevese auch das würdige Ambiente.

Die Fotos dieser künstlerischen Richtung, das sagt schon das Wort, strahlen Stille und Ruhe aus. Ralf Engelkamp, einer der Hausherren, sagte in seiner Einführung: "In unserer Zeit wird die Sehnsucht der Menschen nach Ruhe und Besinnung, die Suche nach dem Sinn des Lebens immer stärker, immer spürbarer. Und die Idee von Ingrid Bahß, diesem auf ihre Weise nachzugehen, ist gewachsen, ist gereift, eine Probe davon können wir hier sehen."

Es sind eigentlich ganz profane Motive, die nicht mit der Kamera "eingefangen" werden mussten, sondern sie sind immer noch da, rühren sich nicht von der Stelle, ruhig eben und doch ausdrucksstark, Gegenstände, mit denen es die Bewohner des Klosters tagtäglich zu tun haben. Etwa die Krüge auf einem Wandbord oder Geschirrtücher mit Monogramm, ein Schemel, Steine, zwischen denen früheren Zeiten vermutlich Getreide zu Mehl zerrieben wurde und vieles andere.

Liselotte Schulze aus Kannenberg umrahmte die Veranstaltung musikalisch mit mehreren Klavierstücken. Hartmut und Tüddel Wunsch, gute Bekannte der Fotografin aus Bergisch-Gladbach, hatten Gedichte zum Thema Stille mitgebracht, die von Goethe bis Wohlfahrt stammten und unterschiedlicher nicht sein konnten, dazu ein von Hartmut Wunsch zitiertes Wort von John Cage: "Stille kann sehr laut sein ..."

Bevor sich die Gäste mit einem Glas Rotwein oder einer Schmalzstulle in der Hand zerstreuten, um in die Stille der Bilder einzutauchen, gab Ingrid Bahß ihnen noch einige Worte auf den Rundgang mit: "Gute Orte, die still sind, in denen ich mich ausruhen kann, geben mir Halt, sind von positiver Energie erfüllt." Ihr Weg durchs Leben sei immer ein Suchen nach guten Orten gewesen. "Als ich das Klostergelände in Dambeck zum ersten Mal betrat, war ich mir sofort sicher, an einem guten Ort angekommen zu sein, dem ich die Treue halten werde." Ein Ort, der stabil und zart in einem sei. Stabil durch sein festes Fundament im Glauben, zart und umsichtig im Umgang im Miteinander.

Der Fotozyklus zum Kloster sei ein Vorhaben, dem sie eine eigene Zeit gäbe. Es gehöre zur Idee, dass es in Gelassenheit verwirklicht werden solle. "Teil eins, eine Schwarz-Weiß-Serie mit Stillleben, ist entstanden", so Bahß weiter, "als Teil zwei plane ich, die Tiere des Klosters zu fotografieren. Und wenn die Brüder einverstanden sind, möchte ich mich im dritten Teil mit dem Arbeitsleben dort beschäftigen." Auch mit dem Ort der jetzigen Ausstellung, dem Herrenhaus Krevese werde sie ihrem Anliegen ganz und gar gerecht, die Klosterfotos nur an Orten zu zeigen, die eine feine Melodie und eine warme Temperatur haben.

Die Ausstellung unter dem Titel "Ora et labora" ("Bete und arbeite"), dem Grundsatz der Benediktiner, ist in der Veranstaltungsreihe "Kulturstückchen 2011" bis zum 3. Juni im Kreveser Herrenhaus zu sehen. Wenn dann am 4. Juni der 30. Kreveser Orgelsommer eröffnet wird, zieht die Ausstellung in der benachbarten Klosterkirche St. Marien. Bis dahin können Besuche unter Telefon 03937/ 250692 vereinbart werden.

 

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